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Chronik Wien
02/19/2019

Wie die Wiener Gründerzeithäuser gerettet werden können

Vorbildlich erhaltene historische Gebäude sind rar, aber es gibt sie. Denkmalschützer fordern mehr Anreize von der Stadt.

von Stefanie Rachbauer

Wenn Martin Kupf durch Wien spaziert, ärgert er sich meistens. Die Neulinggasse im dritten Bezirk ist jedoch einer der wenigen Orte, wo er sich freut. „Wir haben hier Originalfenster, Segmentbogenüberdachungen und ein Wellenband“, sagt der Denkmalschutzaktivist und deutet auf das cremefarbene Wohnhaus mit der Nummer 46.

„Ich kenne genug Beispiele für verhunzte Fassaden. Aber hier ist alles in Ordnung.“

Das Gebäude sei um 1880 erbaut worden, schätzt Kupf. Es gehört damit zu jener historischen Bausubstanz, die die Stadt mit der jüngsten Novelle der Bauordnung verstärkt schützen will.

Dass manche Hausbesitzer trotzdem alles versuchen, um alte Gebäude loszuwerden, zeigte sich zuletzt in der Karolinengasse: Der Eigentümer ließ das ehemalige Gasthaus Sperl im Jänner schleifen – trotz Abrissstopps.

Das Haus Neulinggasse Nummer 46 zeigt, dass es auch anders geht. „Der Eigentümer ließ die Fassade vor zwei Jahren rekonstruieren“, erklärt Kupf. Einziger Wermutstropfen für ihn: der moderne Dachausbau.

„Ohne den hätte der Eigentümer die Rekonstruktion wahrscheinlich nicht stemmen können. Gott sei dank wurde dabei das Hauptgesims nicht verstümmelt“, erklärt Kupf. Oft werde dieses Bauelement bei Aufstockungen einfach abgeschnitten.

Eigeninitiative

Auch ein paar Meter weiter, vor einem beige-braunen Haus mit der Nummer 42, kommt Kupf ins Schwärmen: „Die Renaissanceformen sind wie aus dem Architekturbuch.“ Ausschlaggebend sei hier – wie auch bei vielen anderen Positivbeispielen – der Einsatz des Hauseigentümers gewesen.

Diese Verantwortung müsse den Hausbesitzern abgenommen werden, fordert die Initiative für Denkmalschutz. Der Erhalt der Gründerzeithäuser sei schließlich im öffentlichen Interesse, sagt Vorstand Markus Landerer.

„Ein Neubau rentiert sich immer. Man bringt mehr Wohnungen unter und kann mehr verlangen. Die alten Verträge werfen nicht so viel ab.“ Die Stadt müsse Anreize setzen: „Sie hat Abrisse erschwert und ist nun auch gefordert, dass die Substanz gut erhalten werden kann.“

Förderungen

Ein Ansatzpunkt sei die Aufstockung des Altstadterhaltungsfonds. Sein Jahresbudget über 2,3 Millionen Euro (Stand 2016) sei zu niedrig bemessen, bemängelten die Denkmalschützer in einer kürzlich abgeschlossenen Petition an den Gemeinderat. Die Dotierung werde evaluiert, heißt es dazu aus dem Büro von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ).

Beim Wohnfonds Wien, der ebenfalls subventioniert, zeigt man sich über die Forderungen der Denkmalschützer verwundert. „Die Stadt stellt umfangreiche Mittel zur Verfügung, um die alte Bausubstanz zukunftsfit zu machen“, sagt Werner Auer, Leiter der Sanierungsabteilung.

Derzeit seien 60 geförderte Projekte mit Gesamtkosten von 260 Mio. Euro in Bau, etwa die Hälfte trage der Fonds. Auer rechnet wegen der Bauordnungsnovelle langfristig mit einem Anstieg der Anträge: „Wir sind gut dafür gerüstet.“

Kupf kann also auf mehr freudige Augenblicke während der Spaziergänge hoffen. Bei Hauseigentümern Überzeugungsarbeit leisten will er weiterhin: „Manchmal hat man ja das Glück auf Leute zu stoßen, die es kapieren.“

Regeln und Zuschüsse

Neue Wiener Bauordnung: Gebäude, die vor 1945 errichtet wurden, dürfen seit Juli  erst nach einer Prüfung durch die MA 19 (Stadtgestaltung) abgerissen werden. Nur wenn die Behörde das Haus als nicht erhaltenswürdig einstuft, darf es geschleift werden.

Altstadterhaltungsfonds: Aufgabe des Fonds  ist,  die Restaurierung historisch wertvoller Bausubstanz – dazu zählen auch Gründerzeithäuser – zu unterstützen. Laut Kulturressort hat der Fonds  in den  45 Jahren seines Bestehens mit 245 Millionen Euro zur Restaurierung von 4500 Objekten beigetragen.

Wohnfonds Wien: Über die Förderung von Sockelsanierungen (z. B. Liftzubau) und Erhaltungsarbeiten (z. B. Fenstertausch) subventioniert der Fonds Gründerzeithäuser. Förderungsnehmer müssen sich an Auflagen – etwa eine öffentliche Ausschreibung der Arbeiten – halten.

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