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Chronik Wien
09/11/2021

Wiener MA35: "Übrig bleiben Gesinnungstäter und Überforderte"

Psychologe empfiehlt MA35 permanente Supervision. Rechtsexperte ortet staatlich angeordneten Rassismus.

von Bernhard Ichner

Nicht nur mit der MA35 sind viele unzufrieden, sondern auch in der Abteilung. Etliche Mitarbeiter sollen Burn-out-gefährdet sein. Ein frustrierter Angestellter schilderte jüngst etwa, dass Telefone prinzipiell nicht mehr abgehoben werden.

Arbeits- und Organisationspsychologe Harald Mathé sieht darin einen Akt der Resignation: „Zuerst hat man engagierte Mitarbeiter, die eng mit menschlichen Schicksalen in Kontakt kommen. Doch unrealistische Ziele, überlange Arbeitszeiten, die unbedankte Arbeit und mangelnder politischer Rückhalt führen dazu, dass sich die Mitarbeiter allein gelassen fühlen. Sie erleben ein Ohnmachtsgefühl, einen Kontrollverlust. Die Folge ist diese Vogel-Strauß-Haltung.“

Ohne permanente Supervision werde sich am Status-quo nichts ändern, meint Mathé. Auch nicht durch 50 zusätzliche Mitarbeiter, wie von Stadtrat Christoph Wiederkehr (Neos) angekündigt.

"Staatlich angeordneter Rassismus"

Eine komplette Neuaufstellung empfiehlt Peter Marhold von „Helping Hands“. Die NGO hilft Fremden bei der Integration in Österreich und steht der MA35 entsprechend oft in Verfahren gegenüber.

Die Probleme der MA35 hätten viele Wurzeln, meint Marhold. „Wer weg kann, bewirbt sich woanders. Übrig bleiben die Gesinnungstäter, die alle Ausländer für Verbrecher halten, und die Überforderten.“ Letztere seien trotz immer komplizierter werdender Gesetzesmaterie unzureichend eingeschult. So habe es früher vier verschiedene Aufenthaltitel gegeben, mittlerweile seie es 24.

Zudem gebe es auch im sozialdemokratischen Wien „den politischen Auftrag, ja nicht zu ausländerfreundlich zu agieren“, um rechten Parteien keine Angriffsfläche zu bieten. „Staatlich angeordneten Rassismus“, nennt Marhold das. Bisherige Abteilungsleiter seien dem machtlos bzw. desinteressiert gegenüber gestanden und politisch Verantwortliche hätten sich davor gehütet, sich mit dem Riesenmagistratsapparat anzulegen.

Der KURIER wollte Wiederkehr dazu interviewen – doch der Wiener Vizebürgermeister lehnte ab.

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