© Kurier/Jeff Mangione

Chronik Wien
12/12/2020

Zwei Baujuwele in Penzing dem Verfall preisgegeben

Häuser in der Schutzzone sind in desolatem Zustand. Anrainer und Denkmalschüzter befürchten Abbruch und kritisieren Behörden.

von Josef Gebhard

In ganz Wien gibt es mittlerweile 135 sogenannte Schutzzonen, die mehr als 15.000 Häuser umfassen. Sie werden in historisch gewachsenen Grätzeln eingerichtet, um charakteristische Ensembles vor dem Abbruch zu schützen. Laut Bauordnung hat der Eigentümer dafür zu sorgen, dass das jeweilige Gebäude in einem guten Zustand erhalten wird.

Dass das nicht immer geschieht, zeigen zwei aktuelle Beispiele aus dem 14. Bezirk. Auf der Adresse Nisselgasse 9 (gleich bei der Kennedybrücke) befindet sich ein zweigeschoßiges Haus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts mit historischer Fassade und Innenhof. Doch seit längerer Zeit leer stehend, ist es dem Verfall preisgegeben. Fenster im Obergeschoß stehen offen bzw. sind kaputt, wodurch es ungehindert hineinregnen kann.

"Die Baubehörde ist zumindest seit 2014 hilflos oder untätig, es hat den Anschein, dass gezielt auf Abbruchreife hingearbeitet wird", schildert ein Anrainer dem KURIER.

Umbau-Pläne

Dass diese Sorgen nicht ganz unberechtigt sind, zeigen Pläne für Umbauten, die im Internet kursieren. So hatte ein Immo-Entwickler eine Neugestaltung samt Dachgeschoß-Ausbau und Balkone geplant. 17 Eigentumswohnungen wären entstanden. Dieses Projekt wurde aber vorerst nicht umgesetzt. Man habe das Objekt verkauft, heißt es beim Unternehmen. Derweil verfällt das Haus weiter vor sich hin.

Es gebe seitens der Behörde an den nunmehrigen Eigentümer einen Bauauftrag zur Sanierung der Fassade, sagt Gerhard Cech, Leiter der Baupolizei, zum KURIER. Sie müsse im ursprünglichen Zustand erhalten werden. Gleichzeitig wurde um Baubewilligung für Änderungen am Gebäude angesucht, offenbar einen Dachgeschoß-Ausbau. Ein solcher sei laut Cech auch in einer Schutzzone möglich, sofern die Neugestaltung dem Ortsbeginn entspreche. Ein Baubeginn wurde seitens des Eigentümers für Februar oder März 2021 zugesagt.

Noch völlig unklar ist hingegen die Zukunft einer historischen Vorstadt-Sommervilla in der Hauptstraße in Hadersdorf. Ebenfalls in einer Schutzzone befindlich, ist das Gebäude bereits sehr stark verfallen, wie die Initiative Denkmalschutz dokumentiert hat. Sie befürchtet Schlimmes: Für die Häuserzeile sei eine Widmung geplant, die eine deutlich großzügigere Bebauung  als bisher zuließe. "Kein Wunder, wenn man den Eindruck gewinnt, dass hier aktuell auf möglichst hohen Gewinn und Abriss spekuliert wird", so die Denkmalschützer.

Kritik an Baupolizei

Markus Landerer von der Initiative sieht die Stadt in der Pflicht: "Man hat den Eindruck, die Baupolizei schaut weg oder die rechtlichen Regelungen sind untauglich." Dies habe zur Folge, dass Eigentümer, die ihr Gebäude nicht erhalten, mit einem Abbruchbescheid geradezu belohnt würden. "Das ist perfide", sagt Landerer.

Kein Abbruch

Vorwürfe, die man bei der Baupolizei zurückweist. Im Fall der Villa liege nicht einmal Antrag auf Abbruchbewilligung vor, betont Cech. Vielmehr habe man den Eigentümer im Vormonat aufgefordert, bekannt zu geben, welche Schritte er zur Erhaltung seines Gebäudes beabsichtige.

Noch laufe die für die Beantwortung vorgesehene Frist. Cech: "Sollte der Eigentümer nicht reagieren, sind als letzte Möglichkeit auch Zwangsmaßnahmen vorgesehen."

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.