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Chronik Wien
02/14/2020

Wiener ÖVP-Stadtfest steht auf der Kippe

Das traditionelle Stadtfest der ÖVP dürfte dieses Jahr ausfallen. Die Veranstalter halten sich bedeckt. Aktuell prüft die U-Kommission das Fest.

von Josef Gebhard, Stefanie Rachbauer, Christoph Schwarz

Das Wiener Stadtfest, das seit 1978 über die Bühne geht, dürfte KURIER-Informationen zufolge dieses Jahr ausfallen.

Das ist vor allem angesichts der im Herbst anstehenden Wien-Wahl verwunderlich: Denn das Stadtfest ist eine Veranstaltung der Wiener ÖVP, die eigentlich wahlkämpft.

Als Initiator trat zuletzt Wiens ÖVP-Chef Gernot Blümel auf, offiziell organisiert wird das Fest vom Verein "Wiener Stadtfeste". Beide - sowohl die Wiener ÖVP als auch der Verein - gaben sich am Freitag wortkarg.

Karin Holdhaus, Ex-ÖVP-Mandatarin und Präsidentin des Vereins, weile in Italien und sei daher nicht erreichbar, so die Auskunft.

Aus der ÖVP hieß es schließlich: Die Entscheidung sei "noch nicht getroffen". Die Partei habe aber auch keinen Einfluss darauf, ob das Fest zustande komme. "Es handelt sich um eine Vereinsentscheidung, wir sind nur Partner." Das Fest sei "immer als überparteiliches kulturelles Fest für alle Wienerinnen und Wiener konzipiert gewesen, nie als Parteifest".

Klarheit solle es in den nächsten Wochen geben.

Ob die Wiener ÖVP sich den Fortbestand wünscht? Kein Kommentar.

Zuletzt kam das Stadtfest bzw. der Verein, der es organisiert, wegen Ungereimtheiten bei den Förderungen ins Schussfeld des Rechnungshofs. Pro Jahr erhielt der Verein rund 400.000 Euro an Subventionen durch die Stadt Wien.

Was mit dem Geld passierte, wollte man der zuständigen MA 7 (Kulturabteilung) allerdings nicht im Detail verraten: „Die vom Verein […] vorgelegten Belege erhielten keine Hinweise über die konkret erbrachten Leistungen, zudem reichten drei Rechnungen aus, um 50% der Förderungen zu belegen.“ So heißt es in einem Bericht des Rechnungshofs, der erst vor wenigen Monaten veröffentlicht wurde.

Die übermittelte Belegaufstellung hätte nicht den Abrechnungsbedingungen für Subventionen entsprochen. Zudem wichen die nachgewiesenen Ausgaben des Vereins im Ausmaß von bis zu 47 Prozent von den geplanten Ausgaben ab, ohne dass der Verein erläutert hätte, kritisieren die Prüfer, die die Jahre 2014 und 2015 untersucht haben.

Den Bericht nahm die FPÖ zum Anlass, die Causa in der aktuellen U-Kommission zur Finanzierung parteinaher Vereine untersuchen zu lassen.

Streit um Förderungen

Bereits 2016 war es rund um Förderungsbelege zu Kontroversen gekommen, die sogar zu einer kurzfristigen Absage des Stadtfestes führten.

Die ÖVP begründete dies damals damit, dass es keine rechtzeitige Subventionszusage seitens der Stadt gegeben hätte. Die Stadt erklärte die Verzögerung mit dem Fehlen einer detaillierten Kostenaufstellung, weshalb man bei den Organisatoren Kalkulationen nachgefordert hatte.

Neue Auflage, neues Konzept

Erst 2017 kam es zu einer Neuauflage des ÖVP-Events - und zwar auf Basis eines neuen Konzepts, das Landesgeschäftsführerin Bernadette Arnoldner damals als "Weltneuheit" bezeichnete.

Die Idee dahinter: Anstatt zentrale Plätze in der Innenstadt zu bespielen, schickte die ÖVP die Besucher auf eine Art Schnitzeljagd. Die meisten der 70 Stationen und Programmpunkte mussten per App gefunden werden. Wer dabei erfolgreich war, konnte unter anderem mit US-Schauspieler und Sänger David Hasselhoff im Taxi herumkurven.

In die Peripherie hatte sich die ÖVP auch schon zum 30. Geburtstag des Stadtfests gewagt: Das Jubiläum wurde 2013 mit einem  Flashmob auf dem Kahlenberg gefeiert. Zugpferde standen allerdings nicht auf dem Programm - im Gegensatz zum 25. Geburtstag, als die bekannte deutsche Popsängerin Nena am Stadtfest auftrat.

Fokus auf Nachwuchs

Im Jahr 2018 wurde das dezentrale Konzept fortgesetzt. Allerdings mit nur fünf Standorten, die im Vorfeld auch bekannt gegeben wurden. Anstatt auf internationale Stars setzte man auf heimische Nachwuchs-Musiker.

Dieser Fokus wurde im Vorjahr intensiviert: Eine prominent besetze Jury, in der unter anderem EAV-Urgestein Klaus Eberhartinger und die deutsche Popsängerin Sarah Lombardi saßen, castete die Acts. Laut ÖVP bewarben sich rund 300 Personen. 

Zum ersten Mal hatte das Stadtfest übrigens 1978 stattgefunden. Begründer war der damalige nicht amtsführende Stadtrat und spätere ÖVP-Landesparteiobmann Erhard Busek.