Chronik | Wien
28.02.2018

Café Griensteidl: Klassisch, hip und jetzt touristisch

Rien sollte "intellektuelle Elite" ansprechen. Café Klimt soll "ökonomischer" geführt werden.

Der gigantische Wal, den Christopher Rhomberg einst für das Rien auf die Decke gemalt hat, ist geblieben. Und auch "sein" Affe im rechten Teil des Cafés. "Nachdem der Klimt auch einen Affen gemalt hat (zumindest sieht das zottelige Ungeheuer im Beethovenfries einem solchen ähnlich, Anm.) haben wir uns gedacht: Den können wir lassen", sagt Claudia Pich, Sprecherin von Blaguss.

Busunternehmer Blaguss, der auch Eigentümer des Donauturms ist, hat das einstige Traditionscafé Griensteidl am Michaelerplatz in der City mit Anfang Februar und bis Ende des Jahres übernommen. Nachdem Do&Co das Griensteidl im Juni 2017 geschlossen hatte, wurde es von August bis Jänner dieses Jahres von derAgentur Friendship als Rien betrieben. Seit vergangener Woche firmiert das einstige Traditionskaffeehaus unter dem Namen Café Klimt.

Auf Personalsuche musste sich der neue Betreiber nicht begeben: Weil der Donauturm aktuell renoviert wird, wurden die Servicemitarbeiter von Restaurant und Kaffeehaus im Donauturm kurzerhand auf den Michaelerplatz übersiedelt. Dort tragen sie jetzt schwarze T-Shirts mit Gustav Klimts "Kuss" als Aufdruck.

Souvenirshop

Mit dem neuen Konzept scheint man speziell Touristen ansprechen zu wollen: Auf der Speisekarte stehen Panini (mit Basilikum- oder Tomatenpesto) und auch der sogenannte Klimt-Toast ist dort zu finden: Ein Schinken-Käse-Toast mit Erdäpfelchips und Ketchup (5,80 Euro).

Der Viennastore 1900 im Anschluss an das Griensteidl wurde Ende 2017 geschlossen und soll als Souvenir-Shop mit Klimt-Artikeln in den nächsten Tagen wiedereröffnet werden. Durchgang zum Kaffeehaus inklusive. "Wir sehen uns als klassisches Wiener Kaffeehaus und wollen Touristen und Wiener ansprechen", sagt Blaguss-Sprecherin Pich.

Abgesehen von der Einrichtung (die schon vorher da war) und den Mehlspeisen (produziert von der Conditorei Sluka) blieb vom klassischen Wiener Kaffeehaus aber nichts übrig.

"Testphase"

Der Unterschied zum vorangegangen Konzept des Rien könnte größer nicht sein.

Im Rien: alle Speisen hausgemacht, sogar die Sirupe für die Getränke. Lebensmittel von kleinen Produzenten, integrierter Designshop. Café Klimt: Panini, zugekaufte Mehlspeisen, Souvenirshop.

"Mit dem Rien wollten wir eine Botschaft vermitteln", sagt Matthias Felsner von Friendship. "Nämlich, dass auch junge Wiener ins Traditionscafé gehen. Dass es nicht nur gastronomisch, sondern auch kulturell und am Abend bespielt werden kann." Die Möglichkeit, das Projekt zu verlängern, schlug die Agentur aus.

Aber auch der Eigentümer, die Schweighofer-Gruppe, dürfte mit dem neuen Betreiber eine Botschaft vermitteln wollen: "Man kann das als zweigeteilte Testphase ansehen", sagt Sprecher Thomas Huemer. Der erste Teil des Pop-up-Konzepts sei eben das Rien gewesen – mit Fokus auf "Musik, Kultur, Diskurs".

Das Café Klimt soll weniger die "intellektuelle Elite" ansprecher, sondern "ökonomischer" aufgezogen werden. Huemer: "Das Rien war das eine Extrem, das Klimt ist das andere. Der Eigentümer möchte sich die Zeit nehmen, auszutesten, was möglich ist auf diesem Platz", sagt Huemer. Möglicherweise sei es eine "Synthese" aus beiden Konzepten.