Chronik | Wien
04/29/2016

Nach Vergewaltigung: Praterstern wird totalüberwacht

Polizeipräsident Gerhard Pürstl kündigt einen Video-Bus sowie Serien-Razzien an.

Nach dem schockierenden Höhepunkt der Straftaten am Praterstern – die Vergewaltigung einer 21-jährigen türkischen Studentin durch drei afghanische Asylwerber – ändert die Wiener Polizei jetzt am Drogen-, Bettler- und Gewalt-Hotspot der Stadt ihre Strategie. Laut Statistiken werden aktuell ein Prozent aller in Wien angezeigten Straftaten (420 strafrechtliche Delikte) am Pendler-Drehkreuz in der Leopoldstadt begangen. Polizeipräsident Gerhard Pürstl präsentierte am Freitag die verschärfte Vorgehensweise der Exekutive.

So wird in Zukunft ein mobiler Video-Bus am Praterstern eingesetzt. Für Straftäter schwer erkennbar, sollen damit nicht nur Verbrechen für die Strafverfolgung dokumentiert werden (wie etwa mit den Kameras der ÖBB im Bahnhof).

Bei auffälligen Situationen können Uniformierte sofort zum Einsatz dirigiert werden. Dieses Spezialfahrzeug kam bereits bei Demos mit Gewaltpotenzial sowie der Observation der Drogenszene am Schwedenplatz zum Einsatz.

Pürstl kündigte auch an, die Einsatzpläne der Polizei entsprechend anzupassen: "Wir werden in Zukunft verstärkt in der Zeit zwischen 19 Uhr und ein Uhr Früh am Praterstern präsent sein, denn die meisten Straftaten passieren in diesem Zeitfenster. Nur so können wir die Kriminalität vor Ort effizient bekämpfen. Die massive Patrouillentätigkeit am Tag bleibt ebenfalls aufrecht."

Gesetzesänderung

Große Hoffnung setzt der Polizeipräsident in die vorgestern geänderte Gesetzgebung betreffend Straßendealer: Ab 1. Juni drohen bereits beim ersten Drogendelikt zwei Jahre Haft. Für Pürstl ein wichtiges Instrument: "Polizei und Justiz werden entsprechend vorgehen." Damit ist gemeint, dass am Praterstern jederzeit mit Razzien gerechnet werden muss und dass die Justiz den Strafrahmen ausreizen soll. Pürstl kündigte an, dass die Wiener Polizei das "sozial verträgliche Bild am Praterstern wiederherstellen wird".

Die Dealerszene am Praterstern rekrutiert sich aus jungen Nordafrikanern und Afghanen. 140 Drogendelikte wurden in den vergangenen Tagen angezeigt. Sprengt die Polizei diese Szene, sollten auch die Eigentums- und Gewaltdelikte zurückgehen: Pürstl: "Hier müssen wir ansetzen."

Auch die Revierkämpfe zwischen verfeindeten und konkurrenzierenden Dealerbanden nehmen eklatant zu. Aktuell gehen am Praterstern 13,6 Prozent der angezeigten Straftaten auf Schlägereien – nicht selten mit Waffeneinsatz – zurück. Zusätzlich nehmen die Eigentumsdelikte wie Diebstahl und Raub zu (aktuell 23 Prozent).

Laut Polizeianalyse vermischen sich die Delikte: Straßendealer am Praterstern verkaufen nicht nur Drogen, sondern kämpfen in Bandenkriegen gegeneinander und bestehlen und berauben Passanten. Auch die Zahl der Belästigungs- und Sexualstraftaten nimmt zu. "Die kriminelle Szene am Praterstern kennt vor der Exekutive, wenn überhaupt, nur minimalen Respekt. Gelingt die Flucht nicht, dann ist mit Widerstand gegen die Polizei zu rechnen", beschreibt Pürstl die Situation am Praterstern.

Die verschärfte Gangart der Polizei wird nicht nur den öffentlichen Raum des Bahnhofs Pratersterns betreffen: Die Flucht der Dealer führt häufig in Stiegenhäuser oder Grünflächen der benachbarten Wohnviertel, wo Sträucher und Bäume Deckung bieten. Auch hier sollen Observationen und Festnahmen durchgeführt werden. Der Fokus liegt auf der Venediger Au, die als Treffpunkt der aggressiven Afghanen-Banden gilt.