© Verein Stadtschrift/Daniel Böhm

Chronik Wien
07/31/2019

Revival auf Raten: Die Wiener Schriftzug-Mauer kehrt zurück

Verein Stadtschrift hat genügend Spenden, um die historischen Schriftzüge in den zweiten Bezirk zurückzuholen – aber erst 2020.

von Stefanie Rachbauer

Ludwig Hirsch und der nach ihm benannte Platz im zweiten Bezirk hatten eines gemeinsam: den Hang zu Grau. Immerhin trug das Debütalbum des Sängers den Titel „Dunkelgraue Lieder“. Und diese Farbnuance prägte auch lange die kleine Fläche unweit des Karmelitermarktes – abgesehen von ein paar Bäumen und Graffiti. Doch das Grau verliert immer mehr an Boden – wenn auch etwas langsamer, als geplant.

Vergangenen Sommer verpasste der Street-Art-Künstler Zesar Behamonte der Fassade eines Mehrparteienhauses auf dem Platz ein überdimensionales Gemälde in knalligen Farben. Heuer sollte die Feuerwand des Nachbar-Gebäudes mit historischen Fassadenbeschriftungen behübscht werden – der KURIER berichtete.

Dafür hat der Verein Stadtschrift nun auch das nötige Budget beisammen. Dennoch verzögert sich das Projekt.

Zur Erinnerung: Der Verein hatte bis Herbst 2018 auf einer Seitenwand des Gymnasiums in der Kleinen Sperlgasse ausgediente Schriftzüge alter Wiener Geschäfte ausgestellt. Da die Wand verbaut wurde, musste er sie allerdings abnehmen.

Rückhol-Aktion

Anrainer, der Bezirk und die städtische Mobilitätsagentur wollten das Ende der sogenannten „Mauerschau“ aber nicht hinnehmen – und machten sich für ihre Wiederbelebung stark.

Mit dem Ludwig-Hirsch-Platz war bald ein geeigneter Standort gefunden: Im Juni erteilten die Eigentümer des betroffenen Hauses dem Verein eine langfristige Nutzungsbewilligung.

Und auch das Budget war rasch aufgetrieben: Bis Ende Juli sind bei Stadtschrift genügend Spenden eingegangen, um die 6.500 Euro teure Montage der Schriftzüge zu bezahlen.

Spezial-Arbeit

Sie kommt deshalb so teuer, weil eine Spezialfirma beauftragt werden muss. „Die übernimmt auch die Verantwortung, dass die Schriftzüge fest sitzen“, sagt Roland Hörmann von  Stadtschrift.

Der Nostalgie verschrieben

Ziel des Vereins Stadtschrift ist, historische Geschäftsbeschrif-tungen  zu retten und öffentlich zugänglich zu machen. Etwa über einen Schauraum in der Liniengasse 2a in Mariahilf (Anmeldung unter mail@stadtschrift.at) und Ausstellungen im öffentlichen Raum.

Weitere Mauerschauen

An der Ecke Mollargasse/Hofmühlgasse in Mariahilf bespielt der Verein  derzeit eine Mauer mit weiblichen Vornamen.

 

Die Schriftzüge können auf zwei Varianten montiert werden: Entweder verankern die Spezialisten die Buchstaben einzeln im Mauerwerk. Oder sie befestigen den Schriftzug zuerst auf einem Trägerrahmen und montieren diesen.

Zur Verankerung dienen lange Gewindestangen. Sie werden an die Buchstaben bzw. den Rahmen geschweißt und dann in Bohrlöcher in der Mauer geklebt.

Sanierung blockiert

Erst will die Hausverwaltung aber einen schönen Hintergrund schaffen: Die Fassade soll saniert werden. Wie Stadtschrift nun erfahren hat, verzögern sich die Arbeiten – der Verein muss sein Projekt daher auf Mai verschieben.

Inzwischen ist Stadtschrift damit beschäftigt, Bewilligungen einzuholen und geeignete Schriftzüge auszuwählen. Grundsätzlich will Hörmann fünf Exemplare aus der Sperlgasse und sieben noch nicht gezeigte Exponate ausstellen.

Dieser Plan könnte sich noch ändern. „Abhängig von der Größe der Schriftzüge können zusätzliche Bewilligungen nötig sein“, sagt Hörmann. Um das zu vermeiden, werde er notfalls die Zusammenstellung ändern.

Bis der Ludwig-Hirsch-Platz noch bunter wird, hat Hörmann also noch einiges zu tun.

Einen Arbeitsschritt erspart es sich jedenfalls: Beleuchtet werden die Schriftzüge der neuen Mauerschau – anders als  in der Sperlgasse – nicht: „Dann müssten wir nämlich Luftsteuer (Abgabe für die Benützung des Luftraumes, Anm.) zahlen.“