Praterstern

© KURIER/Franz Gruber

Chronik | Wien
04/25/2016

Vergewaltigung am Praterstern: Alle drei Tatverdächtige in U-Haft

Drei Burschen hatten in der Nacht auf Freitag in Wien eine Studentin missbraucht.

Nach der Vergewaltigung einer 21-jährigen Studentin am Praterstern hat das Straflandesgericht am Montag über die drei Tatverdächtigen - afghanische Asylwerber im Alter zwischen 16 und 17 Jahren - die U-Haft verhängt. Als Haftgrund wurde Tatbegehungsgefahr angenommen, teilte Gerichtssprecherin Christina Salzborn mit.

Wie berichtet, sollen die Asylwerber im Alter von 16 und 17 Jahren die Studentin in der Nacht auf Freitag in einem öffentlichen WC missbraucht und schwer misshandelt haben. Die 21-Jährige hatte am Freitag kurz vor 1.00 Uhr am Heimweg die Toilette am Bahnhof Praterstern in Wien-Leopoldstadt aufgesucht. Dort kam es zu dem Übergriff, bei dem einer der Täter die Frau festhielt, während die anderen die junge Frau nacheinander vergewaltigten. Die Studentin wurde fest mit dem Oberkörper zu Boden gedrückt und ihr Kopf mehrmals gegen die WC-Schüssel geschlagen. Zunächst hatten alle drei Festgenommenen ausgesagt, alkoholisiert gewesen zu sein und sich an nichts erinnern zu können. Das Opfer wurde in ein Spital gebracht, eine stationäre Versorgung lehnte sie ab.
Einer der Verdächtigenzeigte sich noch am Freitagabend geständig, ein zweiter gab am Samstag zu, die 21-Jährige festgehalten, aber nicht vergewaltigt zu haben. Der dritte Afghane erklärt, so betrunken gewesen zu sein, dass er sich nicht erinnern könne. Vor der Haftrichterin blieben zwei Verdächtige bei ihren Angaben vor der Polizei, wo sie sich zum Tatsächlichen geständig gezeigt hatten. Sie sollen ihre ursprüngliche Darstellung jedoch relativiert bzw. abgeschwächt haben. Sie wiesen verstärkt auf ihre Alkoholisierung hin und behaupteten, diese wäre ausschlaggebend für das ihnen angelastete Verbrechen gewesen. Der dritte Bursch machte weiter von seinem Schweigerecht Gebrauch und war zu keiner Aussage bereit.
Die Studentin erkannte die Asylwerber jedoch bei einer Gegenüberstellung wieder. Polizisten hatten das Trio vom Tatort weglaufen gesehen. Die Exekutive war daraufhin mit einem Großaufgebot von 30 Polizisten ausgerückt, neben Bezirkskräften waren auch Beamte der Wega und Diensthunde im Einsatz. Einer der mutmaßlichen Täter wurde kurze Zeit später in der Venediger Au nahe der U-Bahnstation festgenommen. Um 1.30 Uhr klickten für die beiden anderen Jugendlichen im Stuwerviertel die Handschellen.
Dass der Praterstern seit einigen Jahren eines der gefährlichsten Pflaster in Wien ist, steht für die Behörden fest. Mehr dazu in "Problemzone Praterstern: Polizei im Dauereinsatz"und im unteren Abschnitt.

Der Praterstern: Auch nach Umbau ein Knoten- und Brennpunkt

Es war ein dunkler, trostloser und wenig heimeliger Ort - der alte Bahnhof Praterstern. Mit dem groß angelegten Neubau und der Aufwertung der Station durch eine weitere U-Bahn-Linie (U2) sollte damit Schluss sein. Tatsächlich ist das Gebäude inzwischen modern und lichtdurchflutet. Die Hoffnung, dass damit auch die soziale Problemen verschwinden, hat sich aber nicht erfüllt.

2008, wenige Monate vor der Fußball-Europameisterschaft, wurde der neue Bahnhof seiner Bestimmung übergeben. Drei Jahre war an der Erneuerung des Verkehrsknotenpunktes gewerkt worden. Rund 100 Mio. Euro wurden investiert. "Unsere Kunden verlangen Qualität, und das zurecht, sie zahlen ja auch dafür", hielt der damalige ÖBB-Chef Martin Huber beim Eröffnungs-Festakt fest.

Neu am Praterstern ist seither vor allem die 7.400 Quadratmeter große Überdachung der Bahnsteige sowie die Bahnhofshalle mit Geschäften und diversen Serviceeinrichtungen. Dass Bahnhöfe auch soziale Brennpunkte sind, zeigt sich aber weiterhin. Für Sicherheit soll darum Security-Personal sorgen, auch Sozialarbeiter sind im Einsatz. In der Nähe wurde zudem ein gemeinsames Tageszentrum von Stadt und Caritas eingerichtet.

Zu tun gibt es auch nach dem Umbau genug: Suchtgift- und Alkoholkranke sowie Obdachlose bestimmen vor allem zur späteren Stunde das Bild. Von einer friedlichen Koexistenz der diversen Szenen kann eher nicht gesprochen werden. Tatsächlich sind Raufereien und Diebstähle mehr oder weniger an der Tagesordnung. Immer wieder kommt es zu schweren gewaltsamen Übergriffen.

Die Polizeipräsenz wurde zuletzt erhöht, wie auch der Vorsteher des zweiten Bezirks, Karlheinz Hora (SPÖ), kürzlich betonte. Und, ein Novum für Wien: Ein Alkoholverbot wird längst nicht mehr ausgeschlossen. Das etwa von der FPÖ geforderte Konsumationsverbot wird von den Bezirksverantwortlichen aber abgelehnt. Es sei zu schwierig zu exekutieren, heißt es. Der Vorsteher kann sich jedoch vorstellen, dass der Verkauf alkoholischer Getränke eingeschränkt wird.