© Manfred Horvath

freizeit Leben, Liebe & Sex
10/25/2020

Leinwand frei: Darling, wir sind im Autokino!

Nostalgie pur verströmten in diesem Sommer die guten alten Open-Air-Kinos auf Parkplätzen. Die  Freizeit sah sich dort um und freut sich auf die Halloween-Vorstellung am 31. Oktober.

von Bernhard Praschl

Dieser Sommer, ja, man kann es sagen, war dann doch ein Hit. Auf dem großen Parkplatz in Groß-Enzersdorf auf alle Fälle. Was jahrelang keiner mehr dachte, war auf einmal möglich: Das Autokino, diese bereits nostalgische verbrämte Flucht vor dem Alltag, war auf einmal wieder angesagt. Und wie!

Da kann zu Hause  kein Flatscreen mithalten. Eh klar. „500 Quadratmeter misst die Leinwand“, sagt Hannes Schwarzecker stolz; er ist einer der Betreiber. „Der Spaß-Faktor war ebenso überdimensional.“ Hannes hält aber auch nicht mit den riesigen Anstrengungen hinter dem Berg, die er und seine Partner unternehmen mussten, um dieses Projekt punktgenau auf die Beine zu stellen.

Aber, lassen wir das, hat ja geklappt und  kurzerhand viele Nachahmer gefunden – von Salzburg bis Seekirchen, von Lech am Arlberg bis Linz an der Donau.

Drive-in mit Sinn

Man ist im Kino, genießt aber die Intimität des Wohnzimmers. In den 1960er- und 1970er-Jahren erklärte dieses Argument den Erfolg der Autokinos in Europa. Und die Freude daran, dass man im Auto vorfahren konnte. Das Autokino in Groß-Enzersdorf öffnete 1967 mit  Riesentamtam und Burt Lancaster als „Apache“. Das ging bis in die Achtziger ganz gut, dann ging es mit Umbauten, Neuversuchen und schließlich einem Konkurs 2015 weiter.

Die Corona-Zeit war wie geschaffen für ein erfolgreiches Comeback. Jeder sitzt in seinem Fahrzeug in einem eigenen Bereich, die Gebote des Social Distancing sind erfüllt und alle gemeinsam teilen ein Erlebnis. Mit einer Novität: Das Buffet war geschlossen, Chips & Co wurden kontaktlos bis zum Autofenster geliefert. Mitte Mai ging es um Punkt 1.01 Uhr nachts los, mit „Aufbruch zum Mond“. Das passte auch zur Aufbruchsstimmung aller Beteiligten.

Wie alles anfing

Heutzutage reißen sich die Besucher um die vorderen Reihen, früher war das irgendwie anders. Da strömten die Autos vorwiegend in die hinteren Reihen,  die „love lanes“, geschützte Abstellplätze für Schmusereien.

Natürlich, im Schutz der Dunkelheit konnten sich gewisse Aktivitäten nicht nur auf der Leinwand, sondern auch in den davor geparkten Automobilen entwickeln. Das hatte schon früh  den Reiz und Erfolg des Autokinos ausgemacht. In vielen Staaten der USA durften Jugendliche bereits ab 14 Jahren Autos fahren, und sobald 1933 in Camden, New Jersey, das weltweit erste Autokino eröffnete, hatten frühreife Teenies neue, zuvor ungeahnte Möglichkeiten an diesem intimen Rückzugsort. Auch als Antwort auf die Prüderie der Erwachsenen. 

Ob derlei Aktivitäten in Groß-Enzersdorf ebenfalls gerade hoch im Kurs liegen, ist schwer zu beurteilen, auf jeden Fall stehen hinten und an der Seite mit den hohen SUVs genau jene Autos, die  eher auf amerikanischen als auf europäischen Straßen zu Hause sind. Hannes: „Wir mussten extra Reihen für diese Autos schaffen, weil sie anderen die Sicht nehmen, falls die dahinter zum Stehen kommen.“

Auch heute spürt man noch das Abenteuer und den Flair der Aufbruchzeit, schon alleine, weil man für einen ganzen Abend auf die Hunderten Kabel- oder TV-Satellitenkanäle verzichtet, auf Streaming, Social Media und das andere Unterhaltungsangebot.

Autokino ist Kult

Autokino ist aber mehr als nur ein Kinobesuch. Das lässt sich an den Augen jener ablesen, die mit ihren Smarts, Minis, Golfs, A-Klassen oder  Pick-ups die Einfahrt passieren. In Groß-Enzersdorf war man für alles gerüstet: Mädels- und Junggesellenabende, Date-Nights und Familienausflüge. Das kam an. „Autokino ist Kult! Danke!“ ist nur eine der  Grußbotschaften auf der Homepage der  Betreiber. „Wir deckten uns auch mit Starterbatterien ein, falls jemand sein Auto nicht mehr flott kriegt“, erzählt Hannes. Benötigt wurden sie allerdings kaum.

Störend war einzig, dass sich bei vielen Autos das Standlicht nicht ausschalten lässt, sobald man  den Strom fürs Autoradio aufdreht. „Wir klebten die Lampen dann einfach ab“, so Hannes.  

Was in all  dieser Zeit  gleich blieb: „Horrorfilme sind ein Hit.“ Der Spaß am Nervenkitzel mit Filmen wie „The Witch Next Door“ oder „Der Unsichtbare“ sorgte für gute Besucherzahlen. So soll es auch beim Saisonfinale sein.

„Am 31. Oktober spielen wir  heuer ein letztes Mal für unser Publikum“, sagt der Autokino-Wiedererwecker. Passend zur Jahreszeit gibt’s  ein Halloween-Special. Danach will man sich als Event-Partner  profilieren. „Momentan  entwickeln wir uns zu einer sicheren Location für Firmenfeiern.“

Ein schönes Happy End eines unvergesslichen Sommers!

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