© Kurier/Juerg Christandl

Interview
10/16/2020

Wiens SPÖ-Klubchef: "Wirtschaftskompetenz haben wir auch"

Was Josef Taucher von einer möglichen Koalition mit den Neos hält und wie er mit Birgit Hebein auskommt.

von Josef Gebhard

Als SPÖ-Klubchef wird Josef Taucher eine wichtige Rolle in den Koalitionsverhandlungen spielen. Der KURIER sprach mit ihm darüber, wohin die Reise gehen könnte.

KURIER: Die SPÖ hat bei der Wahl um zwei Prozentpunkte zugelegt. Angesichts der Implosion der FPÖ – wäre da nicht mehr drin gewesen?

Josef Taucher: Für uns wäre es schon ein Erfolg gewesen, wenn wir die 39,6 Prozent von Michael Häupl 2015 erreicht hätten. Denn es gibt kaum einen Bürgermeister, der bei seiner ersten Wahl dazugewonnen hat.

Jetzt sind wir schon mitten im Koalitionspoker: Ihr guter Freund und Parteikollege, der Donaustädter Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy, will den Grünen das Verkehrsressort wegnehmen. Sind Sie auch dafür?

Als Klubchef der SPÖ Wien werde ich keine Bedingungen stellen. Ich mag ja auch nicht, wenn uns unser Gegenüber Bedingungen stellen würde. Wir sondieren zunächst einmal kommende Woche und werden dabei mit allen drei Parteien gleichwertig reden.

Aber auch Sie haben sich in der Vergangenheit oft kritisch über Vizebürgermeisterin Birgit Hebein geäußert – etwas im Zusammenhang mit der Parkpickerl-Reform. Gilt das jetzt nicht mehr?

Dass wir kritisch sind in der politischen Auseinandersetzung, ist klar. Diese konstruktive Auseinandersetzung wird es aber mit allen Parteien geben, mit denen wir jetzt Gespräche führen.

Rot-Grün ist laut Umfragen mit großem Abstand die beliebteste Koalitionsvariante. Muss man das nicht auch in den Verhandlungen berücksichtigen?

Ich würde sagen: Zunächst ist Rot die beliebteste Variante in Wien. Wir sind mit Abstand auf Platz eins gekommen. Aber jetzt geht es nicht darum zu schauen, was uns schmeckt, sondern was gut für die Wiener ist.

Alle sprechen von einer möglichen SPÖ-Neos-Koalition. Die Neos waren lange als neoliberal verschrien, jetzt sind immer mehr in der SPÖ für ein Bündnis. Woher der Sinneswandel?

Ich weiß nicht, ob es diesen Sinneswandel gibt. Ist jemand in Opposition, ist er natürlich weit kritischer, weil er sich profilieren muss. Das gilt für uns im Bund genauso. Wenn man in Richtung Regierungsverantwortung geht, wird man dann da oder dort Kompromisse schließen müssen. Die Grünen setzen im Bund ja auch nicht alles durch.

Altbürgermeister Michael Häupl warnt vor einer Koalition mit der ÖVP, weil Sebastian Kurz ein „Sozialistenfresser“ sei. Wie oft hat ÖVP-Klubchefin Elisabeth Olischar schon versucht, Sie zu fressen?

Hier würde ich gern ironisch antworten, tue es aber nicht. Mit der Frau Olischar haben wir ein sehr gutes Einvernehmen. Sie ist nach meiner Wahrnehmung eine Ökosoziale. Da haben wir gute Schnittmengen, weil ich auch aus diesem Bereich komme.

Die ÖVP verkauft sich als Partei mit Wirtschaftskompetenz. Wäre sie angesichts der Corona-Krise nicht der richtige Partner?

Die Wirtschaftskompetenz haben wir auch. Ich verweise nur auf den Budgetüberschuss, den wir im Vorjahr erwirtschaftet haben.

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