© Bestattung Wien/Harald Lachner

Chronik Wien
10/26/2021

Scharfe Kritik am "Quasi-Monopol" der Bestattung Wien

Trotz Liberalisierung des Markts besteht immer noch ein Marktanteil von 80 Prozent. Der ÖVP missfällt das.

von Josef Gebhard

Die Tage vor Allerheiligen nutzt die Bestattung Wien gerne als Leistungsschau. Bestattungstrends werden präsentiert, aber auch neue Services oder Produkte im Fanshop.

Dieses Jahr nimmt die ÖVP den bevorstehenden Feiertag zum Anlass, um sich kritisch mit der Rolle des 300-Mitarbeiter-Unternehmens der Wiener Stadtwerke auseinanderzusetzen. Den Türkisen stößt sauer auf, dass die Bestattung Wien fast 20 Jahre nach der Marktliberalisierung nach wie vor ein Quasi-Monopol in der Bundeshauptstadt bilde.

Dies lasse sich an Zahlen ablesen, die die Bundeswettbewerbsbehörde im Jahr 2018 erhoben hat: Damals gab es in Wien zwar rund ein Dutzend private Bestatter, der Marktanteil der Bestattung Wien lag dennoch bei 95 Prozent.

Konzentration

Die Marktkonzentration spiegle sich auch in folgenden Daten wider: In Wien kämen nur 0,8 einschlägige Unternehmen auf 100.000 Einwohner, während es – am anderen Ende der Statistik – im Burgenland 19,8 sind. Der Bedarf an mehr Bestattern ist jedenfalls gegeben: Pro Unternehmen und Jahr sind in Wien statistisch gesehen 1.027 Sterbefälle zu verbuchen, in Niederösterreich sind es nur 134.

Zudem werde die Bestattung Wien von städtischen Stellen in vielerlei Hinsicht bevorzugt behandelt, kritisiert die ÖVP: Nach der Anzeige eines Todesfalls beim Standesamt würden die Angehörigen meist gleich zur Bestattung Wien weitergeleitet. Auch bei unklaren Todesursachen kämen nur die Stadtwerke zum Zug, detto bei Unfällen.

Gute Geschäfte

Aufgrund einer städtischen Ausschreibung würden Sozialbestattungen über die Bestattung Wien abgewickelt, den privaten Anbietern sei der Zugang verwehrt. Auch Seniorenwohnheime würden enge Kontakte zum Marktführer pflegen.

„Die Bestattung Wien verfügt über ein De-facto-Monopol in Wien, privaten Bestattern wird das Leben schwer gemacht“, kritisiert ÖVP-Stadträtin Isabelle Jungnickel. „Aus Sicht der Steuerzahler wäre mehr Wettbewerb wünschenswert.“

Im Büro von Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ) weist man die Vorwürfe zurück: Mittlerweile gebe es rund 30 private Anbieter, der Marktanteil der Bestattung Wien sei auf 80 Prozent zurückgegangen. Dass viele Sozialeinrichtungen bevorzugt mit ihr zusammenarbeiten würden, liege am guten Service – etwa dem 24-Stunden-Abholdienst. Die Beauftragung mit den Sozialbestattungen sei Ergebnis einer Ausschreibung vor etlichen Jahren, bei denen sich das Unternehmen durchgesetzt habe. Eine Bevorzugung durch das Standesamt sei nicht der Fall, da heute jeder private Anbieter auf Wunsch jegliche Behördenwege übernehme.

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