© Schrenk Julia

Chronik Wien
08/21/2020

Michaelerplatz: Ein Billa mit Concierge und Selfie-Station

Wo einst das Café Griensteidl war, ist nun ein Supermarkt eingezogen. Auf 700 Quadratmetern und zwei Ebenen.

von Julia Schrenk

Ans Griensteidl erinnern nur noch die Fenster. Und einige großformatige Fotos an den Wänden. Im Stiegenaufgang hängt ein Druck vom berühmten Literatenzimmer, in dem einst Arthur Schnitzler, Stefan Zweig und Hugo von Hofmannsthal saßen. Die beiden Letzteren hängen nun im Gang zu den Spezialitäten; Nobelpreisträgerin Bertha von Suttner neben der veganen Kühlware.

Am Donnerstag wurde an der Ecke Michaelerplatz/Schauflergasse in der Inneren Stadt die lang angekündigte (und auch kritisierte) Billa-Filiale eröffnet. Mit 700 Quadratmetern auf zwei Etagen. Nicht ganz dort, wo das Griensteidl war (denn dort befindet sich ja seit Dezember 2019 eine Filiale des Münchener Modeunternehmens MCM.

In der Kritik stand der Plan, dort einen Billa zu eröffnen, deshalb, weil Wien – vereinfacht gesagt – Leid um das Café Griensteidl war. Um seine Tradition und um seine Geschichte. Dass das Kaffeehaus zuletzt zwar aufgrund seiner historischen Architektur noch schön, aber nicht mehr besonders traditionsreich war, war in dieser Debatte nicht mehr wichtig.

Touristen und Wiener

Seit Donnerstag ist also das Griensteidl ein Billa. Und zwar ein äußerst hübscher: mit Mosaik auf dem Boden, Fliesen in Terrazzo-Optik, Holzvertäfelungen und schönen Lampen.

Auch einen Concierge gibt es dort. An diesem Donnerstag ist es Stefan Vobr. Er begrüßt die Kunden, reicht jenen Masken (mit der Zange), die sie vergessen haben, oder schenkt Zitronenwasser im Plastikbecher aus.

Die Billa-Filiale will das Aushängeschild des Rewe-Konzerns sein – und alles können: Gourmets ansprechen, den Innenstädtern den Wochenendeinkauf ermöglichen und Bürokräfte wie Touristen zufriedenstellen. Deshalb gibt es im Erdgeschoß eine feine Auswahl an Fertigprodukten.

Etwa Chicken-Curry mit gedämpften Reis oder handgemachte Mozzarella-Cappellacci (beides um 7,90 Euro). Für das frisch Gekochte ist Henry zuständig.

Drinnen gibt es 15 Sitzplätze, im Gastgarten sind es 30. Außerdem unten zu finden: Frisches Obst und Gemüse, Gebäck und Fertigessen zum Mitnehmen. Salate, Wraps, Weckerl. All das wird dort frisch zubereitet, man kann sogar dabei zuschauen. Es gibt Imperial-Torte und Oreo-Donuts, gekühltes San Pellegrino und Coca-Cola in Glasflaschen.

Und – wenig überraschend an diesem Standort – eine Auswahl an Produkten, die die Touristen nachfragen: Sissy-Taler, Klimt-Schokolade, Mozart-Eistee.

Trüffel und Selfies

Spannend wird’s erst im ersten Stock. Über die geschwungene Treppe geht es zum Wein und zu den Spezialitäten. Hier findet man Trüffelleberpâté und den Lemon Curd, das Grammelschmalz vom Wollschwein oder den Wildschweinspeck aus Oberösterreich.

Und auch eine Selfie-Station. Zu einer solchen soll das Fenster mit dem Ausblick auf die Hofburg jedenfalls werden.

Demnächst will man dort auch Utensilien zur Verfügung stellen, wie sie für Fotoboxen üblich sind. Papier-Schnauzer zum Anlegen etwa. Man muss die Touristen, sobald sie wieder nach Wien kommen, ja schließlich ein bisschen unterhalten.

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