Beim Schlingermarkt in Floridsdorf ist ebenfalls ein kulturelles Ankerzentrum geplant

© Fremd/gruber franz

Chronik Wien
05/13/2021

Wie die Kultur den Wiener Stadtrand erobert

Die Kunstszene lässt sich an Orten wie dem Ottakringer Sandleitenhof oder dem Floridsdorfer Schlingermarkt nieder.

von Andreas Puschautz, Agnes Preusser

Wien ist unbestritten eine Kulturstadt. Die großen Theater und Museen befinden sich allerdings fast ausschließlich in den inneren Bezirken. Die Kulturszene erobert nun vermehrt auch den Stadtrand. Unterstützung gibt es dafür von der Stadtpolitik, die neuerdings die Randbezirke (und auch andere kulturell eher stiefmütterlich behandelte Stadtteile wie Ottakring oder die Brigittenau) mit einer Charme-Offensive bedenkt: in Form sogenannter kultureller Ankerzentren.

Neben der schon etablierten Favoritner Brotfabrik und dem Liesinger F23 sind momentan vier solche Zentren in der Planung oder in der Entstehung – beim Schlingermarkt in Floridsdorf, beim Brut Nordwest in der Brigittenau, beim Kempelenpark in Favoriten und im Sandleitenhof in Ottakring.

Zwei weitere Ankerzentren will Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) demnächst bekannt geben. Die genauen Standorte werden noch nicht verraten, aber zumindest die Bezirke: Ein zusätzliches Zentrum wird in Floridsdorf entstehen. Das zweite wird dann doch einem inneren Bezirk zugedacht, nämlich der Leopoldstadt.

Zeit für Neues

Im 16. Bezirk wird dezentrale Kulturarbeit schon seit Längerem gelebt. Bereits im Jahr 2013 beschloss die ursprünglich rund um den Brunnenmarkt beheimatete Kunstinitiative „Soho in Ottakring“, es wäre Zeit für Veränderung – und landete im Sandleitenhof im Nordwesten des Bezirks. Sieben Jahre hat die Initiative das ehemalige Kino sowie das frühere Tröpferlbad des Gemeindebaus seither bespielt – als Zwischennutzung.

Jetzt ist es aber genug mit dem Temporären: Der Sandleitenhof wird nun ein fixes Kulturzentrum. Derzeit werden mit Unterstützung der Stadt Wien und Wiener Wohnen auf rund 1.000 Quadratmetern permanente Veranstaltungs- und Ausstellungsflächen sowie sechs Werkstätten für Künstlerinnen und Künstler eingerichtet. Im September werden diese „Soho Studios“ mit dem  migrantisch-queer-feministischen Kunstfestival „Wienwoche" eröffnet.

SOHO Ottakring - Liebknechtgasse

Doch warum wurstelte man sich so viele Jahre mit temporären Projekten durch, anstatt gleich auf Kontinuität zu setzen?

„Es war uns schon ein Anliegen, die Räume auf Dauer nutzen zu können“, sagt die künstlerische Leiterin Ula Schneider. „Aber wir mussten den richtigen Zeitpunkt abwarten, so etwas muss auch politisch gewollt sein.“

Ausbau in Liesing

Auch in den bereits bestehenden Zentren tut sich etwas – etwa im F23, das in der Sargfabrik in der Breitenfurter Straße in Liesing beheimatet ist. Seit der Gründung im Jahr 2015 bemüht sich der zuständige Verein rund um Obmann Erich Sperger um ein abwechslungsreiches Programm: Filme, Konzerte und Theaterstücke wurden in dem Bau aufgeführt. Seit Corona gibt es statt Events einen Schmankerlmarkt.

Auch in diesen Standort wird nun massiv investiert. Im Endausbau soll laut dem Eigentümer, dem Immobilien-Unternehmen Soravia, ein Mix aus Kunst, Kultur, Gastronomie, Gewerbe und Gesundheitsangeboten entstehen. Derzeit werden Gespräche mit vielen konkreten Interessenten geführt – fix sei etwa schon eine Apotheke, ein Brauhaus sei eine Option. Die Fertigstellung ist im zweiten Halbjahr 2023 geplant.

Frischer Wind

Warum in den Randlagen nun so viel Bewegung in die Kulturszene kommt, erklärt man sich in Ottakring durch den Personalwechsel an der Spitze des Kulturressorts im Jahr 2018. Auf Andreas Mailath-Pokorny folgte die frühere Intendantin des Steirischen Herbsts, Veronica Kaup-Hasler. „Da hat sich viel getan“, sagt Soho-Leiterin Schneider.

Man merke, dass Kaup-Hasler aus der Praxis kommt, zudem sei sie sehr innovativ. Dass die gebürtige Dresdnerin jetzt auch gezielt dezentrale Kultureinrichtungen forciert, begrüßt die Vorstadt-Kulturarbeiterin Schneider naturgemäß. Nachsatz: Das sei aber auch „höchste Zeit“ gewesen.

Langer Atem

Zeit und Geduld braucht es dann auch, bis man Zugang zur lokalen Community findet, sagt Schneider. „Wir wollen ja auch niemanden zwangsbeglücken. Wir wollen Angebote schaffen und hoffen, dass die Menschen dann auch selbst etwas machen wollen“. Mittlerweile sei man im Grätzel rund um den Sandleitenhof ganz gut vernetzt, „aber natürlich wollen wir das intensivieren“.

Soho setzt jetzt voll auf Kontinuität, will hier Wurzeln schlagen. Auch das bekannte, zweijährliche „Soho in Ottakring"-Festival soll damit in seiner punktuellen Form Geschichte sein.

„Ich glaube, wenn wir auf Dauer aktiv sind, kann man hier etwas entwickeln und aufbauen, auch mit der Nachbarschaft“, sagt Schneider.

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