Polizisten sind vermehrt zu Fuß in den gefährdeten Villen-Gegenden unterwegs.

© KURIER/Gilbert Novy

Home-Invasion in Wien
03/30/2016

Nach Überfällen auf Ärzte: Mehr Streifen in den Nobel-Bezirken

Täter dürften aus dem Ausland kommen. Gefährdet sind wohlhabende, ältere Bewohner.

von Michaela Reibenwein

Nach den Überfällen auf wohlhabende Ärzte-Ehepaare in Döbling ist die Exekutive in Alarmbereitschaft. Polizeistreifen sind verstärkt unterwegs, auch zu Fuß. Vor allem die Villenviertel stehen unter verstärkter Beobachtung. Betroffen ist nicht nur Döbling: Auch Hietzing und Währing – wie Döbling Nobelbezirke mit ausgedehnten Villenvierteln – gelten als potenzielle Ziele für die Täter.

Der Fachbegriff für Überfälle in Häuser, während die Bewohner daheim sind, heißt "Home Invasion": "Grundsätzlich kein neues Phänomen", sagt Oberst Michael Mimra, Leiter des Ermittlungsdienstes des LKA Wien. "In den Bundesländern gab es derartige Fälle bereits. Nur in Wien ist es neu."

Profis am Werk

Der jüngste Vorfall ereignete sich, wie berichtet, Montagabend in der Rathstraße in Neustift. Das Ehepaar (70 und 72 Jahre alt) wurde mit Klebeband an Sessel gefesselt. Die Frau musste den Tresor öffnen, aus dem sich die drei Männer bedienten.

Konkrete Spuren zu den Tätern gibt es noch nicht: "Wir stehen erst am Beginn der Ermittlungen." Das Umfeld des betroffenen Ehepaares wird geprüft – in der Hoffnung, Übereinstimmungen zum ersten Überfall Mitte Februar in Grinzing zu finden. "Das waren professionelle Täter", sagt Mimra. "Allein der Modus Operandi, den sie gewählt haben, spricht dafür. Und auch der Kontakt zu den Bewohnern. Da muss man schon sattelfest sein." Die Räuber müssen ihre Opfer vorher ausgekundschaftet haben. Beim Überfall in Neustift standen sie plötzlich im Wohnzimmer, in dem die Bewohner gerade ihr Nachtmahl zu sich nahmen. Sie waren über den Garten ins Haus gekommen, das im Normalfall durch eine Alarmanlage gesichert ist. Nur dieses Mal war diese nicht eingeschaltet.

Das "Beuteschema" der Kriminellen: "Ältere Personen, die schöne Häuser in guten Lagen haben", meint Mimra. Dass es die Täter gezielt auf Ärzte abgesehen hätten, bezweifelt er. "Das kann ein Zufall gewesen sein."

Zumindest beim ersten Überfall im Februar in Grinzing sei "zu 99 Prozent" eine ausländische Tätergruppe am Werk gewesen. Der überfallene Arzt berichtete davon, dass er mit einem Täter ein paar Worte Bulgarisch gesprochen habe. Und auch in Neustift soll zumindest einer der drei Täter aus dem Ausland stammen – zumindest erzählte er davon, aus Tschetschenien zu kommen.

Worin sich die Überfälle unterscheiden, ist die gezeigte Gewaltbereitschaft. "Beim ersten Überfall in Grinzing sind die Täter sehr viel brutaler vorgegangen", sagt Mimra. Sie hatten der Frau ins Gesicht geschlagen und damit gedroht, sie zu entführen. "In Neustift war das deutlich sanfter." Zwar hatte die Frau Verletzungen an den Handgelenken erlitten – die stammen allerdings von den Klebebändern.

Was Mimra seit den Überfällen auffällt: "Die Bevölkerung ist wieder aufmerksamer geworden. Wir bekommen mehr Anrufe." Dennoch sein Appell: "Ungewöhnliche Beobachtungen bitte melden!" Hinweise: an 01/31310-33800

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