Pressekonferenz der Wiener Festwochen 2019: Veronica Kaup-Hasler zwischen Rudolf Scholten, Präsident seit 2005, und den von ihr freihändig bestellten Intendanten Christophe Slagmuylder

© APA/HANS KLAUS TECHT

Kultur
04/19/2021

Kulturpolitik in Wien: Nichts geht über Vertrauenspersonen

"Trenklers Tratsch": Die Wiener Kulturstadträtin bestellt gerne Personen, die sie gut kennt. Etwa in den Aufsichtsrat der Festwochen

Auch Kulturpolitik ist Personalpolitik. Auch in Wien. Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler vergab die Intendanz der Wiener Festwochen freihändig – und ließ sich ihre Entscheidung erst danach legitimieren. Sicher, sie hatte 2018 nach dem Desaster mit Tomas Zierhofer-Kin rasch zu reagieren. Und sie machte mit Christophe Slagmuylder eine Person zum Intendanten, die sie gut kannte und der sie vertraute.

Kurz darauf, nach nur vier Monaten als Kulturstadträtin, verlängerte Kaup-Hasler den Vertrag von brut-Leiterin Kira Kirsch um weitere vier Jahre. Ohne vorherige Ausschreibung des Postens. Was man wissen muss: Kaup-Hasler war von 2006 bis 2017 Intendantin des Festivals steirischer herbst gewesen. Und Kira Kirsch war ebendort von 2007 bis 2015 Dramaturgin.

Involviert war Kaup-Hasler auch bei der Bestellung von Kay Voges zum Volkstheaterdirektor: Sie soll der Kommission nahegelegt haben, sich ihn genauer anzuschauen. Und nun sucht man für die Wiener Festwochen einen neuen Geschäftsführer. Denn Wolfgang Wais geht Ende September in Pension. Bewerbungen konnten bis 15. April an das Büro von Kaup-Hasler gerichtet werden. „Es gibt eine Bestellungskommission, das Verfahren wird auch von einer Headhunting-Firma begleitet“, beteuert Kaup-Hasler. „Ende Mai sollten wir eine Entscheidung haben.“

 

Aus diesem Grund hat sich Ihr Tratsch-Partner ein wenig mit der Struktur der GmbH beschäftigt. Ihm fiel auf, dass es im Aufsichtsrat nahezu keine Fluktuation gibt. Wiewohl eine solche bei einem Kontrollorgan wahrscheinlich nicht ganz unwichtig wäre. Kaup-Hasler führt als Entschuldigung an, dass drei der acht Aufsichtsratsmitglieder Betriebsräte seien, auf deren Bestellung „die Stadt“ keinen Einfluss hat.

Diese Antwort ist aber nicht nachvollziehbar. Denn die Hälfte der Mitglieder ist bereits seit mehr als 15 Jahren in Amt und Würden: Ex-Kulturminister Rudolf Scholten als Präsident, Erich Becker, Robert Reiter und Melanie Jamnig. Von diesen vier Personen ist nur eine Betriebsrätin. Die anderen Betriebsräte sind erst seit 2013 bzw. 2015 im Aufsichtsrat.

Warum es zu keinen Neubesetzungen kam, begründet Kaup-Hasler zudem mit der Pandemie: „Es war der Stadt in dieser Situation wichtig, auf Stabilität und Kontinuität zu setzen.“ Diese begann allerdings erst im März 2020.

Aber eine neue Person gibt es mit Artemis Vakianis ja doch im Aufsichtsrat. Sie wurde im Frühjahr 2019 in der Generalversammlung bestellt. Da es nur einen Eigentümer (die Stadt Wien) und nur eine Eigentümervertreterin (die Leiterin der Kulturabteilung) gibt, besteht die Generalversammlung gerade einmal aus den zwei Chefs der Festwochen – und aus Anita Zemlyak. Ob sie nach Gutdünken entscheiden darf?

Natürlich nicht, meint die Abteilungsleiterin: „Als Beamtin bin ich grundsätzlich weisungsgebunden.“ Kaup-Hasler also hat Vakianis nominiert. Und Vakianis war unter Kaup-Hasler von 2010 bis 2014 „Managing Director“ beim steirischen herbst. Es geht halt doch nichts über Vertrauenspersonen.

Ihr Tratsch-Partner schrieb Artemis Vakianis, seit September 2016 Vizepräsidentin des Wissenschaftsfonds, ein Mail: „Ich habe gelesen, dass Sie mit 1. Juni den FWF verlassen. Darf ich die Gründe erfahren? Ihre zweite Funktionsperiode begann ja erst im September 2020, also vor einem halben Jahr. Könnten die Festwochen ein Grund sein? Als Aufsichtsratsmitglied wussten Sie ja schon früh, dass die Geschäftsführung ausgeschrieben wird. Daher frage ich ganz direkt: Haben Sie sich beworben?“

Artemis Vakianis antwortete ausweichend: „Über meinen weiteren beruflichen Werdegang werde ich Sie gerne informieren, sofern es diesbezüglich Neuigkeiten gibt.“

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