Nach Kritik: Helfer darf nicht mehr im Wiener Covid-Zentrum arbeiten

Nach Kritik: Helfer darf nicht mehr im Wiener Covid-Zentrum arbeiten
Der Zivildiener hatte chaotische Zustände nach der Aufnahme von 300 Asylwerbern öffentlich gemacht.

Eigentlich hätte Karim Rihan in der Nacht auf Mittwoch seinen Dienst als Schleusenwart im Covid-Betreuungszentrum Messe Wien absolvieren sollen. Doch am Dienstag wurde der freiwillige Zivildiener von seinem Dienstgeber, dem Arbeiter-Samariterbund (ASBÖ), telefonisch informiert, dass er nicht mehr an seinem Arbeitsplatz zu erscheinen habe. Er habe gegen die Verschwiegenheitspflicht verstoßen.

Was war passiert? Rihan, der im Herbst für die Wiener Neos als Bezirks- und Gemeinderat kandidieren will, hatte die in seinen Augen chaotischen Zustände publik gemacht, die sich vergangenes Wochenende im Betreuungszentrum abgespielt hatten. Wie berichtet, wurden dorthin 300 Asylwerber übersiedelt und unter Quarantäne gestellt, nachdem in ihrem Quartier in Erdberg 26 Covid-Infektionen festgestellt worden waren.

Lage angespannt

„Man hat gemerkt, dass die Mitarbeiter in der Messe nicht vorbereitet waren, so viele Menschen auf einmal aufzunehmen“, schildert Rihan. Es habe zunächst zu wenig Essen gegeben, die Lage sei sehr chaotisch und angespannt gewesen. Zudem sei durch die Unterbringung der vielen Menschen auf engem Raum die Infektionsgefahr sehr hoch gewesen.

„Darauf habe ich intern hingewiesen. Mit dem Verweis, ich sei doch bloß ein Zivildiener, wurden meine Bedenken aber ignoriert“, schildert Rihan. Erst daraufhin habe er die Missstände öffentlich gemacht. „Es geht mir nicht darum, den ASBÖ anzugreifen, der nichts für diese Situation konnte, aber die Stadt hätte handeln müssen“, betont er gegenüber dem KURIER.

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Betreuungszentrum Messe Wien

Mit seinem Vorgehen habe der Zivildiener gegen die Datenschutz-Verordnung, die Verschwiegenheitspflicht und die Dienstvorschrift verstoßen, sagt indes eine Sprecherin des ASBÖ. „Deshalb wurde er freigestellt.“

Mit der Weitergabe von Fotos habe er die Persönlichkeitsrechte anderer Mitarbeiter verletzt, die ihn deshalb schon klagen wollten. „Wir haben uns bemüht, das zu verhindern“, sagt die Sprecherin. Unabhängig davon werde man bei der zuständigen Zivildienst-Serviceagentur den Abzug Rihans von seinem Dienstposten beim ASBÖ beantragen.

Zivilcourage

Rihans Parteikollegen sind über das Vorgehen des ASBÖ empört: „Offensichtliche Missstände aufzeigen zeugt von Zivilcourage“, sagt Neos-Klubobmann Christoph Wiederkehr.

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Christoph Wiederkehr, Neos

„Dass hier ein junger Mensch, der freiwillig Zivildienst macht, nun mit Anzeigen bedroht und damit mundtot gemacht werden soll, geht gar nicht. Die Stadt Wien wird sich gefallen lassen müssen, dass man aufzeigt, wo es im Krisenmanagement hapert.“

 

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