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Chronik | Wien
02/21/2019

Austattung für Wiener E-Roller: Ein Verleiher erfüllt die Regeln

Wien hat neue Ausrüstungs-Vorschriften für Leihscooter festgelegt. Anbieter rüsten nach, Strafen für Nutzer sind möglich.

Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen kehrt ein umstrittenes Gefährt auf die Wiener Straßen zurück: elektrisch betriebene Tretroller, die per Handy-App ausgeliehen werden können. Bevor die Saison so richtig losgeht, haben manche Anbieter aber noch Einiges zu tun.

Sie müssen ihre Flotten nachrüsten, um in puncto Ausstattung den neuen Vorgaben der Stadt zu entsprechen. Der KURIER beantwortet die vier wichtigsten Fragen dazu.

1. Welche Ausrüstung benötigen die Leih-Scooter?

Grundsätzlich betrachtet Wien E-Roller rechtlich als Fahrräder. Ihre Ausstattung muss folglich der Fahrradverordnung entsprechen. Da sich E-Scooter und Räder aber in gewissen Punkten unterscheiden, haben die Stadt und die Polizei die Vorschriften der Verordnung in einem neuen Leitfaden auf Roller umgelegt.

Ende Jänner informierten sie die Verleiher über die Regeln.

Der Leitfaden verlangt etwa für Scooter seitliche Reflektoren in Gelb oder Weiß. Sie müssen aber – anders als bei Fahrrädern – nicht an den Speichen montiert werden, sondern sind auch an einer anderen „geeigneten Stelle“ zulässig. Zum Beispiel am Gestell:

Zusätzlich benötigen E-Roller vorne weiße und hinten rote Reflektoren, eine Klingel und Beleuchtung.

Außerdem sind zwei voneinander unabhängige Bremsen mit einer bestimmten Wirkung (Verzögerung von 4 m/s² bei 20 km/h Ausgangsgeschwindigkeit, Anm.) Pflicht.

Das sind die Regeln im Überblick:

2. Welche Anbieter erfüllen die Vorgaben bereits?

Laut MA46 (Verkehrsorganisation) sei mit den Verleihern vereinbart, dass sie die Scooter „zeitnah“ umrüsten. Die Anbieter müssen ein Exemplar jedes angebotenen Roller-Modells in der Landesfahrzeugprüfstelle vorführen.

Erfüllt es die Kriterien, stellt die Behörde eine entsprechende Bestätigung aus. Wenn nicht, müssen die Verleiher nachrüsten.

Für neue Anbieter ist die Bestätigung der MA46 die Voraussetzung dafür, dass sie ihre Roller überhaupt in Wien aufstellen dürfen. Für diese drei Anbieter, die bald nach Wien kommen wollen, gilt diese Regel bereits:

Welche der derzeit vier aktiven Anbieter den Leitfaden bereits umgesetzt haben, verrät die MA46 nicht.

Der deutsche Verleiher Tier - das ist jender mit den mintgrünen Scootern - gibt an, als Erster alle Forderungen der Stadt umgesetzt zu haben. In den vergangenen Tagen habe man etwa die Geschwindigkeit der Roller auf 18 km/h gedrosselt, um die verlangte Bremswirkung zu erreichen.

Bird erklärt , mit der Stadt an der Umsetzung der Regeln zu arbeiten. „Unsere umgerüsteten Scooter werden derzeit von der MA46 geprüft“, teilt Lime mit. Wind war nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

3. Wer kontrolliert die Einhaltung?

Die Wiener Polizei kontrolliert bereits, ob die Leih-Scooter den neuen Vorschriften entsprechen. Die Verkehrspolizei führe gegenwärtig Kontrollen „hinsichtlich des sachgemäßen Umgangs, als auch betreffend der Einhaltung geltender Vorschriften“ durch, heißt es auf KURIER-Anfrage.

Wer mit einem falsch ausgestatteten Leih-Scooter aufgehalten wird, muss mit 20 Euro Strafe rechnen. „Grundsätzlich liegt die Verantwortung bei jener Person, die den Scooter in Betrieb nimmt“, erklärt ein Tier-Sprecher. „Das ist deshalb so, weil es für uns unmöglich wäre, den Zustand aller Scooter zu jedem Zeitpunkt zu kennen.“

Die Ausstattung werde aber täglich kontrolliert, betont er.

Ob schon Strafen verhängt wurden, konnte die Polizei nicht in Erfahrung bringen. Übrigens: Auch Scooter-Fahrer, die mit ihrem eigenen Gerät unterwegs sind, müssen sich an die neuen Vorschriften halten.

4. Gibt es noch viele Beschwerden über E-Roller?

Als im Herbst die ersten Scooter-Anbieter nach Wien kamen, brach eine Debatte über rücksichtlose Fahrer und ungünstig geparkte Exemplare aus. Beim Stadtservice halten sich die Beschwerden in Grenzen: Bisher sind 149 Meldungen eingelangt.