In einer Wiener WG mit Mördern und Dealern

In einer Wiener WG mit Mördern und Dealern
Ehemalige Kriminelle wohnen in einem Heim. Alle eint der Wunsch nach einem Neustart. Ex-Bankräuber Helmut ist dieser gelungen.

Helmut hat eine Bank ausgeraubt. Damals im Jahr 2011 – eine Verzweiflungstat, wie er sagt. Zum Gespräch kommt er gut gelaunt, stolz zeigt er seinen frisch unterschriebenen Arbeitsvertrag. Er wird künftig als Maler arbeiten. Zwischen dem Bankraub und dem neuen Job liegen vier Jahre Gefängnis und eine Zeit im Wohnheim für Haftentlassene der Erzdiözese Wien.

Die Einrichtung ist geschaffen worden, um Menschen nach dem Gefängnis eine Perspektive zu geben. Jenen, die durch ihre Straftat den Kontakt zu ihrer Familie verloren haben. Jenen, die den alten (schlechten) Umgang meiden wollen. Oder auch jenen, die Hilfe beim Wiedereinstieg in die Gesellschaft brauchen.

Die genaue Adresse des Heims für Männer in der Brigittenau bleibt für die Öffentlichkeit verborgen, der KURIER darf aber einen Blick hineinwerfen. Gleich nach der Eingangstür steht ein Christbaum. Auch ein selbst befüllter Adventkalender hängt dort, jeden Tag darf ein anderer der 28 Männer ein Sackerl mit Süßigkeiten öffnen – damit sich das ausgeht, sind manche Tage doppelt behängt. Auch zu Weihnachten selbst wird es Geschenke geben, für die Schüler ihr eigenes Geld gespart haben (siehe Artikel weiter unten). 

Im Heim wohnen ehemalige Kleinkriminelle, aber auch Mörder und Vergewaltiger. Angst habe sie vor keinem hier, sagt Heimleiterin Lilli Pock. „Altersbedingt vergesse ich sowieso, welcher Mann welche Straftat begangen hat.“ In einem Jahr wird Pock in Pension gehen.

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