Franzensburg: keine echte mittelalterliche Burg, sondern eine Nachbildung im Auftrag der Habsburger. Diese hatten ein Faible für derartige Bauten.

© Tobias Holzer

Chronik Wien
08/06/2021

Schlösser in und um Wien: Im Schatten von Schönbrunn

Das Hietzinger Schloss ist der bekannteste, aber nicht der einzige Adelssitz in und um Wien. Auch das Schloss Laxenburg bietet einiges.

von Stefanie Rachbauer

Im Jahr 1799 war für die Wiener ein niederösterreichisches Örtchen der Publikumsmagnet schlechthin: Laxenburg, nicht einmal zehn Kilometer von der Stadtgrenze entfernt.

Was die Leute dorthin zog? Die gleichnamige Schlossanlage samt riesigen Park, den Kaiser Joseph II. als englischen Landschaftsgarten mit versteckten Pavillons, Brücken und sogar einem schmucken Teich gestalten hatte lassen.

In ihrer Gesamtheit war die Anlage derart attraktiv, dass schließlich sogar der Zugang geregelt werden musste. So kam es, dass dort ein neuer Beruf entstand: der des Parkwächters.

Spaziert man heute durch den Schlosspark, dann kann man den Ansturm gut nachvollziehen: Das Alte und das Neue Schloss, die Franzensburg, 500.000 Bäume und 24 Hektar Wasserfläche befinden sich auf einem Areal, das mit 290 Hektar so groß ist wie der 9. Bezirk in Wien.

Mittlerweile gibt es aber harte Konkurrenz innerhalb der Stadtgrenzen: Mit seiner Strahlkraft lässt einen das weltberühmte Schloss Schönbrunn die vielen anderen Schlösser und Burgen in und um Wien beinahe vergessen. Und das, obwohl sich hinter deren Mauern spannende Geschichten und beeindruckende Räume verbergen.

Sitze des Adels

Die ersten Schlösser und Burgen im Wiener Raum entstanden im 12. Jahrhundert. „In fast allen Vororten siedelten sich Adelsfamilien an und gründeten eine Herrschaft“, sagt Gerhard Reichhalter von der Wiener Stadtarchäologie. Um die 100 Schlösser habe es um diese Zeit in der Gegend gegeben, schätzt er.

Schloss Laxenburg
2361 Laxenburg, Schlossplatz 1
Tageskarte Park: 2,80 Euro, tägl. 6 bis 21 Uhr. Kultur u. Führungen:  Drama „Raumschiff“ von Adi Hirschall (7. u. 8. 8., 16.30 Uhr, ab 21 Euro), Mondschein-Tour in Burg (20. 8., 20.30 Uhr, 16,50 Euro), Klangwelle (26. 8. bis 12. 9., 20.30 Uhr (ab 34 Euro)

Schloss Neugebäude
11., Otmar-Brix-Gasse
Von Kaiser Maximilian II. als Schloss der Superlative geplant. Einst Unterkunft des ersten Elefanten Wiens, heute  Teststraße. Anfragen für Führungen: 0664/5745210, 7 Euro 

Hermesvilla
13.,  Lainzer Tiergarten
Das sogenannte „Schloss der Träume“, mit dem Kaiser Franz Joseph (vergeblich) die reisefreudige Elisabeth in Wien halten wollte. Gratis-Führung am 8. 8. um 15 Uhr, Anmeldung unter 01/8041324

Schloss Augarten
2., Obere Augartenstraße 1A.
1705 unter Kaiser Joseph II. samt Gartensaal, dem heutigen Standort der Porzellanmanufaktur, wiederaufgebaut. Porzellanmuseum: Mo. bis Sa. von 
10 bis 16 Uhr geöffnet, 7 Euro

Schloss Wilhelminenberg
16., Savoyenstraße 2
Fürstliches Lustschloss mit großem Park, heute Hotel mit Restaurant und Café

Schloss Eßling
22., Eßlinger Hauptstr. 81–87
In der Schlacht um Aspern stark beschädigt, heute Restaurant im Gewölbe 

Nicht wenige davon hat inzwischen das Zeitliche gesegnet – wie das Schloss Hacking, an das heute nur noch der Schlosspark erinnert.

Andere sind kaum im Bewusstsein verankert. Ein Beispiel: Der Komplex, in dem die Augarten-Porzellanmanufaktur untergebracht ist – das Schloss Augarten.

Das Alte Schloss in Laxenburg kam 1306 in den Besitz der Habsburger. Maria Theresia war es, die den damals wichtigen Aufenthaltsort der Familie kräftig ausbaute.

Um ihre zahlreichen Kinder standesgemäß unterzubringen, kaufte sie das Neue Schloss und baute es um. Dort trugen sich Schlüssel-Ereignisse für die Dynastie zu: Kaiserin Elisabeth gebar 1858 in diesem Gebäude Kronprinz Rudolf.

Heute ist im Geburtszimmer das (öffentlich nicht zugängliche) Büro des International Institute for Applied Systems Analysis untergebracht.

Schlösser als Forschungs- oder Bildungseinrichtung nachzunutzen ist eine beliebte Variante: Im Schloss Laudon in Penzing etwa ist die Verwaltungsakademie des Bundes angesiedelt, im Schloss Hetzendorf in Meidling die Modeschule der Stadt Wien und im Schloss Rodaun in Liesing eine Privatschule.

Kostspielig

Eines haben die Schlösser gemeinsam: Ihre Erhaltung ist teuer. Im Fall von Laxenburg übernehmen das Land Niederösterreich und die stadteigene Wien-Holding diese Aufgabe.

Die Stadt erntete dafür zuletzt Kritik: Betrieb und Pflege der Anlage kosten enorm viel, für die nächsten Jahrzehnte liege der Gesamtbedarf bei rund 50 Millionen Euro, gab der Stadtrechnungshof zu Bedenken. Man solle besser in Kulturstätten in Wien investieren.

Dass die Anlage an der einen oder anderen Ecke aufpoliert gehört, ist nicht zu übersehen. Anteile abzugeben, kommt für den zuständigen Stadtrat Peter Hanke (SPÖ) aber nicht infrage.

„Laxenburg ist ein Naherholungsgebiet für die Wiener“, sagt er im Gespräch mit dem KURIER. Auch habe man aufgrund der gemeinsamen Geschichte eine gemeinsame Verantwortung. 

Weltpolitik im Gemach

Was Geschichte angeht, trug sich im Neuen Schloss ein weiteres bedeutendes Ereignis zu. Kaiser Karl I. fädelte dort im Ersten Weltkriegs mit den Prinzen Sixtus und Xaver von Bourbon-Parma geheime Friedensgespräche mit Frankreich ein, die letztlich in der Sixtus-Affäre gipfelten.

Die Faszination für Herrschaftssitze ist kein neues Phänomen: Die Habsburger waren von mittelalterlichen Burgen derart fasziniert, dass Kaiser Franz II. in Laxenburg eine solche nachbauen ließ: die Franzensburg an dem künstlichen Teich, in dem man Tret- und Elektroboot fahren kann – was bei arabischen Touristen wie Einheimischen beliebt ist.

Ab 26. August gibt es in dem Teich übrigens einen neuen Anziehungspunkt für Gäste. Für die sogenannte Klangwelle wird im Wasser eine Bühne aufgebaut, auf der zwölf Veranstaltungen stattfinden – mit Artistik, Feuer und Musik.

Auf die Parkwächter wartet also Arbeit.

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