Symbolbild

© APA/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Chronik Wien
10/30/2020

Revival des Autokinos: 50.000 Besucher auf vier Rädern

Für Unterhaltung im Lockdown sollte es sorgen, bleiben soll das Autokino Wien auch nächstes Jahr. Das Konzept wird aber ein anderes.

von Katharina Zach

In Reih und Glied aufgereihte Autos, schmusende junge Pärchen und meist ein Gruselfilm auf der Leinwand - das Autokino prägte die Kultur der 50er und 60er Jahre und ist auch USA-Fans noch bestens bekannt. Hierzulande setzte sich das Kinovergnügen auf vier Rädern allerdings kaum durch. Bis Corona kam.

Mit dem Lockdown aufgrund der Pandemie im Frühjahr kam es zum Comeback eines bereits Totgesagten. In zahlreichen Städten fanden diesen Sommer Open-Air-Events für Motorisierte statt. Und auch Österreichs ältestem (und lange einzigem) Autokino in Großenzersdorf an der Stadtgrenze wurde nach einer Insolvenz 2015 neues Leben eingehaucht.

Bis Saisonende am 31. Oktober rollten mehr als 50.000 Besucher auf das 40.000 Quadratmeter große Areal.

Vergnügen trotz Abstand

"Die Idee ist uns mit Corona gekommen. Wir haben gesagt, wir schaffen es zu 100 Prozent kontaktlose Veranstaltungen zu machen", erzählt Betreiber Hannes Schwarzecker. Wir, das ist neben Schwarzecker selbst sein Geschäftspartner Markus Cepuder. Dabei hatten die Männer zuvor keine Berührungspunkte mit der Branche. Schwarzecker ist Landwirt und führt eine kleine Agentur und auch Cepuder hat einen anderen Brotberuf.

Dennoch, die beiden wagten es und konnten nach eineinhalbmonatiger Verzögerung (aufgrund einer fehlenden Verordnung) am 15. Mai den ersten Film zeigen. Zwei Tage zuvor entschlossen sich die Betreiber aber noch, die in die Jahre gekommene und mit Moos bewachsene 525 Quadratmeter große Leinwand zu renovieren und neu streichen zu lassen. Insgesamt investierten sie 40.000 Euro, um die Technik in Stand zu setzen.

Und die im Lockdown unterhaltungsmäßig ausgehungerten Filmfans kamen in Scharen. Aus einer Leinwand wurden rasch zwei und dann drei. 1.000 Stellplätze voll zu bekommen, war nicht sehr schwer. Sieben Tage die Woche wurden Filme gezeigt.

100 Filme auf vier Rädern

"Am Anfang haben wir ein bisserl das Problem gehabt, dass wir keinen neuen Filme hatten", erinnert sich Schwarzecker. Denn auch in der Unterhaltungsbranche war pandemiebedingt zu erliegen bekommen.

Doch bald lief das Geschäft. Mit 31. Oktober, wenn nach dem Horrorfilm Halloween der letzte Abspann gelaufen ist, werden im Autokino mehr als 100 Filme zu sehen gewesen sein. Von Klassikern bis hin zu den wenigen Neuerscheinungen heuer. Rund 15 Mitarbeiter waren pro Kinoabend im Einsatz, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

Das Kino bleibt - aber anders

Das Autokino ist gekommen, um zu bleiben. Auch nach Corona. Doch die nächste Saison soll ein bisschen anders werden. Es sollen nicht mehr jeden Tag Filme gezeigt werden, sondern vielleicht nur an einem Wochenende im Monat. "Nach dem Motto mach dich rarer", sagt Schwarzecker. Das habe auch mit der eigenen Lebensqualität zu tun. "In den ersten Wochen haben wir nicht mal eine Bürokraft einstellen können, weil wir keine Zeit hatten. Wir haben sicher 100 Stunden pro Woche gearbeitet."

Mit dem Herbst werden nun die Nächte zu kalt für das Autokino. Vor allem, da es schwierig - und aus klimatechnischer Sicht eine Katastrophe - ist, während des Films die Heizung aufzudrehen. Bei vielen Autos, erzählt Schwarzecker, lasse sich das Standlicht kaum ausschalten. "Wir haben es dann abgeklebt", so seine Lösung.

Zuletzt haben die Betreiber bereits verstärkt auf Firmenevents gesetzt, bei denen Filme gezeigt werden oder Führungskräfte-Ansprachen übers Autoradion übertragen werden. Auch für die nächste Saison haben sie bereits rund 20 Anfragen.

Ganz verzichten muss man im Herbst und auch zu Weihnachten auf Filmvergnügen vielleicht aber nicht. Sollte ein "Lockdown light" oder ähnliche Beschränkungen kommen, wollen Schwarzecker und Cepuder spontan - je nach Wetterlage - doch noch Filme zeigen. Das ginge aus ihrer Sicht, da der ganze Kinobesuch kontaktlos abgewickelt wird. Sogar Snacks kann man via App zu seinem Auto bestellen.

Zudem soll vielleicht für Kinder am 24. Dezember das Warten auf das Christkind mit einem Film versüßt werden.

Die letzten Vorstellungen:

Mit "Pomp und Trara" will man die Saison beenden. Für den Kinoabend an Halloween durften daher die Fans den obligatorischen Horror- Film auswählen. Gezeigt werden "Halloween" (2018) sowie vier weitere Filme, darunter "Das kleine Gespenst" oder "Die Adams Family".

Mehr Infos hier.

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