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Chronik Wien
12/21/2021

Wie der Wiener Rathausplatz zu seinem Christbaum kam

Mit dem beleuchteten Weihnachtsbaum sprang Wien im Jahr 1959 auf einen Trend auf.

von Stefanie Rachbauer

Eine Tradition ist seit gefühlt Hunderten von Jahren fester Bestandteil des Wiener Weihnachtsrepertoires: die Behübschung des Rathausplatzes mit einem stattlichen Christbaum.

Genauso wie sämtliche Rituale, die dazugehören – vom feierlichen Empfang über die hämischen Kommentare über das Erscheinungsbild bis hin zur groß inszenierten Illuminierung und anschließenden Eliminierung.

Ganz so alt ist der Brauch dann aber doch wieder nicht. Laut Felix  Czeike, Historiker und einstiger Direktor des Stadt- und Landesarchivs, wurde der Rathausplatz zum ersten Mal 1959 mit einem Christbaum dekoriert.

Die Maße waren noch recht bescheiden: „Der 16-Meter-Baum wurde bei der Spinnerin am Kreuz in ‚Empfang‘ genommen. Eine Eskorte der Verkehrspolizei begleitete den Transport bis auf den Rathausplatz“, meldete man am damaligen 1. Dezember aus dem Rathaus. Heute sind die Bäume meist um die 30 Meter hoch.  

Zündender Funke

Wien folgte damit einem Trend, der aufgrund der Erfindung elektrischer Kerzen Ende des 19. Jahrhunderts Einzug gehalten hatte. Durch die neue Beleuchtungsmöglichkeit verbreiteten sich rasch Christbäume an öffentlichen Plätzen, heißt es in einer Publikation des Volkskundemuseums. 

Demnach wurde 1912 erstmals auf dem Madison-Square in New York ein Baum aufgestellt. Nach dem Ersten Weltkrieg schwappte der Trend erst in deutsche Städte, dann auf Wien über. Christbäume waren etwa bei der Staatsoper, bei der Börse, bei Kirchen, bei Geschäften und auf Weihnachtsmärkten zu finden. 

Der Christbaum am Rathausplatz bekam erst ab 1975 Gesellschaft von Marktständen. In jenem Jahr fand dort der „Weihnachtstraum“ nach langjähriger Wanderschaft eine Heimat. 

Immer der Reihe nach

Bei dem ersten Christbaum am Rathausplatz handelte es sich um eine Fichte, dieser Art ist man bis heute treu geblieben. Gespendet wurde sie  damals von Kärnten.

Seither wechseln sich die Bundesländer jährlich mit Weihnachtsbaumspenden ab. Wenn Wien an der Reihe ist, beschenkt es sich selbst mit einem Baum aus den stadteigenen Forsten rund um die Hochquellleitung in Niederösterreich. 

Ausgesetzt wurde die Baum-Tradition beim Rathaus bisher übrigens nur einmal – im Jahr 1986. Der Grund:  Man wollte auf das Waldsterben hinweisen. 

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