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Chronik Wien
01/27/2022

Stadtstraße: Sima drängt auf „friedlichen Abzug“ der Besetzer

Nach dem Scheitern der Gespräche mit den Besetzern macht die Verkehrsstadträtin klar: Ein Abmarsch der Aktivisten ist für sie die einzige Option.

von Stefanie Rachbauer, Zoe Gendron, Daniel Jamernik

Es sind düstere Szenarien, die die Besetzer der Stadtstraßen-Baustelle im 22. Bezirk ausmalen. „Wenn Österreich weiter an den Klimazielen vorbeirast, steuern wir auf 4 Grad Erderwärmung und 83 Millionen Klimatote bis Ende des Jahrhunderts zu“, rechnet etwa Alex beim KURIER-Lokalaugenschein mit der Kamera vor.

Er ist einer der Aktivisten, die seit fünf Monaten bei der U2-Station Hausfeldstraße campieren, um den Bau der Stadtstraße zu verhindern.

Für die Besetzer ist diese Anbindung für die Seestadt ein großer Schritt in Richtung der eingangs beschriebenen Katastrophe: „Der Verkehr ist in Österreich der Klimakiller Nummer eins“. Die Zahlen wähnen die Aktivisten auf ihrer Seite.

Das tut auch Stadträtin Ulli Sima (SPÖ), die für das Projekt zuständig ist. Sie hat sich ebenfalls mit Daten aufmunitioniert. „Die Stadtstraße ist 3,2 Kilometer lang, das gesamte Wiener Straßennetz 2.800 Kilometer“, sagt sie im Gespräch mit dem KURIER.

„Durch diese Straße werden weniger als 0,1 Prozent der CO2-Emissionen verursacht, die ganz Wien jährlich ausstößt.“ Was ihre Wirkung betrifft, sei die Stadtstraße daher ein „untergeordnetes Thema“, so Sima.

Nur ein Ergebnis denkbar

Der Zahlenkrieg zwischen den Besetzern und der Stadträtin zeigt, wie verfestigt die Fronten mittlerweile sind.

Hoffnung auf eine Lösung gab kurzzeitig ein Gespräch zwischen Sima und den Aktivisten am Wochenende. Man ging aber ohne Ergebnis auseinander.

Worauf Verhandlungen aus Sicht der Stadt hinauslaufen sollen, wird nun im Nachgang immer deutlicher. „Meine Vorgabe ist, dass wir darüber reden, wie ein friedlicher Abzug von der Baustelle aussehen kann“, so Sima. Für die Stadt gebe es „kein anderes Ergebnis“.

Immerhin sei die Stadtstraße laut Umweltverträglichkeitsprüfung die Voraussetzung für den Bau von – Stichwort Zahlenkrieg – vier neuen Stadtvierteln mit Wohnungen für 60.000 Menschen. „Wir bauen dort quasi eine Stadt, die so groß ist wie St. Pölten. Da kannst du nicht sagen, wir fahren alle über den Pelargonienweg.“

Studie in Arbeit

Davon abgesehen ist für Sima Wohnraum, der in der Donaustadt bodenschonend gebaut und an umweltfreundliche Energiequellen angeschlossen werde, klimaschonender als die Alternative dazu. Und die heiße: Wohnbau in Form von Einfamilienhäusern im Umland und Pendlerverkehr.

Diese Argumente will Sima bald mit – genau – Daten belegen: „Wir sind gerade dabei, eine Studie zu erstellen, um nachzuweisen, dass unsere Stadterweiterungsgebiete inklusive Straße in der Klimabilanz viel besser abschneiden, als würde man die Straße nicht bauen und die Viertel entstünden woanders“.

Letzte Tage

Die Besetzer bei der Hausfeldstraße stellen sich unterdessen jedenfalls bereits darauf ein, dass ihre Tage auf der Baustelle gezählt sein dürften und die Stadt bald räumen lässt.

Einer der Aktivisten, der dort oft für die anderen kocht, solle eigentlich gerade viel für die Uni lernen – denn es ist Prüfungszeit.

Aber: „Man weiß ja nicht, wie lange das hier noch steht“, sagt er. „Da muss man es sich halt ein bisschen einrichten.“

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