Ein bunter Fahrzeug-Corso ist am 27. Juni geplant. Zu Fuß gehende Demonstranten sind nicht erlaubt.

© Kurier/Franz Gruber

Chronik Wien
05/14/2020

Regenbogenparade soll mit 100 Fahrzeugen über den Ring ziehen

Am 27. Juni ist in Wien eine Lightversion der traditionellen LGBTIQ-Demonstration geplant.

von Bernhard Ichner

Keine Partytrucks und keine dicht gedrängten Demonstranten und Demonstrantinnen in grellen Kostümen: das erlauben die Corona-Sicherheitsmaßnahmen nicht. Trotzdem soll es heuer in Wien eine Regenbogenparade geben, sozusagen in der Light-Version: Am 27. Juni zieht deshalb ein Regenbogen-Corso um den Ring.

Um die Gesundheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht zu riskieren, sind nur Autos und Motorräder zugelassen. Fürs Erste wurde die "Demonstration für die Vielfalt" für 100 Teilnehmer angemeldet, berichtet Vienna-Pride-Organisatorin Katharina Kacerovsky. (Zum Vergleich: voriges Jahr als die EuroPride in Wien stattfand, waren es rund 500.000 Teilnehmer).

Für LGBTIQ-Personen (also Lesben, Schwule, Bisexuelle, transgender, intergeschlechtliche und queere Menschen) gehe es zum einen darum, "sichtbar zu sein". Und zum anderen "aktiv auf die Straße zu gehen".

Virtuelle Global Pride

Der Regenbogen-Corso ist Teil der - rein virtuellen - Global Pride, die am 27. Juni stattfindet. Mehr als 300 internationale Prides - von Bangkok und Sidney, über Madrid und Kapstadt, bis nach New York und Mexico City - sowie zahlreiche Prominente werden daran beteiligt sein. Die einzelnen Beiträge wird man via Livestream in diversen Szenelokalen sehen können. Zudem sind an dem Tag die Wiener Schulen und Straßenbahnen wieder mit der Regenbogenfahne beflaggt.

„Wir haben uns an die Köpfe gegriffen, dass uns erst Corona gezeigt hat, wie wir in Zukunft präsent sein müssen: Der Kampf um Gleichstellung muss global geführt werden, virtuell und real, bei jedem Event, jeder Parade“, meint Kacerovsky. Sie sieht durch die Global Pride für die LGBTIQ-Community weltweit neue Chancen im Kampf um Sichtbarkeit und Gleichstellung. Details werden in den nächsten Wochen auf viennapride.at veröffentlicht.

"Zusammenhalt wichtig"

Für Moritz Yvon, Obmann der HOSI Wien, steht der soziale Aspekt des Events im Vordergrund: „Gerade in Zeiten der Unsicherheit ist der Zusammenhalt umso wichtiger. Man darf die Nachwirkungen der Quarantäne nicht unterschätzen, vor allem die psychischen Belastungen für jene LGBTIQ-Personen, die in Familien leben, in denen sie Intoleranz, Anfeindungen oder sogar Gewalt ausgesetzt sind.“

Lui Fidelsberger, Obfrau der HOSI Wien, ergänzt: „Die zuletzt reduzierten Möglichkeiten des Austauschs mit anderen bedeuten ein begrenztes Umfeld. Vor allem für LGBTIQ-Jugendliche, die noch vom Elternhaus abhängig sind, ist das eine oft schwierige Situation. Besonders fehlt an vielen Orten der Zugang zu Hilfseinrichtungen. Deswegen ist es jetzt umso wichtiger, dass wir alle an einem Strang ziehen.“

Menschen, die sich mit der Veranstaltung solidarisch zeigen wollen, rufen die Organisatoren dazu auf, am 27. Juni in Regenbogen-Kleidung auf die Straße zu gehen.