Bars, Clubs in Wien am Abend

© Kurier / Gilbert Novy

Debatte
06/09/2021

Pro & Contra: Sind Platzverbote gegen Partys legitim?

Die Polizei kämpft aktuell gegen die Feierlust der jungen Menschen. Kann man das gut finden?

von Philipp Wilhelmer, Stefanie Rachbauer

Pro 

Wer soll die Polizei noch ernst nehmen, wenn sie Corona-Schwurblern freie Bahn lässt, Fotos im Plausch mit verurteilten Neonazis im Zuge von Anti-Covid-Umzügen kursieren und Recht und Ordnung vor allem da exekutiert werden, wo Menschen abgeschoben werden.

Allerdings ist nicht alles ein Neonazivergleich, was hinkt: Die Partyexzesse (ja ich weiß: Alter Mann, was verstehst du davon) auf Donaukanal und Karlsplatz zeigen: Hier entlädt sich mit Wucht alles, was ein Jahr lang weggesperrt war.

Junge Menschen wollen endlich wieder Spaß haben, Exzesse feiern und vergessen, was morgen schon wieder drohen könnte. Das ist emotional mehr als legitim.

In der Ballung, wie es zuletzt stattfand, kann das aber nicht klappen. Man kann nicht mehreren hundert Feierwütigen einen öffentlichen Platz mit Alkohol, Musik und keinen Regeln überlassen und erwarten, dass alles gut geht. (Man hat ja auch in Clubs nicht umsonst Türsteher und Securitys, die manche böse Situation zu verhindern wissen. Von den Sanitärräumen ganz abgesehen.)

Die Bilder der Polizei in Schildkrötenformation waren für jene Angetrunkenen, die das halbstark kommentierten, witzig. Als sie sich gruppenweise weigerten, den Ort des Geschehens zu verlassen, Flaschen flogen und Polizisten verletzt wurden, war es plötzlich bitterernst.

Das Ansteckungsrisiko ist derzeit gering, aber noch lange nicht abgeschafft. Und die Gruppe der Feiernden ist alles andere als durchgeimpft. Außerdem würde niemand tolerieren, wenn Menschen im Tumult verletzt würden oder Übergriffe passieren.

Vieles ist in der Pandemie am Rücken der Jungen ausgetragen worden. Das rechtfertigt aber keine Carte blanche für Partys im öffentlichen Raum.

von Philipp Wilhelmer (Leiter der Debatte im KURIER)

Contra

Das war ein gefundenes Fressen für die Empörten in den sozialen Medien: Während die Polizei mit rigiden Maßnahmen gegen feiernde Jugendliche am Karlsplatz vorgeht, hat man bei den wirren Demos der Corona-Leugner in der Wiener Innenstadt zuletzt vor allem zugeschaut.

Klar ist: Es gibt kein Grundrecht auf Party, aber sehr wohl eines auf Versammlungsfreiheit. Dennoch bekommt man zunehmend den Eindruck, dass Polizei und Politik bevorzugt dann Härte demonstrieren, wenn sich diese gegen junge Menschen richtet. 

Dass Jugendliche und junge Erwachsene besonders unter den sozialen Folgen der Pandemie leiden, ist hinlänglich dokumentiert. Kein Wunder, dass sie nach Ausgelassenheit dürsten (manche davon wohl im wahrsten Sinne des Wortes): In einer Lebensphase, in der man  so frei ist, wie später vielleicht nie wieder, waren Jugendliche monatelang eingesperrt.

Und zwar, um andere zu schützen. Nun, wo es das viel zitierte Infektionsgeschehen zulässt, sollten (auch) ihre Bedürfnisse an der Reihe sein.  

Stattdessen kommt man den jungen Menschen mit übertriebener Härte. Einer Härte, die zugleich nur sinnlose Kosmetik ist. Denn die Party findet immer ihren Weg: Wer die Jugendlichen von einem Ort verscheucht, der muss sie wenig später vom anderen Platz vertreiben. Das überfüllte Ufer des Donaukanals hat das am vergangenen Wochenende eindrücklich veranschaulicht.

Das offenbart, dass eine Platzsperre eigentlich nur einen Zweck hat: Sie soll überdecken, dass Polizei und Politik im mittlerweile zweiten Corona-Sommer noch immer nicht wissen, wie die nachvollziehbare Lust auf  das Feiern  und die nach wie vor nötige Vorsicht in Einklang zu bringen sind. 

Auch darüber könnte man sich lautstark empören.

von Stefanie Rachbauer (Redakteurin in der Wien-Chronik)

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