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08/05/2021

Vom Tagebuch für Bäume zum virtuellen Zollbeamten: So kreativ ist Niederösterreich

Zwei weitere mutmachende Unternehmen aus Niederösterreich im Portrait

Blühende Kreativität in der IT

Digitalisierung: Maßgeschneiderte Web- und Softwarelösungen sind die Spezialität der Firma MBIT.

Wenn die 30-köpfige Mannschaft von MBIT Solutions an ihrem neuen Standort im Digital Makers Space in Diendorf am Kamp nicht gerade an IT-Individuallösungen für große und kleine Kunden arbeitet, dann wird die Kreativität des Teams anders ausgelebt.

„Das Projekt Tree Tagging war zunächst nur eine interne Spielerei“, erzählt Geschäftsführer Martin Böhacker. „Wir haben rund um das Büro verschiedenste Obstbäume gesetzt, die Schilder konnte man aber nach einiger Zeit nicht mehr entziffern.“ Daher wurde kurzerhand ein Chip mit QR-Code entwickelt, der mit dem Handy gelesen werden kann. Wie ein Tagebuch eines Baums ist das, Historisches und Pflegemaßnahmen können da erfasst werden. Aus dem Spielprojekt wurde ein echtes Projekt, das in den nächsten Wochen umgesetzt wird.

Auch eine Obstbaumschule aus der Steiermark hat schon Interesse daran bekundet. „Wenn man krampfhaft eine Idee sucht, funktioniert es meistens nicht. Aber aus Spaß am Tüfteln entstehen oft die besten Sachen“, lacht Böhacker. Und das lässt sich auch anhand der „regulären Arbeit“ feststellen: Die IT-Berater, Programmierer, Marketing- und E-Commerce-Strategen sowie Usability- und Design-Experten von MBIT sind mit Spaß an der Arbeit. Das ist dem Geschäftsführer wichtig, der das Unternehmen vor mittlerweile 21 Jahren gründete. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Mittelpunkt, so lautet eine der Firmenphilosophien von MBIT.

Wenn man krampfhaft eine Idee sucht, funktioniert es meistens nicht. Aber aus Spaß am Tüfteln entstehen oft die besten Sachen!

Martin Böhacker, Geschäftsführer MBIT Solutions

Start-up-Mentalität

Flache Hierarchien, Home-Office-Möglichkeiten schon lange vor Corona und dann ist da natürlich das moderne Büro. Von den 700 Quadratmetern sind die Hälfte als Kommunikationsort gedacht, ausgestattet mit Boulder-Wand, Virtual Reality Lab, eigener Bar und mit einem großen Fokus auf das gemeinsame Essen. Besonders stolz ist man bei MBIT auf den jüngsten Wachstumsschub: Von 20 Mitarbeitern im März 2020 auf mittlerweile 30 Köpfe. Auch aus einem ganz bestimmten Grund war Corona eine Chance für das IT-Unternehmen. „Viele Firmen haben erkannt, dass digitale Geschäftsmodelle funktionieren oder dass sie das bestehende Geschäftsmodell digitalisieren wollen und müssen.“

Daher hat sich das MBIT-Team darauf konzentriert, ihren Kunden weiterzuhelfen und neue Vertriebswege für sie zu öffnen. Wie etwa der Bäckerei Bartl aus Hadersdorf am Kamp, für welche die digitale Lösung „Bartl bringt´s“ entwickelt wurde, damit in den Lockdowns frisches Brot direkt zu den Kunden geliefert werden konnte. „Corona hat Druck aufgebaut und so Veränderungen ermöglicht. Die Digitalisierung bietet mehr Chancen als Risiken und da sollte man einfach dranbleiben“, ist Böhacker überzeugt. Obwohl es also einiges zu tun gibt, wird weiterhin fleißig am Digital Makers Space getüftelt, so der Chef: „Wir sind zwar Technikverrückte, aber nicht unbedingt die talentiertesten Gärtner. Für unser Hochbeet am neuen Standort haben wir uns daher einen Ernteroboter gebastelt, die Anleitung dazu haben wir uns einfach ergoogelt.

Ein virtueller Zollbeamter

Künstliche Intelligenz: Das Schwechater Unternehmen Digicust will den Zollprozess automatisieren

Dexter, Taric und Neo sind keine Hollywood-Charaktere, sondern im Falle des Start-ups Digicust hilfsbereite virtuelle Roboter, die die Zollabwicklung revolutionieren sollen.

Gegründet wurde Digicust von Borisav Parmakovic und seinem Team im August 2020. Parmakovic arbeitet aber schon viel länger an den Problemen, die die Branche zu bieten hat, hat er doch selbst unter anderem als Zolldeklarant gearbeitet und Logistik sowie „Digital Business Innovation and Transformation“ studiert. Innovation und Transformation der Speditionsbranche, das soll mithilfe der drei virtuellen Roboter passieren. Denn Fachkräftemangel, ein hoher Konkurrenzdruck und fehlende Digitalisierung machen auch vor der Speditionsbranche nicht Halt.

Unterstützung

Jeder virtuelle Roboter hat seine eigene Aufgabe, das Trio ist in eine Webanwendung integriert, welche die Arbeit von Zolldeklaranten und Speditionsmitarbeitern erleichtern soll. Dexter kümmert sich um Datenverarbeitung und Datensammlung und liefert die Informationen an Taric und Neo. Taric kontrolliert die Warenbeschreibung und die Zolltarifnummer . Neo hingegen prüft die Glaubwürdigkeit der Dokumente, analysiert, kontrolliert und aktualisiert die Daten.

„Konkret bedeutet dies die manuelle Dateneingabe zu vermeiden, die Betrugserkennung zu erhöhen und Zolldeklaranten auf Falschdeklarationen aufmerksam zu machen. Somit ermöglichen wir unseren Kunden enorme Kosten- und Zeitersparnisse zu realisieren und gleichzeitig die (Daten-)Qualität, Sicherheit und Betrugserkennung im Zoll zu verbessern.“ Die Arbeit der Zolldeklaranten soll jedoch nicht obsolet gemacht werden. „Sie werden lediglich unterstützt, um ihre Arbeit besser zu machen“, sagt Borisav Parmakovic. Außerdem seien Dexter, Taric und Neo lernfähige, von künstlicher Intelligenz unterstützte Systeme, die sich stets an die Anforderungen der Kunden anpassen und von ihnen lernen.

Langfristig wird sich der Beruf des Zolldeklaranten aber massiv verändern, weg von Dateneingaben und hin zu mehr strategischer Beratung und Service für die Kunden

Neues Berufsbild

„Langfristig wird sich der Beruf des Zolldeklaranten aber massiv verändern, weg von Dateneingaben und hin zu mehr strategischer Beratung und Service für die Kunden“, so Geschäftsführer. Bei dieser Transformation unterstützen also die drei virtuellen Roboter. „Das Ergebnis ist mehr Sicherheit und mehr Qualität. Davon profitiert jeder.“

Aktuell besteht das junge Unternehmen aus 15 Mitarbeitern mit den Schwerpunkten auf Zoll, IT, Data Science, Datenmanagement und Marketing . „Es war nicht ganz leicht, während Corona eine Firma zu gründen, aber als Software-Unternehmen haben wir uns gut anpassen können. Wir hatten auch das Glück, frühzeitig Förderungen zu bekommen.“ Unterstützt wurde Digicust bis jetzt unter anderem vom Creative-Pre-Inkubator-Programm der IMC FH Krems, dem Inkubator der Förderagentur Accent des Landes Niederösterreich sowie der Wirtschaftskammer NÖ.

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