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Chronik Wien
01/19/2021

Neuwaldegger Bad: Das Ende der gefüllten Paprika

Betreiber Michael Dolezel bleibt zwar Chef des privaten Freibads, für das legendäre Buffet sucht er nach 43 Jahren nun aber einen Nachfolger

von Julia Schrenk

Das Neuwaldegger Bad ist ein verlässlicher Lieferant für allerhand Empörungen. Das eine Mal wegen der gesalzenen Preise für die Tageskarte (in den vergangenen Jahren lagen die bei etwa 15 Euro), das andere Mal wegen eines Hausverbots für Burkini-Trägerinnen (das war 2017, nachzulesen hier).

Das Neuwaldegger Bad ist aber auch ein Idyll, das seinesgleichen sucht in Wien. Seit 1925 thront es hoch oben in Hernals. Und ist in jedem Sommer Rückzugsort für all jene, die den Schlangen vor den (inner)städtischen Bädern an heißen Sommertagen ausweichen wollen.

Alle Fans des Neuwaldegger Bades müssen heuer harte Einschnitte in ihre gewohnte Normalität hinnehmen. Und ausnahmsweise haben sie nichts mit Corona zu tun: Besitzer Michael Dolezel gibt das Freibad-Buffet auf – und ist auf der Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin. „Meine Mutter ist im Vorjahr verstorben und ich bin auch längst im pensionsreifen Alter“, sagt Dolezel zum KURIER.

Liebling vieler Wienerinnen und Wiener war das Freibad-Buffet im Neuwaldegger Bad vor allem wegen der gefüllten Paprika. Und ein bisschen auch wegen der langjährigen Chefin Eva Dolezel. Ab 1978 hat sie im Buffet gekocht. Das Rindsgulasch, den Tafelspitz, den legendären Marillenkuchen und die ebenso legendären gefüllten Paprika. Was viele nicht wissen: Es war nicht sie, die bis zuletzt kochte. Seit 16 Jahren macht das schon ihr Sohn Michael Dolezel.

Baden wie damals

Seit 1925 ist das Bad, das Dolezels Großvater, der Lehrer Leopold Müller, einst gebaut hat, ein Familienbetrieb. Wie ein Lehrer auf die Idee kommt, ein Freibad zu bauen?

Das hat vor allem mit dem Gänsehäufel im 22. Bezirk zu tun. „Das war seit seiner Eröffnung gerammelt voll und ein Bombengeschäft“, erzählt Dolezel. An diesem Geschäft wollten auch andere teilhaben. Also wurden wenig später zahlreiche andere – private – Bäder in Wien errichtet. Darunter etwa das Rodauner Bad – auch das Neuwaldegger Bad.

Die Einrichtung – die Kabinen, die Kästchen aus Holz, die Schlüsselausgabe – schaut heute noch aus wie anno dazumal. Und wer ins Neuwaldegger Bad baden geht, der will genau das. Ein bisschen weg vom Schuss, viel Nostalgie und eben auch ein bisschen Exklusivität. Da nimmt man schon einmal in Kauf, dass nicht nur die Eintrittspreise, sondern auch jene am Buffet gesalzen sind. Die Anzahl an Stammgästen ist trotzdem hoch.

Keine Langos

Deshalb hat Dolezel durchaus Vorstellungen, was die Buffet-Nachfolge betrifft: Er sucht einen Pächter, der es „in unserem Sinne und zum Publikum unseres Bades passend“ weiter betreiben will. Soll heißen: eine Langos- oder Pommesbude kommt Herrn Dolezel nicht ins Haus. Das würden die Stammgäste wahrscheinlich auch nicht verkraften.

Am Sonntag hat Dolezel die Suche nach Bewerbern auf der Facebook-Seite des Bades gepostet, Montag zu Mittag gab es schon Bewerbungen von sieben „namentlich bekannten Wirten“, wie er sagt. Sie alle haben bereits Lokale in Wien – und das sei auch notwendig. „Einen Saisonbetrieb zu führen ist etwas anderes“, sagt er. Schwieriger nämlich. Man rechnet mit Sonnenschein und wenn man Pech hat, gibt’s eine Woche Regen – und keine Einnahmen.

Welche Wirte sich für das Buffet beworben haben, wollte Dolezel übrigens (noch) nicht verraten. Vielleicht gibt es aber bald serbische Krautrouladen statt gefüllter Paprika im Neuwaldegger Bad. Wiedens Wirtin Stefanie Herkner überlegt, sich um das Buffet zu bewerben.

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