Zu den EuroPride-Highlights zählt die Regenbogenparade am 15. Juni.

© Gilbert Novy

Integration
12/19/2020

Wien bekommt ein queeres Jugendzentrum

SPÖ und Neos einigten sich auf Treffpunkt für homo- und transsexuelle Jugendliche. Kritik kommt von der FPÖ.

von Bernhard Ichner

London hat eines, genau wie Paris, Berlin oder Köln. Jetzt soll auch Wien ein queeres Jugendzentrum – eine Anlaufstelle für LGBTIQ-Jugendliche (also lesbische, schwule, bisexuelle, transgender, intergeschlechtliche und queere Jugendliche) bekommen.

„Das ist fix“, versichert Vizebürgermeister und Integrationsstadtrat Christoph Wiederkehr (Neos). Er kommt damit einer Forderung der HOSI (Homosexuelle Initiative) Wien nach. Auch SPÖ und Grüne stehen hinter dem Projekt.

„Jugendliche, die ihre sexuelle Orientierung oder ihre Geschlechtsidentität erst entdecken, sind oft besonders allein“, sagt HOSI-Obfrau Ann-Sophie Otte. „LGBTIQ-feindliche Beschimpfungen an Schulen sind keine Seltenheit. Und selbst in ihren Familien werden die Jugendlichen oft nicht akzeptiert. Das führt zu einer bis zu sechs Mal höheren Suizidgefährdung. Um das zu ändern, braucht es Profis“, so Otte.

„Keine Schwulen-Bar“

Auch die Studenten Felix Maier und Kilian Seibl (beide 20) haben ihre Schulzeit anders erlebt als ihre heterosexuellen Mitschüler. „In der Schule fühlt man sich immer ein bisschen ausgeschlossen. Sofern das Wort ,schwul’ überhaupt vorkommt, wird es abwertend verwendet – gleichbedeutend mit ,nicht normal’“, sagt Seibl. Für einen LGBTIQ-Jugendlichen fühle sich das jedes Mal „wie ein kleiner Schlag in die Magengrube“ an, sagt Maier. Man habe aber niemanden, mit dem man darüber reden könne.

Zwar gibt es niederschwellige Beratungs- und Vernetzungsangebote in der LGBTIQ-Community, etwa bei der HOSI. „Diese stoßen aber an ihre Grenzen, weil sie weitgehend ehrenamtlich getragen sind“, so HOSI-Vereinssekretär Moritz Yvon. Ein queeres Jugendzentrum mit hauptberuflichem Personal – mit Sozialpädagogen oder Psychologen – könne da Abhilfe schaffen, meint Mo Blau, ehrenamtlicher Leiter der HOSI-Jugendgruppe.

Das sehen auch Seibl und Maier so. Ihnen schwebt ein tagsüber geöffnetes Jugendzentrum ohne Konsumzwang vor, in dem Jugendliche glaubwürdige Ansprechpersonen vorfinden. Um Letzteres zu gewährleisten, müsse die HOSI involviert werden. Zudem könnten sich die beiden Studenten eine Altersbeschränkung vorstellen. „Es geht nicht darum, eine weitere ,Schwulen-Bar’ zu eröffnen, sondern um einen Ort, wo sich Jugendliche vernetzen und austauschen können“, sagt Seibl.

Die Stadt müsse das Angebot gezielt an Schulen vorstellen, findet Maier.

Finanzierung ist sicher

Auch was den Standort betrifft, hat man schon recht konkrete Vorstellungen. Katharina Kacerovsky, Geschäftsführerin der zur HOSI gehörenden Stonewall GmbH, die die jährliche Pride und somit die Regenbogenparade organisiert, plädiert etwa für den zentralen, öffentlich leicht erreichbaren 4. Bezirk. Nicht zuletzt, weil hier mit der HOSI, dem Lokal Gugg oder dem Regenbogen-Familienzentrum weitere LGBTIQ-Einrichtungen ansässig sind.

Über Standort, Infrastruktur oder konkrete Kosten sei noch nicht geredet worden, sagt Vizebürgermeister Wiederkehr. Im Frühjahr werde man sich mit der HOSI an einen Tisch setzen und die Anforderungen klären. „Mir ist nur wichtig, das jetzt rasch auf den Weg zu bringen. Die Finanzierung ist jedenfalls sichergestellt.“

Genau das stößt der FPÖ sauer auf. Klubobmann Maximilian Krauss sieht darin „ein sinnloses linksideologisches Projekt“. Mit Steuermitteln solle in Zeiten der Krise sparsamer umgegangen werden. Der ÖVP ist das Vorhaben noch zu unkonkret, um es zu kommentieren.

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