Pompejanischer Salon, Restaurierung

Um alle Ecken der großen Wandpaneele bei der Restauration gut erreichen zu können, wurde eine eigene Konstruktion gebaut.

© Kurier / Juerg Christandl

Chronik Wien
09/03/2021

Schicksalhafte Seide: Wien Museum restauriert Pompejanischen Salon

Im 19. Jahrhundert ging dort Wiens Künstlerszene ein und aus – und Franz Grillparzer verliebte sich inmitten der Seiden-Gemälde

von Agnes Preusser

Wer schon einmal ein Seidentuch für den Muttertag bemalt hat, weiß: Patzer passieren schnell. Und wenn die Farbe nach dem Auftragen nicht gut fixiert wird, verläuft alles.

Um ein Vielfaches schwieriger ist das, was gerade im Depot des Wien Museums im niederösterreichischen Himberg geschieht. Dort wird der Pompejanische Salon restauriert: Er besteht unter anderem aus Wandpaneelen, auf denen Malereien auf Seide aufgetragen sind.

Mit Stirnlampen und winzigen Pinseln wird hier an den Bildern gearbeitet – manchmal sogar liegend auf einer eigenen Holzkonstruktion, um den idealen Winkel zum Arbeiten zu haben. Denn während sich Mütter meist auch über hässlich verlaufene Seidentücher freuen, sind bei der Arbeit an historischen Werken keine Fehler erlaubt.

Restauratorin Karin Maierhofer hat sich zusätzliche Hilfe geholt – und zwar in Person von Christina Kapeundl, die im Rahmen ihrer Diplomarbeit an der Akademie für bildende Künste erarbeitet hat, wie man die Farbe bestmöglich fixiert, um Flecken und Rinnspuren zu vermeiden.

Pompejanischer Salon, Restaurierung

Das Ganze sei ein „Mammut-Projekt“, sagt Eva-Maria Orocz, Kuratorin des Wien Museums. Die derzeitige Sanierung des Museums am Karlsplatz (siehe Infobox unten) sei da ein Glücksfall. „Im laufenden Betrieb wäre eine Restauration in dieser Qualität gar nicht möglich.“

Wiener Adel

Der Pompejanische Salon selbst stammt aus dem 19. Jahrhundert. Damals bediente sich die Kunstszene an Abbildungen der griechischen und römischen Antike. Die Gemälde des Salons sind besonders speziell. Denn sie sind den Motiven aus Ciceros Villa nachempfunden, die beim Vulkanausbruch von Pompeji (79 nach Christus) zerstört worden ist.

Teile des Gebäudes wurden Mitte des 18. Jahrhunderts bei Ausgrabungen entdeckt. „Die Bilder wurden damals streng limitiert publiziert“, sagt Orocz. Etwa für Mäzene. Für Künstler und Intellektuelle waren sie praktisch nicht verfügbar.

Sanierung
Seit Juli 2020 wird das Museum am Karlsplatz umgebaut, wiedereröffnen soll es im Herbst 2023

Verdoppelte Fläche
Der denkmalgeschützte Bau wird mit einem über dem Gebäude schwebenden, zweigeschossigen Neubau erweitert – so entsteht mehr Platz für Sammlungen und Sonderausstellungen

108 Millionen Euro
So viel ist für das Bau-Projekt veranschlagt

Sie erreichten aber jedenfalls die Wiener Bankiersbrüder Johann Heinrich und Johann Jakob Geymüller. Die beiden hatten spätestens seit der französischen Besetzung Wiens im Jahr 1806 eine Machtposition inne.

Immerhin brachte ihre Bank die damals 32 Millionen Francs auf, die Napoleon von der Stadt gefordert hatte. Vier Jahre später wurden die Geymüllers darum sogar geadelt. Das von ihnen gekaufte barocke Palais Caprara in der Wallnerstraße 8 im

1. Bezirk mit dem Pompejanischen Salon wurde ein Zentrum des gesellschaftlichen und geistigen Leben Wiens. Künstler und Dichter gingen hier ein und aus. Dramatiker Franz Grillparzer lernte hier etwa die Klavierlehrerin Kathi Fröhlich kennen, die als „ewige Braut“ in die Geschichte einging – weil Grillparzer zwar bei ihr einzog, aber nie das abgegebene Eheversprechen einlöste.

Im Original rosa

Das Projekt sei sehr komplex, so Restauratorin Maierhofer, und deshalb habe man eine ganze Reihe von Experten hinzugezogen. So auch für die Holzverarbeitung, um die Fassung – zu Grillparzers Zeiten übrigens rosa – in den Originalzustand zurückversetzen zu können.

Beim Pompejanischen Salon handelt sich übrigens um die einzige in einem Wiener Museum ausgestellte Raumausstattung aus bemalter Seide. Rechtzeitig zur Wiedereröffnung des Wien Museums im Herbst 2023 soll sie wiederhergestellt sein.

Wer bis dahin nicht auf seidigen Glanz verzichten möchte, muss sich bis dahin wohl mit selbstgemalten Tüchern begnügen.

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