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Chronik Wien
10/24/2019

Nationalfeiertag 2019: Leistungsschau auf Sparflamme

Der heurige Nationalfeiertag steht im Zeichen der budgetären Not des Heeres. Seit Montag laufen die Aufbauarbeiten am Wiener Heldenplatz.

von Konstantin Auer

Die schweren Gefährte des österreichischen Heeres fahren am Heldenplatz vor. Junge Soldaten weisen sie ein. Sie suchen zwischen den Reiterstatuen, dem provisorischen Parlament und Hofburg den geeigneten Platz, damit die Fahrzeuge der Bevölkerung und den Touristen präsentiert zu werden. In weißen Zelten will das Heer am 25. Oktober - dem "Tag der Schulen" und am 26.Oktober - dem österreichischen Nationalfeiertag - informieren, Ausrüstung und Können präsentieren.

Schon am Donnerstag ist die Faltfestbrücke der Pioniere zu sehen, ein Bundesheer-Lkw ist darauf platziert. Grundwehrdiener schleppen hunderte Sandsäcke, die Militärpolizei patroulliert, mitten am Heldenplatz richten die Flugabwehrgeschütze "Mistral" ihre Läufe in den Himmel. Ein deutscher Tourist fragt verwundert: "Was ist denn hier für ein Auflauf"?

Ein abgespeckterer Auflauf

Denn etwas ist anders bei der heurigen Leistungsschau: "Es gibt in diesem Jahr keine Helikopter und nur Panzer auf Rädern zu sehen“, erklärt Oberst Stefan Koutnik, der für den Aufbau der Leistungsschau zuständig ist. Etwas enttäuscht blickt er über den - im Vergleich zu den Vorjahren - leeren Heldenplatz. Das hat mit Sparmaßnahmen beim Heer zu tun. "500 bis 600 Soldaten sind bei Auf- und Abbau sowie am Nationalfeiertag selbst am und rundum den Heldenplatz beschäftigt. "Auch das sind weniger als in den Vorjahren", bestätigt Koutnik.

Anders ist 2019 auch, dass sich das Heer nur am Heldenplatz selbst präsentiert: Die Standorte beim Burgtheater, in der Schottengasse, auf der Freyung und am Hof werden heuer nicht besetzt. Auch der so beliebte Kletterturm wird kleiner ausfallen. Deshalb werden auch weniger Besucher als in den Vorjahren erwartet, wie es in Bundesheerkreisen heißt. Etwa eine Million Gäste besuchen den Heldenplatz jährlich am Nationalfeiertag. Etwa 450.000 Euro kostet die Veranstaltung 2019. Das sei um etwa ein Drittel weniger als sonst.

"Was ist Hilfe wert?"

Sogar in den aufliegenden Broschüren des Heeres zum Nationalfeiertag wird schon auf der Titelseite gefragt: "Was ist Hilfe wert?". Ab Seite 3 des 10-seitigen Heftes geht es fast nur um "notwenige Investitionen", die das Militär benötigen würde. So seien im Bundesfinanzrahmengesetz im Jahr 2022 für das Bundesheer 2,191 Milliarden Euro eingeplant. In der Broschüre heißt es, dass aber alleine das Regelbudget 3,3 Milliarden Euro betragen müsste. Für Investitionen seien 3,8 Milliarden Euro notwendig.

Selbst Verteidigungsminster Thomas Starlinger meint am Donnerstag: "Zum dramatischen Zustand des Bundesheeres muss ich nicht mehr viel sagen“. Die abgespeckte Variante der Leistungsschau solle darauf aufmerksam machen.

Action-Programm

"Dennoch werden wir einiges an Action bieten", sagt Koutnik. Mit dabei werden zwischen 9 und 17 Uhr die Such- und Schutzhunde des Militärs sein, die Gardemusik wird aufspielen, die Pioniere und die Luftraumüberwachung präsentieren ihre Fahrzeuge, zudem gibt es Militärdrohnen, den Mannschaftstransportpanzer „Pandur Evolution“ und einen Flugsimulator zu sehen. Ein Spektakel ist auch die Großangelobung, bei der rund 1.000 Rekruten ihr Treuegelöbnis ablegen - zu sehen ist die Feierlichkeit ab 10.30 Uhr direkt vor der Hofburg.

Fünf Themenbereiche werden vom Bundesheer präsentiert, nämlich der Schutz der Infrastruktur, der Schutz der Bevölkerung, die Auslandseinsätze, die Hilfe bei Katastrophen und ein fünfter Bereich, der sich der Ausbildung und den Karrieremöglichkeiten beim Heer widmet.

Oberst Koutnik hat schon im Dezember damit angefangen, die Leistungsschau vorzubereiten. Schließlich handle es sich - nach dem Donauinselfest - um das zweitgrößte Open-Air-Event Österreichs. Von den budgetären Veränderungen erfuhr er im Sommer. Seit Montag laufen die Aufbauarbeiten - das braucht es einiges an Organisationssarbeit, damit jede Einheit weiß, wo sie sich präsentieren darf.

So reist etwa am Donnerstag die Gebirgsinfanterie aus Kärnten an. Sie haben ein Tarn-Iglu und Ski dabei, die sie in ihrem Zelt ausstellen werden. Trotz der gelungenen Koordination hofft der Oberst, dass es in den kommenden Jahren wieder ein üppigeres Aufgebot geboten werden kann.

Politik- und Kulturangebot in der Innenstadt

Abseits der militärischen Angebote am Heldenplatz ist auch  ein breites Kulturprogramm in der Innenstadt geplant – meist bei freiem Eintritt.

Heldendenkmal (Äußeres Burgtor): Kranzniederlegung

9 Uhr, gratis

Gedacht wird den Opfern des Widerstandes und der toten Soldaten des Heeres. Das ganze Wochenende zu sehen ist die Ausstellung „Die Krypta des Österreichischen Heldendenkmals“.

Interims-Parlament (Hofburg, Eingang Josefsplatz): Tag der offenen Tür

10-17 Uhr, gratis

Besucher können sich am Rednerpult im Großen Redoutensaal (Sitzungssaal für Nationalrat und Bundesrat) fotografieren. Mandatare informieren über ihre Arbeit.

Präsidentschaftskanzlei (Ballhausplatz): Rundgang

12-14 Uhr, gratis

Bundespräsident Alexander Van der Bellen empfängt die Besucher. Führungen vermitteln die Aufgaben des Bundespräsidenten und die Geschichte des Hauses.

Bundeskanzleramt (Ballhausplatz): Rundgang

12-17 Uhr, gratis

Kanzlerin Brigitte Bierlein und Frauenministerin Ines Stilling heißen die Besucher willkommen. Zu besichtigen gibt es eine Ausstellung zu „100 Jahre Frauenwahlrecht“.

Hofburg (Innerer Burghof): Österreich-Fest

15-17 Uhr, gratis

Die Justizwachemusik, Schlagzeugsuperstar Martin Grubinger und die Jazzcombo der Militärmusik Niederösterreich spielen auf.

Rathausplatz: Sicherheitsfest

9-17 Uhr, gratis

Zu sehen sind u.a. Polizei- und Rettungshunde, Einsatzfahrzeuge und der Notarzthubschrauber „C9“. Die Polizeimusik Wien spielt auf, für Kinder gibt es Spielstationen.

Haus der Geschichte (Heldenplatz): Ostarrichi-Urkunde

10-18 Uhr, gratis

Nach 23 Jahren ist das Schriftstück aus dem Jahr 996, auf dem erstmals der Name „Österreich“ erwähnt wurde, wieder in Österreich zu sehen.

Prunksaal der Nationalbibliothek (Josefsplatz): Tag der offenen Tür

10-18 Uhr, gratis

Halbstündlich finden Themenführungen (u.a. „Kaiser Maximilian I. Ein großer Habsburger“) statt. Eine Besichtigung ist auch ohne Führung möglich.

Literaturmuseum (Johannesgasse 6): Tag der offenen Tür

10-18 Uhr, gratis

Stündlich finden Themenführungen (u.a. „Wien: Eine Stadt im Spiegel der Literatur“) statt. Eine Besichtigung ist auch ohne Führung möglich.

Globenmuseum (Herrengasse 9): Tag der offenen Tür

10-18 Uhr, gratis

Halbstündlich finden Themenführungen („Globenwelten“) statt. Eine Besichtigung ist auch ohne Führung möglich.

Papyrusmuseum (Heldenplatz): Tag der offenen Tür

10-18 Uhr, gratis

Stündlich finden Themenführungen („Das mehrsprachige Ägypten“) statt. Eine Besichtigung ist auch ohne Führung möglich.

Esperantomuseum (Herrengasse 9): Tag der offenen Tür

10-18 Uhr, gratis

Stündlich finden Themenführungen („Das Museum der erfundenen Sprachen“) statt. Eine Besichtigung ist auch ohne Führung möglich.

Weltmuseum (Heldenplatz): Open Piano und Korridor des Staunens

10-18 Uhr, gratis

Ein Schönfeld-Piano, das Besucher jederzeit spielen können, ist ab  Samstag im Korridor des Staunens aufgestellt. So heißt das Schaudepot, das rund 800 Objekte zeigt.

Museum für angewandte Kunst (Stubenring 5): MAK-Day

10-17 Uhr, 5 Euro

Passend zur neuen Ausstellung „Kuniyoshi und Ukiyoenow“ finden unter dem Motto „Goes Japan“ Druckvorführungen, Performances und Führungen statt.

Musikverein (Muiskvereinsplatz): Konzert zum Nationalfeiertag

11 Uhr, 5 Euro (Stehplätze)

Das Wiener Johann Strauss Orchester führt unter Johannes Wildner durch die Musik der Strauß-Dynastie. Die Sitzplätze sind bereits ausverkauft.

Wien Museum: Themenführung

15 Uhr, gratis

Das Wien Museum bietet einen Einblick in  seine aktuelle Ausstellung „Das rote Wien. 1919-1934“.

Das Haus der Geschichte zeigt etwa die Ostarrichi-Urkunde – jenes Schriftstück, auf dem erstmals der Name Österreich erwähnt wurde. Die weiteren Museen der Nationalbibliothek – zum Beispiel das Literatur-, Papyrus- oder Esperanto-Museum – laden zu Themenführungen. Schweres Gerät ist dagegen am Rathausplatz zu sehen: Blaulichtorganisationen zeigen, wie sie im Notfall helfen.

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