Chronik | Wien
31.10.2018

Ein Begräbnis nach dem Baukastensystem

Zu Allerheiligen geht ein Konfigurator online, der die Gestaltung der Trauerfeier einfacher und Kosten transparent macht.

Sarg, Urne oder Naturbestattung? Und wenn Ersteres, dann Tannensarg Madeira oder doch Birkensarg Sevilla? Darauf ein paar schlichte Saisonblumen oder lieber ein opulentes Gesteck aus roten Rosen? Und soll die Musik von einer CD kommen, von einer Violinistin oder einem vierstimmigen Männerchor?

Ein Begräbnis zu organisieren, kann immensen Aufwand und hohe Kosten bedeuten. Von der emotionalen Belastung ganz zu schweigen. Um Hinterbliebenen die Gestaltung der Trauerfeier zu vereinfachen und deren Kosten einschätzbar zu machen, hat die Bestattung Wien den Bestattungskonfigurator entwickelt. Am 1. November – also zu Allerheiligen – geht die Orientierungshilfe online.

Individualisierung

„Früher gab es drei Bestattungsklassen und das war’s“, sagt Markus Pinter, Geschäftsführer der Bestattung und Friedhöfe Wien – eines der größten Bestattungsunternehmen Europas. Mittlerweile gehe der Trend jedoch stark in Richtung Individualisierung. Jeder Aspekt der Beisetzung will auf den Verstorbenen abgestimmt sein.

Dank des Bestattungskonfigurators, der ab Donnerstag über die Website www.bestattungwien.at abrufbar ist, können sich Wiener nun ihr eigenes Begräbnis zusammenstellen. Und zwar nach einer Art Baukastenweise, wobei Kunden zwischen fünf Packages wählen können: klassisch, naturverbunden, exklusiv, individuell und preisbewusst.

In den Kategorien klickt man sich durch die Detailbereiche wie Sargmodell, Trauerfloristik oder Musik, und sucht sich die gewünschten Komponenten aus. Auch Zusatzoptionen wie Grabinschrift, Totenmaske, Erinnerungsdiamant (0,5 Karat) oder Lebensrückblickvideo sind abrufbar. Je nach Auswahl werden die anfallenden Preise ausgewiesen. Kostentransparenz sei dem Unternehmen ein großes Anliegen, betont Bestattungsgeschäftsführer Jürgen Sild.

Keine Bestellung

Das Tool dient aber lediglich zur Orientierung. Das Begräbnis online bestellen kann man damit nicht. Dafür ist weiter ein persönlicher Termin bei der Bestattung nötig. Denn: „Es gibt bei Beerdigungen Dinge, die der Konfigurator nicht abdecken kann“, erklärt Sild. So ist der Gesamtpreis eines Begräbnisses auch davon abhängig, wo bzw. zu welcher Tageszeit jemand stirbt. Und natürlich von der Lage des Grabes. Hier gilt wie bei Immobilien: Je besser der Standort, desto teurer. Natur- und Feuerbestattungen sind freilich günstiger als Erdgräber.

Auf Wiens Friedhöfen bewegen sich die Jahresentgelte für Letztere je nach Lage zwischen 27 und 79 Euro, mit Deckplatte von 118 bis 158 Euro. Für Erdurnengräber blättert man dagegen 27 bis 114 Euro hin, für besondere Varianten wie Felsen-, Baum- oder Waldgräber 81,60 Euro. Bei Neuvergaben werden bei Sarggräbern 460 Euro für die Bereitstellung verrechnet und für Urnengräber 181 Euro. Dazu kommen gegebenenfalls noch Kosten für Leichenkammer (66€) oder Aufbahrungshalle (181 bis 549€). Und natürlich für die Bestattung selbst – abhängig von Urne oder Sarg zwischen 114 und 565 Euro.

Ein digitales Tool, das bei der Suche nach freien Grabstätten hilft, befindet sich in Entwicklung. Zudem soll es bald einen Online-Shop für das Bestattungsmuseum geben. Dort sind die beliebten morbid-humorigen Tschick-Etuis mit der Aufschrift „Rauchen sichert Arbeitsplätze“ ebenso erhältlich wie T-Shirts, auf denen steht: „Hier liegen Sie richtig“.