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Chronik Wien
10/14/2021

Migranten: Sprachbarriere als Impfhemmer

In Migranten-Bezirken ist die Durchimpfungsrate besonders gering. Oft fehlt es an den simpelsten Basis-Informationen. Die Stadt will gegensteuern

von Josef Gebhard

Im Frühjahr noch Schlusslicht, liegt Wien bei der Durchimpfungsrate mittlerweile im Bundesländer-Vergleich auf Rang vier. Dennoch gibt es auch in der Bundeshauptstadt mit einer Vollimmunisierten-Quote von 60,5 Prozent noch reichlich Luft nach oben.

Dessen ist sich wohl auch Bürgermeister Michael Ludwig bewusst. Am Dienstag traf er sich im Rathaus mit Ärzten zum Informationsaustausch, die in den verschiedenen Migranten-Communities Aufklärungsarbeit leisten. Das Ziel: die Impfquote in dieser Gruppe zu heben.

Bilder vom Treffen postete Ludwig auf Facebook. Wohl auch, um zu signalisieren, dass die Stadt das etwas heikle Thema Impfen und Migranten sehr wohl ernst nimmt. Man sei übereingekommen, mit zielgruppenspezifischem Info-Material verstärkt zum Impfen aufzurufen, sagt ein Sprecher.

Zahlen fehlen

Statistische Erhebungen dazu gibt es keine, die niedrigen Impfraten in Bezirken mit hohem Migrantenanteil wie Favoriten oder Brigittenau führten zuletzt dennoch zu Diskussionen, ob in dieser Bevölkerungsgruppe die Impfbereitschaft besonders niedrig sei.

Seitens der Stadt wird argumentiert, dass die Impfbereitschaft umso niedriger sei, je geringer Bildung und Einkommen wären. Damit lande man indirekt bei den Migranten, die in der Gruppe der schlechter Gebildeten und weniger Wohlhabenden überrepräsentiert seien.

Ein Befund, den der Allgemeinmediziner Turgay Taskiran bestätigt. Mit einem Kollegen betreibt er in Simmering eine Gruppenpraxis, viele der Patienten haben türkische Wurzeln.

„Die Vorbehalte gegen das Impfen sind bei Migranten und Nichtmigranten eigentlich die gleichen: die Angst vor Unfruchtbarkeit zum Beispiel oder vor Veränderungen im Erbgut durch den mRNA-Impfstoff“, sagt der Mediziner. „Das Problem ist: Wer nicht Deutsch als Muttersprache hat, hat oft Schwierigkeiten, zu seriösen Informationen zur Impfung zu kommen.“ Umso anfälliger seien sie für Falschinformationen, die in ihrer Sprache in den sozialen Medien kursieren würden. „Dementsprechend wichtig ist es, die Menschen über ihren Hausarzt, der ihre Sprache spricht und zu dem sie Vertrauen haben, zu erreichen“, sagt Mediziner Taskiran.

Diese Erfahrung hat auch Naghme Kamaleyan-Schmied gemacht. Sie ist Hausärztin in Floridsdorf und Ärztekammer-Funktionärin. „Oft genügt es schon, einen Opinion Leader einer Gruppe vom Impfen zu überzeugen. Am nächsten Tag schickt er dann schon zehn Verwandte oder Bekannte zu mir.“

Auch sie kritisiert das Fehlen maßgeschneiderter Informationen. „Es kann noch so oft in den Zeitungen oder im Fernsehen über das Impfen berichtet werden. Das hilft nichts, wenn die Menschen diese Medien nicht konsumieren“, sagt die Ärztin. „Viele sind gar keine Impfverweigerer, aber sie schaffen es nicht, sich für die Impfung anzumelden, wissen nicht, wo es Impfangebote gibt oder sind nicht imstande, mit der U-Bahn in ein Impfzentrum zu fahren.“

Kamaleyan-Schmied kritisiert, dass in Wien zu Beginn vor allem in den großen Impfstraßen geimpft wurde. Deshalb seien die Impfraten lange so niedrig gewesen.

Impfen bei der Moschee

Inzwischen gibt es Angebote wie Impfbusse, die auch vor Moscheen halt machen. Zum Beispiel morgen, Freitag (11 bis 20 Uhr) bei der IFW Aksa-Moschee (23., Herzigg. 9). Anmeldung ist keine nötig.

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