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So heiß mag’s niemand: Lokalaugenschein am heißesten Ort Österreichs

Der alte Temperaturrekord aus dem Jahr 2013 in Bad Deutsch-Altenburg wurde am Dienstag gebrochen: In Stammersdorf hatte es kurz vor 16 Uhr exakt 41 Grad.
Themenbild Hitzewelle, Klimawandel, Hitze, Hitzerekord

Um 14.40 Uhr war es so weit. Der Allzeit-Temperaturrekord von Österreich – 40,5 Grad, aufgestellt im August 2013 in Bad Deutsch-Altenburg – ist gefallen. Die Messstelle in Stammersdorf in Wien zeigt 40,8 Grad. Und die Temperatur ist noch weiter gestiegen – auf 41,0 Grad kurz vor 16 Uhr. Der KURIER war in Stammersdorf vor Ort – gemeinsam mit anderen „Hitze-Touristen“, die sich an der Messstelle der Geosphere Austria einen Eindruck vom heißesten Ort jemals in Österreich machten.

Darauf, dass der Rekord fallen würde, dürfte die Geosphere jedenfalls vorbereitet gewesen sein. Ein Techniker sei bereits am frühen Nachmittag nach Stammersdorf gekommen, um eine zweite Messstation zu platzieren. Zur Sicherheit, dass die Messung auch stimmt, sagt ein Anrainer, der den KURIER zu den zwei Messstationen begleitet.

Dort angekommen liegt im Schatten eines Baumes, umringt von trockenem, gelbem Gras und Weinreben ein junger Mann. Er sei allerdings nicht von der Geosphere Austria, wie er gleich zu Beginn klarstellt. Er sei aus persönlichem Interesse hier, sagt Nico. Schon den ganzen Tag habe er die Werte online überprüft, und als Stammersdorf in Führung ging, habe er kurzerhand entschlossen, loszufahren. „Und hier im Schatten fühlt es sich gar nicht so schlimm an.“ Aber, und das sagt Nico mit Blick auf den Klimawandel und das vertrocknete Gras, das die Messstation umgibt: „Es ist ein trauriger Rekord.“

Dem stimmt ein weiterer Herr zu, der sich ebenfalls eigens für dieses Ereignis nach Stammersdorf begeben hat – und das mit dem Rad. „Ich hab mir gedacht, ich packe mal zusammen und schaue, wie sich das anfühlt“, sagt er. „Und es hat sich gigantisch angefühlt.“ Nicht im positiven Sinn, wie er zu verstehen gibt. „Der Klimawandel ist eine ernste Sache, und die Politik hat jahrzehntelang geschlafen.“

Hitze-Rekord: Wie vorhergesagt

„Es kommt jetzt genau so, wie es Klimatologen seit Jahren angekündigt haben“, hält Steffen Dietz, Meteorologe des Wetterdienstes Ubimet, fest. Früher wären Temperaturen über 40 Grad als unvorstellbare Ausreißer bewertet worden, heuer war der gestrige Dienstag der dritte Tag des Jahres mit mehr als 40 Grad – einer davon in jedem Sommermonat. Längere Trockenphasen, stärkere und längere Hitzephasen, extremere Unwetter mit großen Regenmassen: Das bringt der menschengemachte Klimawandel mit sich. Die aktuelle Hitzewelle wird laut Ubimet von mehreren Faktoren begünstigt. „Ein Tief über Nordwesteuropa schaufelt extrem heiße Luft aus Spanien und Nordafrika in den Alpenraum“, erläutert Jessica Spengler, ein Tief über Spanien sorgt mit einer Kaltfront dort für Abkühlung, „somit bekommen nur wir aktuell das heiße Wetter ab“, erläutert Spengler.

Die Hitze wird durch die lange herrschende – und noch nie da gewesene – Trockenheit befeuert, weiß Dietz: „Bei normaler Feuchte und grünem Gras würde viel Wärmeenergie beim Übergang verpuffen. Jetzt geht die Energie in die Luftmassen zurück.“ Und treibt die Temperaturen zusätzlich in die Höhe. Der 4. August hatte es in ganz Österreich in sich: An 50 Stationen wurde ein neuer Allzeit-Rekord gemessen. 99 Messstellen verzeichneten einen neuen Monatsrekord, an 211 Messstellen wurde der jeweilige Tagesrekord gebrochen.

Gestern war Wien auch der heißeste Ort in Europa, nur in Bratislava und Budapest war es ähnlich heiß. In Madrid hingegen hatte es „nur“ 33 Grad. Von einem europäischen Temperaturrekord ist man mit den 41 Grad in Wien aber noch weit entfernt. Dieser liegt bei 48,8 Grad – in Sizilien.

Die extremen Temperaturen sind auch in der Innenstadt zu spüren, wo Hitzeinseln für bis zu fünf Grad höhere Temperaturen sorgen als außerhalb der Städte. Vor allem in der Nacht, wie Meteorologin Spengler festhält. Das bestätigen auch die Wiener Laura und Cedric. Sie wohnen im 1. Bezirk und sind am Weg ins Fitnessstudio. „Dort gibt es eine Klimaanlage, in unserer Wohnung nicht“, sagt Laura. Trotzdem schätzen sie sich glücklich, denn „unsere Wohnung heizt sich nicht so stark auf“. Dennoch könne Cedric bei der anhaltenden Hitze nicht schlafen: „Das beeinträchtigt doch.“

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Vor dem Stephansdom suchen Dienstagnachmittag Menschen Schutz unter Schirmen, Zeitungen und Tüchern, viele sitzen mit Wasserflaschen auf den Bänken und legen im Schatten Pausen ein. Vor den Wasserspendern und Nebelduschen bilden sich lange Schlangen. Auch Reka und Patrik haben sich ein kaltes Getränk geholt. Patrik musste noch eine letzte Prüfung auf der Uni schreiben. „Aber ab morgen sind wir am Attersee. Nur so kann man der Hitze entkommen.“ Die Hitze mache Reka vor allem kreislaufmäßig zu schaffen. „Ich bin viel müder und muss aufpassen, keinen Sonnenstich zu bekommen.“

Laut der Wiener Berufsrettung steigen bei solch hohen Temperaturen die Einsätze um rund 10 Prozent. „Am häufigsten erleben wir Kreislaufprobleme, Hitzekollaps oder Dehydration“, erklärt ein Sprecher. Aus diesem Grund sei es besonders wichtig, ausreichend zu trinken. Das hat die 69-jährige Ingrid Maitz beherzigt und – anders als sonst – eine Wasserflasche mit.

Es bleibt extrem heiß

Die Hitze bleibt uns noch erhalten. Für heute, Mittwoch, ist im Osten noch mit Temperaturen von bis zu 40 Grad und darüber zu rechnen. Auch Donnerstag und Freitag werden extrem heiß, am Freitag ist dann mit schweren Gewittern zu rechnen, die für das Wochenende „Abkühlung“ auf sommerliche Temperaturen von rund 30 Grad bringen. Ab Montag steigen die Temperaturen wieder an.

Extreme Temperaturen – darauf werden wir uns für die nächsten Jahre einstellen müssen, daran lassen die Meteorologen und Klimatologen keinen Zweifel. „Das bringt der Klimawandel nun mal mit“, spricht Spengler Klartext, „dass diese Extreme häufiger werden.“ Es werde zwar wieder mal Sommer unter dem Klimamittel geben, aber grundsätzlich sei die Richtung klar: „Wir müssen uns immer häufiger nicht nur auf hohe Temperaturen, sondern auch auf andere Extremwetterereignisse wie Starkregen und Unwetterlagen einstellen.“

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