© Christian Fürthner

Chronik Wien
06/26/2020

Kritik: Das kann der neue Copa Beach

Der Umbau wird rund 18 Millionen Euro kosten. Der KURIER zieht eine erste Bilanz des Projekts.

von Dominik Schreiber

Mehr als 100 Gerichtsprozesse, Kosten in zweistelliger Millionenhöhe und jahrelange Streitereien – als die Wiener Stadträtin Ulli Sima vor rund acht Jahren eine Räumung und Neugestaltung der damaligen Copa Cagrana begonnen hat, konnte niemand mit diesen gewaltigen Folgen rechnen.

Doch nun ist er da, die Stadt hat kürzlich den "Vollausbau" des mittlerweile zum Copa Beach umbenannten, knapp 500 Meter langen Abschnitts verkündet. Auch wenn noch ein Bauteil fehlt und kleine Türme geplant sind, die auf den Projektbildern eher wie Flaktürme wirken, kann man bereits eine erste Bilanz über das Mega-Projekt ziehen.

Der bisher beste Tag war der Pfingstmontag als - trotz Corona - wohl mehrere Tausend Menschen den neuen Copa Beach stürmten. Besonders der neue Skaterpark war derartig gut besucht, dass man sich wie in einem kleinen Stadion gefühlt hat.

Vor allem die Gastromeile entwickelt sich zu einem echten Renner. Besseres Essen und Trinken, aber weniger Menschen als beim eher grindigen Donaukanal. Statt der ursprünglich geplanten festen Lokale wurde das Konzept geändert und Container mit ständigem Wechsel der Betreiber eingeführt.

Statt dem Figar in der vergangenen Saison gibt es nun zum Beispiel großartige chilenische  „Kebabs“ oder spezielle Hot Dogs von Kimbo – sogar Trüffel-Pommesfrites können erstanden werden. Und wer es lieber bodenständiger haben will, dem bietet Radatz seit einigen Tagen eine Möglichkeit.

Die Besucher freut es jedenfalls, jedes Jahr etwas Neues ausprobieren zu können. Außerdem kann man so immer etwas neues zum Opening der Saison anbieten. Das ist jedenfalls das große Plus beim neuen Konzept. Die grünen Container der Gastromeile polarisieren zwar, aber sie machen dieses Popup-Konzept eigentlich erst möglich.

Und ein weiterer Vorteil: Damit wird auch das eher durchschnittliche Essen im großen Restaurant Rembetiko im Zentrum des Copa Beach überstrahlt.

Dieses sorgt eher mit seinen Toiletten für Gesprächsstoff bei den Besuchern. Denn in dem Restaurant gibt es die einzigen Klos auf der Ebene des Wassers. Die Betreiber haben naturgemäß wenig Freude mit Gästen, die den Sand aus den Strandabschnitten im gesamten Lokal verstreuten.

Doch der einzige WC-Container ist viel zu weit weg, viele Besucher nutzen deshalb die umliegenden Büsche für ihre Geschäfte. Sehr zum Ärger der Anrainer, die das von ihren Balkonen den ganzen Tag über beobachten können.

Und der Grünraum ist ohnehin seit Wochen ein Streitpunkt, viele meinen, dass es zu wenig davon gibt. Sogar eigene Internetseiten wurden dafür erstellt, die das beweisen sollen. Doch die Stadt betont, dass es mehr Grünflächen gibt als jemals zuvor. Um die Zahl der Bäume zu erhöhen wurden sogar einige in grauen Containern aufgestellt, die eher wie Betonsockel wirken. Diese eingemauerten Bäume polarisieren durchaus zu Recht, werden aber wohl zumindest für die kommenden drei Jahre das Bild des Copa Beach prägen.

Weniger Fotos

Positiv zu erwähnen ist, dass die Zahl der Fotos der Stadträtin am Promenadenbereich stark geschrumpft ist (und das in einem Wahljahr!). Statt Selbstbeweihräucherung zu versprühen, spricht der Copa Beach nun für sich selbst - sowie für den Erfolg der Stadt. Und dabei ist auch dem „Mister Copa Beach“ und Projektleiter Martin Jank ein Kompliment zu machen: Praktisch alles funktioniert reibungslos, Kritik gibt es nur auf sehr hohem Niveau.

Die Rechnung für das Top-Projekt der Stadt Wien: rund drei Millionen Euro kostete das Restaurant,  mehr als eine Million die Rechtsstreitigkeiten mit dem einstigen Generalpächter Norbert W., dazu kommen 10,3 Millionen für die ersten beiden Bauabschnitte und noch einmal weitere knapp drei Millionen für die weiteren zwei.

Die Endabrechnung inklusive allem wird in Summe also rund 17 bis 18 Millionen Euro ausmachen. Dafür wurde aus dem einstigen Schandfleck der Stadt ein Schmuckstück. Ob es das wert war, darüber kann man auf jeden Fall geteilter Meinung sein.

Fest steht, dem Publikum gefällt es und die Wiener strömen in Scharen auf den Copa Beach. Auch die Jugend hat offenbar einen neuen Ort zum Feiern gefunden, zuletzt gab es Partys und mit selbst mitgebrachte Musik wurde lange gefeiert.

Ab dem Herbst will sich die Stadt als nächstes der gegenüberliegenden Uferseite, der sogenannten Sunken City widmen. Diese ist längst in die Jahre gekommen, der moderne Copa Beach hat ihr bereits den Rang abgelaufen.

Es bleibt zu hoffen, dass es dort eine ähnliche Metamorphose gibt – zumindest Rechtsstreitigkeiten wird es weniger geben, da die Verträge dort leichter gekündigt werden können. Bis der gesamte Bereich Donauinsel neu gestaltet sein wird, wird jedenfalls über ein Jahrzehnt vergangen sein.

Doch man kann getrost sagen: Das waren keine vergeudeten Jahre.

Der Autor lebt seit Jahren mit Blick auf den Copa Beach und verfolgte über die vergangenen Jahre den Streit um jede einzelne Parzelle.

 

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