© Michaela Reibenwein

Chronik Wien
02/12/2020

Urteil nach Mordversuch: Obdachloser überlebte 40 Scherenstiche

Zwei Bekannten wurde vorgeworfen, den Mann in Wien-Währing wegen 20 Euro attackiert zu haben. Nur einer wurde wegen des Mordversuchs verurteilt.

von Michaela Reibenwein

Es war 2.40 Uhr in der Nacht, als ein Passant im vergangenen Juli einen blutüberströmten Mann im Marie-Ebner-Eschenbach-Park fand. Zlati, so wurde der Mann in der Obdachlosen-Szene genannt, überlebte nur dank einer Notoperation. Auf den Mann war 40 Mal eingestochen worden - großteils im Brustbereich.

Am Mittwoch saßen zwei Verdächtige vor dem Richter im Landesgericht für Strafsachen in Wien. Der eine 20 Jahre alt, der andere 36. Die beiden lebten ebenfalls auf der Straße. Wobei - der ältere hat sogar ein Haus in der Slowakei. "Aber ich bin immer wieder für ein, zwei Wochen nach Wien gekommen um Geld zu verdienen", erklärt er.

Der 20-jährige wurde am Mittwoch wegen versuchten Mordes zu acht Jahren Haft verurteilt. Der 36-Jährige erhielt wegen Raubes zwei Jahre Haft, davon acht Monate unbedingt. Beide Urteile sind rechtskräftig.

Blutige Kleidung

Der Ältere war es aber, der am Tag nach der Tat mit blutiger Kleidung bei der Caritas stand - und dort um neue Kleidung bat. "Ja", gibt er zu, "ich war dabei". Aber er will nicht auf das Opfer eingestochen haben. Ähnliches erzählt auch der Jüngere. Man habe auf ihn eingetreten, eingeschlagen. Und ein Mal, so erzählt er, habe er auch mit einer Schere auf ihn eingestochen. "Vielleicht zwei Mal. Aber nicht mehr."

Dass der Gerichtsmediziner 40 Stiche aufzählt,  kann er nicht glauben. "Das ist unmöglich."

Doch was war in dieser Nacht geschehen? Das Opfer hatte sich zu seinem Schlafplatz im Park zurückgezogen. Die beiden Bekannten gesellten sich dazu, gemeinsam wurde Whiskey getrunken. Und irgendwann geriet man in Streit. Ein Mann hielt das Opfer, das andere durchsuchte es - und fand zehn Euro in Münzen. Dann wurde auf den wehrlosen Mann eingetreten und gestochen. "Als wir gegangen sind, haben wir gedacht, dass er tot ist", erzählt der 20-Jährige. Nach der Tat setzte er sich in einen Zug und fuhr nach München. Dort wurde er im August ausgeforscht.

"Ich weiß nicht, warum das passiert ist. Wir waren Freunde", schildert der 20-Jährige zuerst. Er habe damals sehr viel Alkohol getrunken und viele Drogen konsumiert. Sogar Desinfektionsmittel wurde mit Wasser gestreckt und getrunken. "Das war nicht ich. Ich bin ein friedlicher, freundlicher Mensch."

Beim Prozess gab er dann aber doch zu, dem Obdachlosen in der Nacht auf den 22. Juli mit einer Schere in die Herzgegend gestochen zu haben. „Ich dachte, er ist tot. Er ist am Boden gelegen und sah tot aus“, sagt der Slowake.

Dach über dem Kopf

Das versucht auch seine Verteidigerin Sonja Scheed zu betonen. Und sie schildert auch die damaligen Lebensumstände des arbeitslosen Friseurs. "Er kam aus der Slowakei hierher, weil es bei uns Notschlafstellen und Essen gibt. Das gibt es dort nicht."

In Haft ginge es ihm besser als je zuvor. "Er hat jetzt ein Dach über dem Kopf, ein Bett, medizinische Versorgung und Essen. Und er kann keinen Alkohol und keine Drogen konsumieren." Noch vor einem halben Jahr sei der Mann ein Wrack gewesen.

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