Chronik | Wien
26.08.2017

Aus dem Griensteidl ist Nichts geworden

"Rien" heißt das neue Kaffeehaus, das heute, Samstag, eröffnet. Ein Design-Shop folgt im Oktober.

Kurz hat er etwas verdattert geschaut, der Herr Schmid, als er in die Baustelle im ehemaligen Café Griensteidl am Michaelerplatz stolperte. "Eine Frittatensuppe wollt’ ich", erzählt der Schweizer, der bei seinen Wien-Besuchen oft einen Abstecher in das Kaffeehaus gemacht habe. Die Frittatensuppe hat der Herr dann im Central geholt, denn eröffnet wird das Lokal im ehemaligen Griensteidl erst heute, Samstag. Und zwar als Café Rien – Französisch für nichts. Das ist das, was vom Café Griensteidl übrig bleibt, wenn man das "Café", das "G" und das "Steidl" weglässt.

Die Agentur "Friendship" haucht dem Kaffeehaus gemeinsam mit den neuen Geschäftsführern Herbert Peter und Philipp Haufler zumindest bis Jänner neues Leben ein. Die alten, dunklen Holzvertäfelungen wurden abmontiert, die Vorhänge abgenommen und die einzeln hängenden Lampen zu einem Luster umgestaltet. Die Polsterbezüge aus rotem Plüsch sind noch da, aber den Plafond zieren nun Malereien eines riesigen Affens und eines Wals. "Der Affe, das sind wir Menschen", sagt", sagt Christopher Rhomberg (40), der für das Design im Rien zuständig ist. "Und der Wal steht für den Größenwahn." Als das echte, alte, Griensteidl noch das Stammcafé vieler Literaten war, wurde es ja " Café Größenwahn" genannt.

Kein Platz für "Schischi"

Doch um den geht es den neuen Betreibern nicht. Sie wollen Nachhaltigkeit beweisen, auch wenn das Projekt (vorerst) nur bis Jänner anberaumt ist. "Wir wollen wieder ein Café, ein Wirtshaus für die Wiener sein", sagt Martin Fetz, einer der Betreiber Denn zuletzt seien da nur noch Touristen eingekehrt. Die Tee-Auswahl wurde von der Saint-Charles-Apotheke in der Gumpendorfer Straße zusammengestellt, der Kaffee kommt von Röster Leonhard Wild aus Garmisch-Partenkirchen.

Auf der Speisekarte stehen Klassiker "mit einem Twist". Würstel gibt es, aber in Bio-Qualität, auch Toast, aber mit Brot von Joseph und statt eines ordinären Ketchups wird dazu "Holunderbeeren-Ketchups" serviert. Hausgemacht, versteht sich.

"Wir wollen schön kochen, ohne viel Schischi und so, dass es schmeckt", sagen die Küchenchefs Simon Kotvojs (29), und Lucas Steindorfer (32). Sie versuchen, Tiere ganz zu verarbeiten und nicht nur die Filetstücke. Im Sommer rexen sie "Schmankerl ein, damit die Küche im Winter nicht fad ist. So wie das schon die Oma gemacht hat", erzählen sie.

Von der Oma (aber auch von der Mama und vom Papa) viel abgeschaut hat sich Viola Bachmayr-Heyda (28). Weil es die Chef-Pâtissière aber nicht nur süß, sondern auch gern salzig mag, kombiniert sie ein Eclair zum Beispiel mit Kukuruz und Brombeeren. Aus der Sachertorte hat sie kurzerhand die Rienna-Schnitte (Mix aus "Rien" und " Vienna", Anm. ) gemacht – mit saftigerem Teig, einem Marillenröster statt der Marmelade und mit weicher Glasur.

Herbert Peter ist für die Bar verantwortlich. Alle Cocktails und Limonaden (etwa die Apfel-Kürbis-Eukalyptus-Lim mit Duft-Pelargonien) macht er selbst. So etwas wie Aperol komme ihm nicht ins Haus. Wenn er Liköre verwendet, setze er sie selbst an.

Im Oktober wird das Café um einen Concept-Store erweitert. Mode, Möbel und Designobjekte soll es dort zu kaufen geben.

Die Kaffeehaustische kommen übrigens fast alle weg, stattdessen werden zwei neun Meter lange Betontafeln aufgebaut, an der bis zu 36 Personen Platz nehmen können. Gemeinsam essen sei schließlich besser, als einsam zu speisen.