Wien in Vorher-Nachher-Bildern: Wie das Virus die Stadt lähmte

Der Wiener Pratersterin einmal am 31. März 2017 und einmal am 12. April 2020 (links, im Lockdown-Modus).
Im März und April lag die Bundeshauptstadt im Corona-Schlaf. Satellitenfotos dokumentieren den historischen Rückzug der Wiener.

In Wien hat man sie besonders gespürt, gesehen und manchmal vielleicht auch angenehm gefunden: die Leere durch die Ausgangsbeschränkungen. Von 16. März bis 13. April lag Wien im verordneten Corona-Schlaf. Dann öffneten kleine Geschäfte und Baumärkte, doch das Erwachen dauert bis heute.

Der KURIER versucht, mithilfe von Satellitenbildern von Google Earth sowie offiziellen Zahlen noch einmal spürbar zu machen, was im Frühling in Wien (nicht) los war.

Ein Vergleich der ersten Märzwoche - vor den Anti-Corona-Maßnahmen - mit den ersten drei Lockdown-Wochen zeigt, dass der Autoverkehr in Wien in dieser Zeit im Schnitt um 52 Prozent zurückging, wie die MA 46 (Verkehrsorganisation) per Dauerzählstellen im Auftrag von Stadträtin Birgit Hebein ermittelte.

Verlassenes Schönbrunn

Die unteren Satellitenbilder geben einen Eindruck von den Auswirkungen des Lockdown. Sie zeigen den Ehrenhof vor dem Schloss Schönbrunn einmal am 25. April 2019 und einmal am 12. April 2020.

Bereits am 11. März waren Schloss und Tiergarten Schönbrunn im Zuge der Coronavirus-Eindämmung  geschlossen worden.

In einem Bericht der MA 46 heißt es über die Kalenderwoche 16 (6. bis 10. April), der Pkw-Verkehr liege "33 Prozent unter der Normalsituation", bei den Lkw seien es minus 20 Prozent. Die MA 46 analysierte dafür mehrere Wochen lang die Ergebnisse von 30 wichtigen Dauerzählstellen.

Wien in Vorher-Nachher-Bildern: Wie das Virus die Stadt lähmte
Wien in Vorher-Nachher-Bildern: Wie das Virus die Stadt lähmte

Der Ehrenhof des Schlosses Schönbrunn, Schloßstraße und Linke Wienzeile am 25. April 2019 und am 12. April 2020.

So wurden auf der Höhe des nicht weit von Schönbrunn gelegenen Westbahnhofs in Kalenderwoche 10 (2. bis 6. März) noch rund 76.000 Autos gezählt. Nach dem Lockdown in Kalenderwoche 12 (16. bis 20. März) fiel die Zahl auf 48.000 Autos. Und nach den ersten Lockerungen - kleinere Geschäfte und Baumärkte öffneten - passierten den Westbahnhof in Kalenderwoche 16 (14. bis 17. April) wieder zirka 58.000 Autos.

Ein Bilder-Vergleich mithilfe von Google Earth zwischen Anfang März und Anfang April 2020 ist leider nicht möglich, weil die Partner von Google Earth nur in größeren Zeitabständen Wien-Aufnahmen liefern.

Rathausplatz verwaist

Am 9. April 2019 war die größte Sorge am Wiener Rathausplatz noch, dass es regnen könnte. 13 bis 21 Grad in Wien, der ORF nannte das Wetter "launisch". Auf dem Rathausplatz liefen, wie man unten sieht, die Vorbereitungen für den "Steiermark-Frühling", der dann von 11. bis 14. April über die Bühne ging.

Heuer hingegen musste der "Steiermark-Frühling" wie auch die 1.-Mai-Feier auf dem Rathausplatz ausfallen.

Wien in Vorher-Nachher-Bildern: Wie das Virus die Stadt lähmte
Wien in Vorher-Nachher-Bildern: Wie das Virus die Stadt lähmte

Der Rathausplatz wenige Tage vor dem "Steiermark-Frühling" 2019 und ein Jahr später verwaist.

Nichts zu verteilen am Verteilerkreis

Die Lähmung durch das Coronavirus zeigte sich auch an großen Verkehrsknoten wie dem Verteilerkreis Favoriten. Zum Verkehrsrückgang auf dem zweigrößten Kreisverkehr Wiens (nach dem Praterstern) liegen zwar keine Zahlen vor. An der nahe gelegenen Dauerzählstelle Triester Straße wurden in Kalenderwoche 14 (30. März bis 3. April) allerdings weniger als 12.000 Autos erfasst, in Kalenderwoche 10 (2. bis 6. März) waren es noch rund 22.000.

Die beiden Satellitenfotos stammen vom nicht repräsentativen 12. April 2020, dem heurigen Ostersonntag, und vom 25. April 2019 - einem Donnerstag, als den Wiener Autofahrern "Corona" nur als mexikanische Biermarke bekannt war.

Wien in Vorher-Nachher-Bildern: Wie das Virus die Stadt lähmte
Wien in Vorher-Nachher-Bildern: Wie das Virus die Stadt lähmte

Der Verteilerkreis Favoriten mit der benachbarten Generali Arena von Austria Wien.

Das Warten auf den Bundesgarten

Das Thema Bundesgärten stand in der Phase des Lockdown im Mittelpunkt eines wochenlangen Streits zwischen der Bundesregierung und der Stadt Wien. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) drängte den Bund zur Öffnung von Burggarten, Augarten und Schönbrunn, die zuständige Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) hielt diese jedoch unter Hinweis auf das Ansteckungsrisiko bis 13. April geschlossen.

Die folgenden Bilder zeigen den Burggarten am 12. April 2020, in der Phase der geschlossenen Pforten, und im März 2017, der damals als "wärmster März der 251-jährigen Messgeschichte" Schlagzeilen machte.

Wien in Vorher-Nachher-Bildern: Wie das Virus die Stadt lähmte
Wien in Vorher-Nachher-Bildern: Wie das Virus die Stadt lähmte

Der Wiener Burggarten am 12. April 2020 und am 31. März 2017.

Über die vermeintlichen und tatsächlichen "Lehren aus dem Coronavirus" - Entschleunigung, Rückzug ins häusliche Idyll, digitaler Entwicklungsschub - ist schon viel diskutiert und gestritten worden. Fest steht: Die Coronakrise hat Wien vielleicht nicht viel gelehrt, aber die Stadt zumindest ziemlich geleert.

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