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Chronik Wien
12/11/2021

44.000 Menschen bei Corona-Demo, Feuerwerk und bedrohte Journalistinnen

Die Demo endete am Heldenplatz mit einer Schlusskundgebung. Journalistinnen wurden vor Ort von Demonstrationsteilnehmer bedroht.

Am Samstag haben sich in der Wiener Innenstadt wieder Gegner der Corona-Maßnahmen formiert. Laut Polizeiangaben tummelten sich anfangs etwa 20.000 Teilnehmer rund um die Kundgebung am Heldenplatz. SpĂ€ter sprach die Polizei von 44.000 Teilnehmer. Es kam zu vier Festnahmen und mehreren Anzeigen wegen Verwendung von Pyrotechnik, Missachtung der Maskenpflicht und WiederbetĂ€tigung.

Der Auftritt von FPÖ-Chef Herbert Kickl verzögerte sich. Nach seiner Ansprache, kam es zum Protestmarsch am Ring.

Beworben wurde seit Tagen eine "Megademo fĂŒr Freiheit gegen Chaos und Zwang". Die von den Blauen organisierte Kundgebung finde in "Zusammenarbeit mit diversen BĂŒrgerbewegungen" statt, teilte die FPÖ mit. 

Am Nachmittag kam es zu einem ersten Zwischenfall: Journalisten wurden von vermummten Personen mit Eis und SchneebÀllen abgeschossen. Ein Video davon verbreitete sich auf Twitter. Auf Höhe des Franz-Josefs-Kai wurden auch Feuerwerkskörper geschossen.

Gegen 17.30 Uhr kam es zu einer Schlusskundgebung am Heldenplatz. Dort kam es nochmals zu einem kleinen Feuerwerk. Auch dort hielt FPÖ-Chef Herbert Kickl noch einmal eine kurze Ansprache, bevor die österreichische Hymne gespielt wurde.

Die Polizei kontrollierte im Anschluss vor allem die Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmittel. Bei vergangenen Demonstrationen kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten ohne Masken und FahrgĂ€sten. 

Bei der Demo soll es auch zu weiteren Übergriffe an Journalistinnen gekommen sein. Eine Reporterin des Fernsehsenders Oe24 wurde von Demonstrationsteilnehmern bedrĂ€ngt. Eine Puls24-Reporterin wurde ebenso eingekesselt und konnte ihren Beitrag nicht vollenden.

Mehr als 40.000 Teilnehmer vorige Woche

Angemeldet wurden fĂŒr Samstag bei der Landespolizeidirektion Wien insgesamt 32 Versammlungen, sieben davon wurden allerdings untersagt, eine aufgrund eines Formalfehlers zurĂŒckgewiesen.

Nicht alle der stattfindenden ZusammenkĂŒnfte werden gegen die COVID-Maßnahmen gerichtet sein - die FPÖ-Demo dĂŒrfte aber die grĂ¶ĂŸte sein. Kickl wie auch andere Veranstalter erwarten mehrere Tausend Teilnehmer. Vergangene Woche waren mehr als 40.000 Menschen in die Wiener Innenstadt gekommen, um gegen Coronamaßnahmen zu demonstrieren.

Um fĂŒr einen sicheren Ablauf und die Einhaltung der geltenden Covid-Bestimmungen zu sorgen, wird die Wiener Polizei, unterstĂŒtzt von Polizisten aus den anderen BundeslĂ€ndern, mit rund 1.400 Beamten im Einsatz sein. Neben KrĂ€ften fĂŒr den Ordnungsdienst und Objektschutz werden auch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Verfassungsschutzes und des Landeskriminalamtes im Einsatz sein, wurde zudem angekĂŒndigt.

Die Wiener Polizei stellt am Samstag auch wieder zwei Kontaktbeamte fĂŒr Medienvertreter und Medienvertreterinnen zur VerfĂŒgung. Diese sollen vor allem bei FĂ€llen von Störaktionen gegen die journalistische Arbeit oder auch bei Wahrnehmungen von strafbaren Handlungen kontaktiert werden. Zuletzt war es bei Demonstrationen der Maßnahmengegner immer hĂ€ufiger zu Übergriffen gekommen. Beamte wurden verletzt, Demonstranten - oft aus dem rechtsextremen Milieu - festgenommen.

Kickl hatte vor der Demonstration an die Teilnehmer appelliert, sich friedlich zu verhalten. Entscheidend sei, dass Protestmaßnahmen in geordneten Bahnen und friedlich ablaufen, ließ er im Vorfeld wissen. Zumindest in den Mittagsstunden war dies noch der Fall. Die Szenerie am Heldenplatz entsprach dem inzwischen gewohnten Bild.

Zahlreiche Slogans auf den Transparenten, Tafeln oder Aufklebern widmeten sich der - von den Teilnehmern sichtlich rigoros abgelehnten - Impfpflicht. "Nein zum Impfzwang" war vermutlich am hĂ€ufigsten zu lesen. Auch die Forderung "HĂ€nde weg von unseren Kindern" war sehr prĂ€sent. Auf zahlreichen Tafeln und Stickern wurde auch der RĂŒcktritt der Regierung urgiert.

Falschaussage von Belakowitsch

Die FPÖ-Abgeordnete Dagmar Belakowitsch hatte etwa vergangene Woche bei einem Demo-Auftritt behauptet, es seien "nicht die bösen Ungeimpften", die die SpitĂ€ler fĂŒllen. "Oh nein, das sind ganz ganz viele Geimpfte, die aufgrund eines Impfschadens behandelt werden mĂŒssen", ließ die blaue Mandatarin wissen. Das hatte fĂŒr massive Kritik gesorgt. Der Wiener SpitĂ€lerchef Michael Binder stellte etwa wenig spĂ€ter klar: "Es sind dort keine Patienten, die mit ImpfschĂ€den behandelt werden."

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