© Kurier/Gerhard Deutsch

Chronik Wien
10/02/2021

Ungewisse Zeiten im Palais Auersperg

Die frühere Opernsängerin Sylvia Moser ist seit 20 Jahren Mieterin der Beletage im Palais Auersperg. Jetzt wurde das Barockjuwel für 36 Millionen Euro versteigert – inklusive Moser.

von Nina Oezelt

An der Adresse Auerspergstraße 1 steht das geschichtsträchtige und stadtbekannte Palais Auersperg. Man kennt es etwa aus dem Film „Der Dritte Mann“. Mozart dirigierte hier im Jahr 1786 seine Oper Idomeneo. Kaiserin Sisi tanzte an dieser Adresse bei einem Frühlingsball. 

Im Zweiten Weltkrieg versteckte Prinzessin Christiane Croÿ, die das Gebäude von ihrem Bruder Ferdinand Auersperg geerbt hatte, Widerstandskämpfer in dem Palais. Daran erinnert heute  auch noch ein Schild am Eingang. Doch nicht nur die Geschichte, sondern auch die bröckelnde Fassade spricht für sich.
 

„Hier wurde lange nichts getan“, sagt Sylvia Moser. Sie ist eine ehemalige Opernsängerin, ihre Firma Belco mietet seit mehr als 20 Jahren den Eingangsbereich, die Beletage und den Garten des Palais Auersperg. Im Haus hat Moser auch ihr Büro. Dort stapeln sich die Unterlagen. 

„Der frühere Besitzer ist nach Neuseeland geflüchtet. Er hat sich nie um die notwendige Restaurierung gekümmert“, sagt sie. Anfang des Jahres  ging die Eigentümerfirma des Palais Auersperg dann in Insolvenz. Die Bietersuche für einen neuen Besitzer übernahm das Auktionshaus Sotheby’s.

 

Wie am Freitag bekannt wurde, ging der Zuschlag vor wenigen Tagen an den ober-österreichischen Antiquitätenhändler Jürgen Hesz. Der Unternehmer hat Moser quasi mitgekauft:  Sie hat einen unbefristeten Mietvertrag. 

Mit Freude und Enthusiasmus führt die Dame durch das barocke Haus. Im Hintergrund ist klassische Musik zu hören. Gemeinsam mit ihrem  bereits verstorbenen Mann organisierte sie früher klassische Konzerte in Schönbrunn, später im Palais Liechtenstein. Dann zogen sie mit den Aufführungen  ihres Wiener Residenzorchesters in das Palais Auersperg. 
 

„Hier befand sich der wohl erste Indoor-Tennisplatz“, erzählt Moser in einem  Raum, der Wintergarten heißt. Daneben, im „Alten Restaurant“, erholten sich die Tennisspieler. „Die Wandmalerei vermittelt die Nähe zur Natur  und soll eine Flucht aus der Stadt ermöglichen“, so Moser.  

Die Beletage hat elf Räume. Im Lauf der Jahre wurden hier viele Hochzeiten gefeiert und Events veranstaltet. „Auch Bundespräsident Van der Bellen feierte hier die erste gewonnene Wahl, die dann wieder für ungültig erklärt wurde“, sagt sie. Für Veranstaltungen in den historischen Räumen war  Mosers Sohn zuständig, jetzt ist er am Club U4 beteiligt.

„Die  klassischen Konzerte hat mittlerweile meine Tochter übernommen“, sagt  sie, während sie durch den Idomeneo-Saal führt. 

Das Zentrum des Palais ist der ovale Rosenkavaliersaal. Hier dirigierte Mozart einst die Oper Idomeneo. Auch heute werden hier noch Konzerte aufgeführt – wegen der einmaligen Akustik. Wichtig für das  Haus war auch Konsul Alfred Weiss.

Der Chef von Arabia Kaffee erwarb das Gebäude  1953. Er beauftragte nach dem Krieg  den Architekten Oswald Haerdtl, die Säle stilvoll wiederherzustellen. Der Konsul soll im westlichen Teil des Palais auch Tiere wie Kormorane, Flamingos und Affen untergebracht haben.

Unter dem Konsul bürgerte sich auch der Name „Rosenkavalier-Palais“  ein. Die Oper  mit Musik von Richard Strauss und dem Libretto von Hugo von Hofmannsthal ist mit dem Anwesen eng verbunden: Die Figur Oktavian Rofrano soll  Marchese Peter von Rofrano verkörpern, den einstigen Besitzer des Palais.

Kamine mit Geheimversteck

„Im zweiten Akt der Oper verstecken sich die Intriganten. Die Kamine im Maria-Theresien-Saal, die ein Geheimversteck haben, dienten für die Szene wohl als Inspiration“, sagt Moser und öffnet eine der Kamintüren. 

Ob die  Tür zum Palais für die Dame des Hauses offenbleibt, ist  unsicher. „Ich hoffe, dass der neue Besitzer so wie ich das Palais erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich machen will“, sagt Moser. 

Letzteres wurde im Sommer erstmals mit dem  6.000 Quadratmeter großen Garten erprobt. Gastronomen hatten dort Getränke- und Essensstände. Der 8. Bezirk wünschte sich, dass die Stadt das Palais kauft – doch im Rathaus war man nicht interessiert.  

Ideensuche

Der neue Eigentümer Jürgen Hesz hat 36 Millionen Euro für das Palais bezahlt. Ihm gehört auch der die Veranstaltungslokalität Metastadt im 22. Bezirk. Beim Palais möchte er sich erst einmal für zwei bis drei Jahre der Ideenfindung widmen.

„Das Palais soll ein Treffpunkt für Immobilienhändler der Provinz werden“, sagt er im Gespräch mit dem KURIER. Ein Teil solle öffentlich zugänglich werden.  „Im Garten könnte ich mir einen Skulpturgarten vorstellen“, sagt Hesz.

Damit hat er bereits Erfahrung: Im Salzkammergut wurde der Unternehmer für eine Phallusskulptur in seinem Garten bekannt. 

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