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Chronik Wien
10/07/2020

Pensionist soll aus Eifersucht auf Polizisten losgegangen sein

Staatsanwältin wirft 74-Jährigem Mordversuch vor. Die Geschworenen werten Vorfall als versuchte schwere Körperverletzung.

von Michaela Reibenwein

Am Samstag trinkt er, sagt der Angeklagte. Da geht er nämlich in der Früh auf den Markt. Und dann gönnt er sich ein Bier oder einen Spritzer. So auch am 29. Juni des Vorjahres. Doch an diesem Tag soll der Mann laut Anklage mit einem Messer in Wien-Favoriten auf zwei Polizisten losgegangen sein. Die Polizisten gaben einen Schuss ab. Für die Staatsanwaltschaft Wien ist der Vorfall ein Mordversuch.

Mit seinem viel zu großen Sakko sitzt der 74-jährige Angeklagte am Mittwoch im Landesgericht für Strafsachen in Wien. "Nicht schuldig", sagt er. Er habe mit Sicherheit niemanden umbringen wollen. Auch wenn er sich nur mehr an wenige Details dieses Tages erinnert. Er hatte 2,8 Promille im Blut.

Junge Polizisten

Sein Anwalt Florian Kreiner hat eine andere mögliche Version des Geschehenen: Die beiden Polizisten, die in den Zwischenfall verwickelt waren, waren sehr jung. Jener, der den Schuss abgab, war vier Monate im Dienst, der andere noch kürzer. "Vielleicht ist das auch die Geschichte von zwei jungen, unerfahrenen Polizisten in einer Stress-Situation", meint er.

Doch warum war die Polizei überhaupt zur Wohnung des Mannes gekommen? Er hatte Streit mit seiner Lebensgefährtin. Die freute sich nämlich gar nicht darüber, dass ihr Freund so sturzbesoffen war. Der 74-Jährige wiederum dürfte besonders eifersüchtig gewesen sein - seine Freundin hatte 30 Kilo abgenommen, bekam Komplimente von anderen Männern. "Wir sind seit 17 Jahren zusammen. Für was hat's abgenommen?"

"Ruf' ruhig die Heh!"

Im Lauf des Streits griff der Pensionist zu einem herumliegenden Klappmesser - allerdings nicht, um seine Freundin zu bedrohen. Er spielte damit herum und stürzte aufgrund seiner Alkoholisierung mehrmals. Die Frau bekam Angst, dass er sich verletzt - und drohte mit einem Anruf bei der Polizei. "Ruf ruhig die Heh an", sagte der Angeklagte. Was die Frau auch tat.

Als die Polizisten an der Tür waren, ging er hinter der Frau nach. "Ich wollt' wissen, wer da pumpert." Dann, so schildern die Polizisten, sei der Mann mit "starrem Blick" auf sie zugegangen, das Messer in der Hand. Zwei Mal habe der Mann versucht, zuzustechen. Ein Polizist griff zur Waffe, ein Schuss ging los - verletzte aber niemanden.

Dem widerspricht die Freundin des Angeklagten. Er habe zwar mit dem Messer gefuchtelt, aber nie gezielt zugestochen. "So besoffen hab' ich ihn noch nie gesehen."

Doch die Staatsanwältin ist sicher: Es sei eine gezielte Attacke gewesen - aus Eifersucht. Denn vor Urzeiten habe die Lebensgefährtin eine Beziehung zu einem Polizisten gehabt. Seine Eifersucht habe er auf die beiden jungen Beamten projiziert. Ein Beamter erlitt übrigens einen winzigen Schnitt am Daumen.

15 Monate bedingte Haft

Das  -  nicht rechtskräftige -  Urteil fällt am Abend: 15 Monate bedingte Haft, nicht rechtskräftig. Die Geschworenen werten den Vorfall als versuchte schwere Körperverletzung statt versuchten Mordes.

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