In Deutschland scheiterten vergangenes Jahr Anschläge auf ICE-Züge. Qaeser A. soll von Wien aus zu den Tatorten gereist sein. 

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Chronik Wien
03/28/2019

Terrorzelle im Gemeindebau: Österreich sollte verschont bleiben

Iraker soll mit Komplizen als Terrorzelle agiert haben. Zwei Festnahmen am Flughafen Prag.

von Patrick Wammerl

Kein Einzeltäter, sondern eine mehrköpfige Terrorzelle, die weitere Anschläge plante: Der Verfassungsschutz und Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) sind sich sicher, mit insgesamt vier Festnahmen in Wien und Prag einer Gruppe gefährlicher Terroristen das Handwerk gelegt zu haben.

„Sei bereit“, schrieb Qaeser A. am 3. September auf einem seiner Facebook-Profile, dazu postete er ein Foto von sich aus früheren Jahren – in der Hand das berühmte Sturmgewehr Colt M4. War die Nachricht ein Hinweis auf das, was nur vier Wochen später passierte?

Am 7. Oktober soll der 42-jährige terrorverdächtige Iraker aus dem Gemeindebau in Wien-Simmering den ersten Anschlag mit einem gespannten Stahlseil auf einen ICE-Zug auf der deutschen Strecke Nürnberg-München verübt haben.

Auch wenn der Verdächtige vehement das Gegenteil behauptet, hat das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) konkrete Beweise für Komplizen. Die Ermittler haben zwei verdächtige Landsleute des Irakers ausgeforscht, die ebenfalls in Zusammenhang mit den Anschlägen auf die deutschen Züge stehen sollen. Auch Kickl betonte dies am Donnerstag vor dem Parlament.

Auslieferung

Das BVT fahndete bereits per europäischem Haftbefehl nach dem Duo. Am Mittwoch klickten am Flughafen Prag die Handschellen, als die beiden Männer versuchten, nach Tschechien einzureisen.

Beide sollen nun nach Österreich ausgeliefert werden. Laut Nina Bussek, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, können die formellen Dinge bis zu einer Auslieferung aber einige Zeit in Anspruch nehmen.

Auch in der Haftprüfungsverhandlung am Donnerstag am Landesgericht Wien ist Qaeser A. bei seiner Version geblieben. Demnach sei er kein radikaler IS-Sympathisant. „Er wollte ein Zeichen setzen, weil sich Deutschland an den kriegerischen Handlungen gegen den Irak, sein Heimatland, beteiligt hat. Töten wollte er bei den Anschlägen aber niemanden“, so sein Anwalt Wolfgang Blaschitz.

Der Hass auf Deutschland rühre daher, dass er bei einem Militäreinsatz im Irak von einer „Bombe des Westens“ verletzt worden sei. Bei der Haftprüfung wurde auch ausführlich thematisiert, ob er auch Anschläge in Österreich plante. „Das verneint der dezidiert. Er sagt, er liebe die österreichische Regierung“, so Wolfgang Blaschitz.

Durch Mitarbeiter aufgeflogen

Mit den mutmaßlichen Komplizen will der 42-Jährige nichts zu tun haben. Auch seine Ehefrau, über die ebenfalls die U-Haft verhängt wurde, nahm der Mann in Schutz. Sie habe von den Anschlagsplänen nichts gewusst. Aufgeflogen ist der mutmaßliche Terrorist durch die Aufmerksamkeit eines Mitarbeiters in einem Copyshop am Westbahnhof.

Der Iraker soll beim Kopieren eines Bekennerschreibens ein Exemplar vergessen haben. Ein Fingerabdruck brachte die Ermittler auf seine Spur. Während er bereits von der Polizei observiert wurde, soll er verdächtige Einkäufe gemacht haben. Der Verfassungsschutz ging von einem weiteren Anschlag aus und nahm den Iraker fest.

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