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Chronik Wien
01/05/2022

Serbischer Skandal-Mandatar bringt heimische Politiker in Verlegenheit

Dragan Markovic ist in viele Affären verwickelt. In Wien trifft er gern Vertreter jeder Couleur – diesmal hatte die ÖVP das Vergnügen.

von Josef Gebhard

Er gilt als Vertrauter des 2000 ermordeten Kriegsverbrechers Zelko „Arkan“ Raznatovic, wurde 2011 wegen abschätziger Bemerkungen über Homosexuelle zu einer Geldstrafe verurteilt und soll zuletzt laut Medienberichten in einen Skandal um Sexpartys mit Minderjährigen verstrickt gewesen sein.

Letzteres dementiert Dragan Markovic, genannt Palma, vehement. Der 61-jährige Chef der nationalistischen Regionalpartei JS gehört aufgrund seiner zwielichtigen Vita zu den umstrittensten Politikern Serbiens. Ausgerechnet er ist häufig in Österreich zu Gast, um sich hier mit mehr oder weniger hochrangigen Politikern verschiedener Couleur zu treffen.

Zuletzt war Markovic wieder einmal in Wien: In seiner Funktion als Vorsitzender der bilateralen parlamentarischen Freundschaftsgruppe Serbien-Österreich besuchte er ÖVP-Abgeordnete Gudrun Kugler, die auf österreichischer Seite dieses Gremium leitet. „Ich freue mich über die Stärkung unserer interparlamentarischen Zusammenarbeit“, postete Kugler im Anschluss samt Foto auf ihrer Facebook-Seite.

Nun fragen sich viele, warum sich die ÖVP-Politikerin mit einer derart umstrittenen Persönlichkeit trifft. Wusste Kugler nichts von Markovics Biografie? Und von wem ging die Initiative zu dem Treffen aus?

Offizieller Termin

Gegenüber dem KURIER betont sie: „Das serbische Parlament entscheidet selbst, wer die Freundschaftsgruppe mit Österreich leitet. Ich kann auf diese Entscheidung keinen Einfluss nehmen, sondern muss mit meinem Gegenüber so gut wie möglich arbeiten.“

Sie habe Markovic lediglich einmal getroffen. Bei dem Termin gemeinsam mit dem serbischen Botschafter habe man über die Angelegenheiten der Freundschaftsgruppe gesprochen. „Dabei habe ich einige Sorgen Österreichs in Bezug auf Serbien zur Sprache gebracht“, sagt Kugler und betont: „Von einem möglichen Missbrauch Minderjähriger war mir nichts bekannt.“

Als Politiker, der offenbar gerne an der Seite von Vertretern des offiziellen Österreichs Imagepolitur betreibt, sorgte Markovic in den vergangenen Jahren immer wieder auch in heimischen Medien für Schlagzeilen. So etwa 2017, als Markovic mit einer Studentendelegation aus seiner Heimatstadt Jagodina in Wien zu Gast war. Beim Galadiner war auch der damalige FPÖ-Vizebürgermeister Johann Gudenus dabei. Videos zeigen ihn, wie er sich – etwas hölzern – mit Markovic im serbischen Volkstanz versucht.

Im Zuge seiner Wien-Ausflüge mit Studenten war Markovic bereits 2010 beim damaligen SPÖ-Landtagspräsidenten Harry Kopietz zu Gast, da der serbische Politiker zu diesem Zeitpunkt in seiner Heimat dieselbe Funktion innehatte. Einer Gegeneinladung nach Jagodina kam Kopietz nicht nach.

Schließlich schaffte es der „Fürst von Jagodina“ 2019 sogar, von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) empfangen zu werden. Um das Treffen entspann sich ein skurriler Streit: Denn Ludwig hatte Markovic bei dem Termin eine goldene Plakette überreicht. Hatte es sich dabei um die Verleihung eines Ehrenzeichens an einen homophoben Politiker gehandelt, wie die Opposition mutmaßte?

Die Causa wurde Gegenstand einer Neos-Anfrage. Keineswegs habe es sich um ein Ehrenzeichen der Stadt Wien gehandelt, beteuerte Ludwig in seiner Replik. Vielmehr sei die Plakette nur ein Gastgeschenk gewesen, wie man es zu derartigen Anlässen austauscht.

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