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freizeit Essen & Trinken
11/22/2020

Warum wir Walnüsse nicht im Garten vergammeln lassen sollten

Das Start-up Nussland in Niederösterreich setzt auf heimische Walnüsse und knackt gegen Lohn.

von Anita Kattinger

Ihre besten Mitarbeiter haben einen buschigen Schwanz und sind von rot-brauner Tönung. Besonders freuen sich Julia Taubinger und Marcus Schindelegger über befellte Kollegen, die ihren Schatz vergraben und gar nicht mehr finden. Denn jede Walnuss, die diesen Winter nicht von Eichhörnchen verspeist wird, könnte ein fruchtbarer Walnussbaum im kommenden Jahr werden. Und das freut wiederum die beiden professionellen Nussknacker.

Wahrscheinlich überstand die Echte Walnuss die Eiszeit in Syrien. Wie genau die Juglans regia nach Europa kam, ist umstritten: Gesichert ist, dass ihre Kultivierung in großen Teilen Europas in der römischen Zeit stattfand. In ihrem Namen steckt noch die mittelhochdeutsche Bezeichnung "welsch nuz", also "die von den Romanen herkommende Nuss".

Knacken gegen Lohn

Bei uns findet man die Walnuss in kultivierter Form vor allem in Niederösterreich, dem Burgenland und Oberösterreich auf Bauernhöfen oder in Gärten sowie in wilder Form in Auwäldern wie an der Donau und der Enns. Wer bereits mit dem großen Weihnachtsbacken begonnen hat, wird erstaunt feststellen, dass es in heimischen Supermärkten keine Walnüsse aus Österreich gibt.

Laut Statistik Austria wurden vergangenes Jahr lediglich 169 Hektar erwerbsmäßig angebaut und 273 Tonnen Walnüsse geerntet. Auf Streuobstwiesen wurden deutlich mehr, nämlich 2.812 Tonnen Walnüsse, geerntet. Diese Mengen decken bei Weitem nicht den heimischen Bedarf ab: Im Winter kaufen die Österreicher in Supermärkten daher Nüsse aus Moldawien, Rumänien oder China.

"Wenn wir an Nüsse denken, glauben wir, wir kaufen ein regionales Produkt. Leider sind große Walnussbaumanlagen bei uns erst im Entstehen. Deswegen ist es umso wichtiger, dass wir Walnüsse nicht in unseren Gärten vergammeln lassen. Unsere größten Lieferanten sind Landwirte, die nur bis zu zehn Bäume besitzen. Auch wenn sie ihre Nüsse selbst nicht verarbeiten wollen, übernehmen wir sie noch feucht", so Taubinger.

Vor vier Jahren hatten die Architektin und der Maschinenschlosser die Idee, eine moderne Nusssortieranlage anzuschaffen: Das Start-up "Nussland" im niederösterreichischen Mostviertel kauft Nüsse aus fremden Gärten, bereitet diese auf und veredelt sie zum Beispiel zu Pestos (je nach Qualität und ob Bio beträgt der Ankaufspreis zwischen 1,60 und 3 Euro pro Kilogramm).

Wer will, kann auch seine Nüsse bringen und gegen Lohn knacken lassen. Wie kommt man auf eine derartige Geschäftsidee? "Wir haben damals auf unserer Landwirtschaft selbst ein paar Bäume gepflanzt – mittlerweile sind es 700. Ich habe nie vergessen, wie die Bäcker in meiner Kindheit über ranzige Nüsse geschimpft haben. Nüsse aus dem Supermarkt werden lange gelagert. Unsere sind knackfrisch und schmecken nur nussig."

Schlechte Ernte: Herbst war zu feucht

Die Nussknacker wollen Landwirte und Private davon überzeugen, Haine anzulegen. Alleine in den vergangenen Jahren seien 1.500 Hektar Walnussbäume angelegt worden. Ob alle Bäume in den Ertrag kommen, kann man nicht voraussagen: Die Pflanze wird in einem Alter von zwei bis drei Jahren ausgesetzt.

Fünfjährige Bäume geben erste Nüsse und im Alter von acht bis zehn Jahren gibt es Erträge. "Mit der Nachfrage nach regionalen Nüssen wird auch die Anzahl von Baumanlagen steigen. Außerdem bieten wir Übernahmestellen an, damit auch kleinere Mengen in Ober- und Niederösterreich abgegeben werden können. Dadurch erreichen wir private Sammler, die vielleicht nur einen einzigen Nussbaum im Garten stehen haben. Im Süden suchen wir noch eine Übernahmestelle, gerne auch in Wien."

Obwohl der sommergrüne Laubbaum unser Klima gut verträgt, fiel die Ernte heuer schlecht aus: "Der Befall mit der Walnussfruchtfliege war extrem hoch, weil der Winter 2019 kalt war. Auch das Wetter war nicht optimal: Im Frühling hat es wenig geregnet, teilweise gab es Frost und jetzt zur Erntezeit war es feucht – was nicht zur Ernte-Motivation beiträgt."

Laut dem Volkskunde Museum Wien schenkt man Kindern seit  dem Mittelalter am Tag des Heiligen Nikolo Äpfel, Nüsse, Gewand und Spielzeug. Der Einlege-Brauch in Schuhe, Schüsseln oder Schiffchen geht auf die Legende zurück, wonach Nikolaus von Myra drei Mädchen durch Einlegen von Goldklumpen vor der Prostitution bewahrt hätte. Der Brauch wurde an das Wohlverhalten der Kinder das ganze Jahr über, aber besonders in der Adventzeit, geknüpft.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts entdeckten Konquistadoren Erdnüsse in der Hauptstadt des Azteken-Reiches und brachten diese nach Europa. Seit Jahrzehnten ist es bei uns üblich, dass Erdnüsse ins Nikolo-Sackerl gesteckt werden. Botanisch gesehen handelt es sich bei Erdnüssen gar nicht um Nüsse, sondern um Hülsenfrüchte. Zu den weltgrößten Produzenten gehören China und Indien. Seit 2019 gibt es in Kooperation mit Ja! Natürlich einen Versuch im niederösterreichischen Raggendorf, Erdnüsse anzubauen. Heiße und niederschlagsarme Sommer haben den Anbau der subtropischen Pflanze in Österreich begünstigt. Diesen November brachten Franz und Roman Romstorfer die Ernte zum zweiten Mal ein – rechtzeitig für’s Nikolosackerl.

Der Großteil der importierten Haselnüsse kommt aus der Türkei, Italien und Aserbaidschan. Mittlerweile setzen auch einige heimische Landwirte auf den Anbau von Haselnüssen: Projekte finden sich im Marchfeld sowie im Waldviertel.

Haltbarkeit

Wie sollen Nüsse gelagert werden? Dunkel und kühl: Nach dem Knacken verschlossen im Gefrierfach aufbewahren.

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