© Kurier/Jeff Mangione

Chronik Wien
10/31/2020

Wie die Glasfabrik zu 200 Vintage-Rennrädern kam

Noch sind die guten Stücke in ihre Einzelteile zerlegt. Rennrad-Freaks werden ihre Freude haben.

von Julia Schrenk, Jeff Mangione

200 Rahmen (vielleicht sind es auch 250). Ungefähr gleich viele Gabeln und doppelt so viele Schläuche. Und dazu unzählig viele Ersatzteile. Die Teile stammen von Rennrädern, größtenteils aus Österreich, aus den 1940er-Jahren bis in die 1980er-Jahre.

Das ist der neueste Schatz der Glasfabrik, dem Vintage-Geschäft in der Felberstraße hinter dem Westbahnhof. Ein Schatz ist das deshalb, weil die Kuratoren der Glasfabrik diese Räder nicht einfach bei einer Geschäftsauflösung eingekauft haben und diese jetzt in der Glasfabrik weiterverkaufen.

Diese Rennrad-Sammlung stammt aus der Verlassenschaft einer versteckten Wiener Wohnung innerhalb des Gürtels. Wo genau, das darf nicht beschrieben werden, Verlassenschaften sind üblicherweise notariell beglaubigt, über Details wird Vertraulichkeit vereinbart.

Es war vor einem Monat, als Christoph Matschnig, Simon Weber-Unger und Frank Frühwirth von der Glasfabrik eine Wiener Hinterhof-Wohnung besichtigten. Sub-Standard wäre eine Untertreibung. In dieser Wohnung war nicht nur das WC am Gang, dort gab es auch kein fließend Wasser.

Von oben bis unten

Und in dieser Wohnung war alles voll. Von oben bis unten und von hinten nach vorne. Nicht sprichwörtlich, sondern buchstäblich.

„Da hat jemand alles vollgeräumt und dann die Tür zugemacht“, sagt Simon Weber-Unger. Die Glasfabrikanten vermuten, dass hier einst ein Mechaniker gelebt hat.

Also gelebt nicht, gewohnt hat er in einer kleinen Bleibe nebenan. Die beschriebene Wohnung gehörte den Fahrrädern – und zwar ausschließlich. Mindestens 400 Rahmen, die dazugehörigen Gabeln, Satteln und Schläuche wurden hier gelagert.

In Kisten von oben nach unten auch Ersatzteile wie Pedale, Lichter, Sättel. Sogar die Speichen der Räder hat der Mann, der hier gewohnt hat, ausgebaut und der Größe nach sortiert.

„So etwas findet man nur einmal in einem Leben“, sagt Frank Frühwirth. Es sind alte österreichische Rennräder von Rich, Dusika oder Puch, aber auch so manches italienische ist dabei.

Drei Lkw-Ladungen voll wurden schon in die Glasfabrik geliefert, leer ist die Wohnung damit aber nicht.

Ungefähr drei weitere Lkw werden noch anrücken müssen.

Rih
Seit 1933 gibt es  Radsport Rih auf der Praterstraße, bis heute erste Adresse für Rennräder

Dusika
Ferry Dusika war bekannter Radsportler und NSDAP-Mitglied
 
Puch
1889 begann Johan Puch in Graz, Fahrräder zu bauen. Die alten Räder sind noch heute beliebt 

Dabei ist man in der Glasfabrik noch damit beschäftigt, die ersten Teile irgendwie zusammenzufügen. Ungefähr zehn Rennräder sind zusammengebaut, die restlichen 200 sind noch in ihre Einzelteile zerlegt. Die noch verstaubten liegen auf einem Haufen im 2. Stock.

Jene, die schon gewaschen sind, hängen an Kabelbindern auf einem Gestell auf dem WC, daneben steht eine Kiste mit Fahrradgabeln (sie verbinden das Vorderrad mit dem Rahmen, Anm.). „Wir schauen dann, welche farblich zusammen passen.

Dann suchen wir noch ein Pickerl oder das Logo und so basteln wir die Räder zusammen“, sagt Matschnig. Es ist ein bisschen wie Puzzlebauen.

Ganz zusammengebaut werden wohl nicht alle. Die Menge ist kaum bewältigbar. Vielleicht, sagen die Glasfabrikanten, treiben sie jemanden auf, der die Einzelteile auf Wunsch zusammenschrauben kann.

Ansonsten ist das ausgehobene Lager ein Schatz für Vintage-Rennrad-Freaks. Oder jene, die es noch werden wollen.

Die Räder, Rahmen (ab 50 Euro und bis mehrere hundert) und Einzelteile sind ab 7. November in der Glasfabrik zu kaufen. Bis dahin müssen die Glasfabrikanten noch den letzten Raum im 2. Stock ausräumen. Damit überhaupt Platz ist, für die Rennräder.

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