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Chronik Wien
03/18/2021

Mordermittlungen: Polizei spricht von Notwehr

67-Jährige starb in Wien nach Schuss durch Dienstpistole. Beamter befindet sich weiter im Dienst.

von Michaela Reibenwein, Dominik Schreiber

Nachdem bekannt wurde, dass gegen einen WEGA-Beamten wegen Mordes ermittelt wird, relativiert man bei der Staatsanwaltschaft Wien: „Wir haben hier natürlich eine verstorbene Person und eine Schussabgabe durch einen Beamten. Ob es aber tatsächlich zu einer Mordanklage kommt, wird am Ende des Beweisverfahrens entschieden“, sagt Nina Bussek, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien.

Wie berichtet, wurde am 5. Jänner die Polizei nach Hietzing gerufen. Eine 67-jährige Pensionistin soll eine Heimhilfe mit dem Messer bedroht haben.

Das Stadtpolizeikommando Meidling forderte die Spezialeinheit WEGA zu dem Einsatz an. Als die Beamten vor der Tür der psychisch kranken Pensionistin standen, soll sie mit einem Messer auf die Polizisten losgestürmt sein. Ein Polizist gab den tödlich Schuss ab. Ein Weiterer setzte zeitgleich den Taser ein.

Ermittlungen vor Ort

Die Landespolizeidirektion Steiermark übernahm daraufhin die Ermittlungen. Gemeinsam mit der zuständigen Staatsanwältin wurden auch die Angaben der Polizisten vor Ort überprüft. „Um sich einen persönlichen Eindruck zu verschaffen“, wie Bussek betont. Eine klassische Tatort-Rekonstruktion mit den Polizisten sei nicht geplant. Die Aufzeichnungen seien ausführlich genug. Noch offen ist aber das schriftliche Obduktionsergebnis.

Fest steht: Der betroffene Beamte wurde bereits einvernommen, er verzichtete sogar auf einen Rechtsanwalt. Er befindet sich auf freiem Fuß. Bei der Polizei ist man von einer Notwehr-Situation überzeugt, der betroffene Polizist ist nicht einmal vom Dienst suspendiert. Bisher habe man keine Erkenntnisse über ein mögliches Fehlverhalten des Schützen gefunden.

Zeugen bestätigten

Die Schilderungen der Beamten wurden jedenfalls durch eine Nachbarin und die Heimhilfe bestätigt. Die Amtshandlung dauerte von 12.31 bis 12.55 Uhr – vom Eintreffen der Beamten bis zur Versorgung der Frau. Insgesamt sechs Polizisten waren vor Ort.

Dennoch hagelte es nach dem tödlichen Einsatz auch massive Kritik – auch von Hausbewohnern. Die 67-jährige Frau war in dem Wohnbau bekannt. Sie mied den Kontakt zu anderen Personen, ließ niemanden in ihre Wohnung. Das habe man akzeptiert, schilderte die Hausmeisterin damals. Aggressiv sei die Frau nie geworden. Sie habe unter Verfolgungswahn gelitten. Entsprechend panisch müsse sie reagiert haben, als die Polizisten in voller Montur vor ihrer Wohnungstür gestanden haben.

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