© Schwimmverein Donaukanal, Schwimmen, Donaukanal, Wien

Chronik Wien
07/07/2020

Urbanes Baden in Wien: Verein animiert zum Schwimmen im Donaukanal

Eine Gruppe von Studenten will eine alte Tradition wiederbeleben und arbeitet dafür mit dem Kunsthaus zusammen: Ab Donnerstag gibt es dort sogar Umkleiden.

von Stefanie Rachbauer

Wenn Menschen im Wiener Donaukanal schwimmen, dann tun sie das meistens nächtens – und in nicht mehr in ganz nüchternen Zustand. Erst vor knapp drei Wochen musste die Polizei einen betrunkenen Mann aus dem Gewässer retten: Er hatte nackt ein Bad genommen, schaffte es aber nicht mehr aus eigener Kraft ans Ufer.

Dabei könnt der Donaukanal weit mehr sein: ein Schwimmbecken mitten in der Stadt nämlich. Das findet zumindest eine Gruppe von Studenten vom Social Design Studio der Universität für angewandte Kunst.

Sie animiert die Wienerinnen und Wiener nun dazu, so selbstverständlich wie etwa in der Neuen Donau auch im Donaukanal schwimmen zu gehen. Das tut sie in zweierlei Hinsicht.

Erstens, indem die Gruppe selbst regelmäßig im Donaukanal schwimmen geht und Interessierte mitnimmt. Die Idee dahinter: Je mehr Leute im Donaukanal baden, desto eher werde anderen Stadtbewohnern bewusst, dass das völlig legal ist.

Strandbad im Museum

Zweitens soll eine Kooperation mit dem Kunsthaus im 3. Bezirk dabei helfen, das Schwimmen im Donaukanal zu etablieren. Im Museumsgarten wird derzeit eine Art Strandbad eingerichtet: 20 Schließfächer wurden bereits aufgestellt, aktuell werden noch Umkleidekabinen und eine Dusche aufgebaut.

Ab Donnerstagabend dürfen dann all jene, die im Donaukanal schwimmen gehen wollen, zu den Öffnungszeiten des Kunsthauses kostenlos diese Infrastruktur benutzen. Von dort ist es nicht weit zu Einstiegstellen am Wasser.

Spontan Entschlossene können im Museum Handtücher und Badeschlapfen ausleihen.

Wöchentliche Schwimmgespräche

Ab übermorgen, Donnerstag, finden im Museumsgarten außerdem wöchentlich Schwimmgespräche statt. Geleitet werden sie von Gästen mit unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema: Zum Beispiel der Eisschwimmer Josef Köberl, der selbst ab und an im Donaukanal schwimmt. Oder der Chemiker Stephan Hann von der Universität für Bodenkultur, der über die Wasserqualität sprechen wird.

Die ist, so die Studenten, jedenfalls gut genug fürs Schwimmen. Der Kanal speise sich aus der Donau, die Wasserqualität sei daher dieselbe, schreiben sie auf ihrer Website. Trüb sei das Wasser im Donaukanal in der Regel nicht, weil es verschmutzt ist, sondern wegen des hereingetragenen Donauschlamms.

Vorsicht ist dennoch geboten: Ist ein Boot in Sicht, muss das Wasser verlassen werden. Und: Wegen der starken Strömung von bis zu 5 km/h eignet sich der Donaukanal wohl nur für Geübte als Schwimmbecken.

Schwimmtermine

Wer erfahren möchte, wann die Badetermine stattfinden, der kann unter der Mailadresse schwimmvereindonaukanal@gmail.com mit den Studenten in Kontakt treten. Nach dem Sommer soll dann offiziell der Schwimmverein Donaukanal gegründet werden.

Badehosen mit dem Vereinslogo gibt es übrigens bereits. Der Schriftzug erinnert an die Epoche des Jugendstils – nicht zufällig: Vor 100 Jahren war der Donaukanal noch ein üblicher Badeort. Geschwommen wurde in den Badekäfigen der Badeschiffe und im Kanal selbst.

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