Künstler Nestor Hiebl hat während des Studiums als Lagerarbeiter gejobbt. Seine Erfahrungen verarbeitete er in einer  App    

© Die andere Stadt

Chronik Wien
09/13/2021

Unzustellbar: In den Schuhen eines Paket-Lieferanten

Die neue App „Die andere Stadt“ bietet realistische Alltagsabenteuer in Wien. Erhältlich ist sie ab Mittwoch.

von Agnes Preusser

Wie geht es einem Paketzusteller, der eine Maschine (und deren Algorithmus) zufriedenstellen muss, damit alles so schnell wie möglich beim Kunden ankommt?

Das kann man ab diesem Mittwoch bei einem 30-minütigen Spaziergang durch Wien am eigenen Leib erfahren. Ab da ist die gratis App „Die andere Stadt“ in den App-Stores erhältlich.

Insgesamt sind in der App drei verschiedene Spaziergänge spielbar (Details siehe Info-Kasten unten), die für unterschiedliche Plätze in Wien ausgelegt sind. Realisiert wurden sie von der Wiener Firma Causa Creation, die Künstler mit Migrationserfahrung eingeladen haben, um gemeinsam moderne Stadtabenteuer zu kreieren.

Ottakring – Vergangenheit
Beim Brunnenmarkt folgt man den Kindheitserinnerungen einer 1936 geborenen Frau. 
Sie beschreibt  Bombennächte 
in einem Bunker  

Margareten – Gegenwart 
Im Reumannhof wird der Alltag eines Paketlieferanten nachgespielt

Favoriten – Zukunft
Science Fiction: Aus dem Laaerberg Park wird ein fremder Planet, aus Bäumen werden gigantische Pilzwesen – und aus einem Spaziergang eine Rettungsmission
 

Einer der Spaziergänge trägt den Titel „Unzustellbar“ und behandelt den Alltag von Paketzustellern. Hier brachte Medienkünstler Nestor Hiebl seine eigenen Erfahrungen mit ein. Er kommt ursprünglich aus Belgrad und hat sich sein Kunststudium durch zahlreiche Jobs finanziert, die hauptsächlich von Menschen mit Migrationserfahrung erledigt werden – so war er selbst etwa als Lagerarbeiter beschäftigt.

Als Basis für „Unzustellbar“ wurden die Originalalgorithmen von Amazon und Co. verwendet, um den Alltag eines Lieferanten möglichst authentisch darzustellen.

Wer lange braucht, wird bestraft

„Sie werden offen von großen Unternehmen ausgebeutet“, sagt Hiebl. Das Prinzip sei dabei einfach. Menschen, die in Geldnot seien, bekämen Fahrzeuge zur Verfügung gestellt, die sie außerhalb ihrer Arbeitszeit unbezahlt betreuen müssten. „Damit müssen sie so schnell, wie es nur möglich ist, Pakete liefern, während sie die ganze Zeit von digitalen Produkten überwacht werden“, so Hiebl.

Wer zu lange braucht, der werde bestraft. Dabei könne man viele Faktoren – wie etwa Staus oder nicht anwesende Kunden – gar nicht selber beeinflussen. Für den Künstler ist dabei besonders herauszustreichen, dass selbst Erfolg keiner ist: „Wer es schafft, innerhalb einer akzeptablen Zeit das Paket zu liefern, wird bestraft, indem der Algorithmus das gute Ergebnis in zukünftige Vorgaben mit einbezieht.“

Heißt: Die zu erwartende Zeit wird für die nächste Lieferung entsprechend gekürzt.

Das alles wird beim Spaziergang erlebbar – und durch den Einsatz von Augmented-Reality-Technologie noch realer. Gespielt wird „Unzustellbar im Gemeindebau Reumannhof (5., Margaretengürtel 100). Die Stadtspaziergänge werden nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch, Polnisch und Serbokroatisch angeboten.

Am 20. September erscheint auch eine fünfteilige Podcast-Serie, die hinter die Kulissen der Spieleentwicklung blickt. Infos zur App „Die andere Stadt“ gibt es unter www.das.causacreations.net

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