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Chronik Wien
10/17/2020

Margareten: Ein Sieg, der Wellen schlägt

Wien bekommt mit Silvia Jankovic die erste Bezirksvorsteherin mit serbischen Wurzeln. In der Community freut man sich darüber

von Josef Gebhard

Ungewohnt turbulent ging es im Vorfeld der Wahl in Margareten zu. Letztlich blieb das politische Kräfteverhältnis im Bezirk aber weitgehend gleich, nur das Gesicht an der Spitze ist ein neues.

Silvia Jankovic, Spitzenkandidatin der SPÖ, wird neue Bezirksvorsteherin, obwohl ihre Partei bei der Wahl 3,4 Prozentpunkte verloren hat.

Sie löst Susanne Schaefer-Wiery ab, die sich im Vorfeld der Wahl völlig mit ihrer Partei, der SPÖ, zerstritten hat. Sie wurde nicht mehr als Spitzenkandidatin nominiert und trat daraufhin aus der Partei aus. Nach Ende ihrer Amtszeit zieht sich die ehemalige Geschäftsführerin des Filmcasinos aus der Politik zurück. Oder besser gesagt: zumindest aus der Parteipolitik, wie sie zuletzt betonte.

Die Sozialdemokratie sei laut Schaefer-Wiery"rückwärtsgewandt"

Wie so viele Bezirksbewohner hat auch ihre 36-jährige Nachfolgerin Jankovic einen migrantischen Hintergrund. Sie ist in einer serbischen Hausbesorger-Familie im Franz-Domes-Hof am Margaretengürtel aufgewachsen.

Die Mutter eines Sohnes studierte Public Management und Unternehmensführung und arbeitet aktuell nach einigen Jobs in der Privatwirtschaft in der Institutsverwaltung der Universität Wien.

„Dass ich Bezirksvorsteherin werde, hat in ganz Wien in der bosnisch-kroatisch-serbischen Community hohe Wellen geschlagen“, erzählt Jankovic dem KURIER. „Viele Menschen freuen sich darüber, dass sich die Diversität unserer Stadt auch immer mehr in der Verwaltung widerspiegelt.“

Neue Schule

In den nächsten Jahren will sie im Bezirk vor allem drei Projekte umsetzen: eine neue Ganztagsschule in der Castelligasse, ein Sport- und Bewegungszentrum sowie zwei Ärztezentren mit Kassenvertrag.

Ein Großprojekt, an dem bereits seit Jahren herumgebastelt wird, ist die Verkehrsberuhigung der Reinprechtsdorfer Straße. Das Projekt sorgte kurz vor der Wahl für Verstimmung, als die scheidende Bezirksvorsteherin Schaefer-Wiery mit den Grünen Pläne für eine Begegnungszone präsentierte, ohne dass die anderen Parteien im Bezirk darin eingebunden waren. „Wenn ich im Amt bin, werde ich mir die Pläne genau ansehen und entsprechend der Wünsche der Bürger adaptieren“, sagt die neue Bezirksvorsteherin.

Grün-türkises Plus

Die Grünen kamen mit einem Plus von 5,4 Prozentpunkten abermals auf Platz zwei. Und das, obwohl ihr Spitzenkandidat Thomas Kerekes kurzfristig für Nikola Furtenbach einspringen musste, die sich aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hatte. Noch stärker gewann nur die ÖVP dazu (5,7 Prozentpunkte). Sie spielt politisch in Margareten aber weiterhin keine wesentliche Rolle.

Ein Polit-Urgestein schaffte auch diesmal wieder den Einzug ins Margaretner Bezirksparlament: Wolf-Goetz Jurjans war ab 2010 einer der wenigen verbliebenen Wiener KPÖ-Bezirksräte. Bei der Wahl 2015 schaffte er den Wiedereinzug mit Bündnis „Wien Anders“. Ebenso gelang ihm das dieses Mal mit der Liste „Links“ – wobei diese auch noch ein zweites Mandat erobern konnte.

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