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Chronik Wien
08/12/2020

Magdas Hotel zieht in den 3. Bezirk: Übernachten wie einst Hochwürden

Vor sechs Wochen ist der letzte Pfarrer ausgezogen. Ab 2021 wird das ehemalige Priesterwohnheim umgebaut.

von Julia Schrenk

Vor sechs Wochen ist der letzte Pfarrer ausgezogen. Ab 2022 sollen ins ehemalige Priesterwohnheim in der Ungargasse im 3. Bezirk die Hotelgäste einziehen.

Denn die Caritas eröffnet dort 2022 eine Dependance von Magdas Hotel, in dem Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund Arbeit finden. Mit 86 Zimmern, einer Bar und einem Restaurant.

Schon jetzt ist nur noch zu erahnen, wie die Priester hier einst gelebt haben. Aber das, was zu sehen ist, könnte spezieller kaum sein. Garderobenhaken Carl Auböck Werkstätten, ledergepolsterte Ameisen-Stühle des dänischen Star-Architekten Arne Jacobsen, Deckenlampen von Kalmar, Tafelgeschirr mit Goldrand, feinste 60er-Jahre Möbel.

Und das wird auch alles erhalten. Schon vor Wochen hat sich Architekt und Künstler Daniel Büchel in das alte Priesterwohnheim einquartiert und sämtliches Mobiliar gesichtet und sortiert.

Denn wie im ersten Magdas Hotel in der Laufbergergasse am Prater, soll auch in der Ungargasse alles, was geht, wiederverwendet werden.

Und wie bei Magdas im Prater zerlegt Büchel auch im 3. Bezirk schon jetzt alte Kästen und schafft aus ihnen die Einrichtung für die Hotelzimmer. Jene, die auf die Krummgasse gehen, haben auch Balkone.

60er-Jahre

Das Haus aus dem Jahr 1964 – gebaut übrigens von Dombaumeister Kurt Stögerer – ist der Caritas „zugeflogen“. Es gehört der Erzdiözese, die es in den vergangenen Jahren als Wohnheim für Priester genutzt hat.

Doch zuletzt waren nur noch sechs Priester übrig, alle waren über 80 Jahre alt und die Nonnen, die sich um deren Verpflegung gekümmert hatten, haben ihren Dienst quittiert.

Nun hat die Diözese der Caritas das Haus für den Hotelbetrieb überlassen. Dass die Caritas in der Ungargasse eine Dependance von Magdas Hotel eröffnet, muss übrigens nicht zwangsläufig das Ende von Magdas im Prater bedeuten.

Kann es aber: „Wir lassen das mal offen“, sagt Geschäftsführerin Gabriela Sonnleitner.

Denn Magdas im Prater ist ein Zwischennutzungsprojekt. Damit das Haus tatsächlich langfristig als Hotel geführt werden kann, braucht es eine entsprechende Widmung – und eine Generalsanierung.

Die soll das Haus in der Ungargasse jedenfalls bekommen, zumindest was die technische Ausstattung betrifft. Alles andere, also die Einrichtung aus den 60er-Jahren – das dunkle Terrazzostiegenhaus, der Serpetin-Terrazzo-Boden im Entree, die Rezeption, die Luster – sollen bleiben.

Der Parkplatz hinter dem Haus wird aber aufgelassen. Dort soll künftig nur noch ein Auto stehen dürfen: ein Elektrofahrzeug, wenn es aufgeladen werden muss. Dieser Parkplatz wird auch behindertengerecht sein.

„Wir haben uns für diesen radikalen Schritt entschieden“, sagt Sonnleitner. Auf der Fläche soll eine Terrasse entstehen und ein Garten angelegt werden, offen zugänglich für alle im Grätzel.

Feste feiern

Und er soll die Möglichkeiten bieten, in Magdas große Feiern abzuhalten. Hochzeiten oder Taufen etwa. Praktisch: Im 6. Stock des Hauses befindet sich eine Kapelle.

9 Millionen Euro wird der Umbau kosten. Baubeginn ist im Frühjahr 2021. Bis dahin wird das Erdgeschoß zwischengenutzt.

Seit Anfang August ist dort das Lokal „The Boys & Marie“ untergebracht. Schüler, die aufgrund von Corona ihren Praktikumsplatz verloren haben, haben sich selbstständig gemacht.

Auch eine Lebensmittelausgabestelle von Le+O ist dort untergebracht.

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