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Chronik Wien
05/08/2020

Hereinspaziert: Wie der Wiener Prater um die Öffnung kämpft

Die Praterfamilien starteten Petition, um am 15. Mai öffnen zu können. Viel Zeit bleibt ihnen nicht mehr.

von Katharina Zach, Gilbert Novy

So richtig still ist es im Prater nicht. Da wird gehämmert und gebohrt, neue Fahrgeschäfte ausgetestet (leer natürlich). Doch im Vergleich zu einem normalen Frühsommertag ist der Lärmpegel gering.

Denn zum ersten Mal seit 254 Jahren hat der Traditionsvergnügungspark geschlossen. Wann er wieder aufsperrt? Ungewiss, denn im Gegensatz zur Gastronomie, den Bädern oder auch den Hotels, haben die 80 Familien keine Information, wie und vor allem wann es für sie weitergeht.

Knapp kalkuliert

„Ich bin schon richtig nervös“, sagt Katja Kolnhofer. Ihrem Unternehmen gehören unter anderem das Geisterschloss, das Superautodrom, das Überkopf-Karussell Extasy. Und sie hat nach Investitionen im Winter Kredite im sechsstelligen Bereich, die sie derzeit schwer bedienen kann.

„Es ist für die Betriebe eine große Herausforderung, weil wir sehr knapp kalkulieren“, sagt auch Prater-Chef Stefan Sittler-Koidl. Nicht nur die Betriebe sind unter Druck, auch 1.200 Arbeitsplätze stehen im schlimmsten Fall auf dem Spiel.

Deshalb soll es im Prater nun wieder laut werden. Kolnhofer und Sittler-Koidl haben eine Petition gestartet, in der sie an Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) appellieren, ihnen die Genehmigung zum Aufsperren zu erteilen.

Knapp 800 Personen haben bereits unterschrieben. Die Betriebe würden gerne mit der Gastronomie am 15. Mai öffnen. Auch in Deutschland, argumentieren sie, dürften Freizeitparks im Mai wieder aufsperren.

Und überhaupt je mehr Freizeiteinrichtungen offen haben, desto mehr würden sich die Besucher verteilen.

Abstand und Maske

Dass die Hygienevorschriften eingehalten werden können, davon ist Sittler-Koidl überzeugt. Die "International Association of Amusement Parks and Attractions" - also die internationale Vereinigung der Freizeitparks, hat Maßnahmen ausgearbeitet, die die Praterfamilien auch bereits den zuständigen stellen vorgelegt haben.

So würde es Abstandsmarkierungen für die Warteschlangen geben. Mitarbeiter würden mit Masken und Gummihandschuhen ausgestattet. Bei allen Fahrgeschäften würden Desinfektionsmittelspender aufgestellt. Zudem sollen weniger Leute gleichzeitig die Fahrgeschäfte nutzen dürfen.

Im weitläufigen Areal des Praters würden sich die Besucher verteilen. „Es bleiben die Touristen aus, dadurch ist Platz für alle“, sagt der Praterchef. Mitarbeiter würden darin geschult, Menschenansammlungen zu unterbinden.

Um sich Gehör zu verschaffen, werden am Sonntag, zwischen 14 und 16 Uhr die Lichter und die Musik im Prater aufgedreht.

Unterstützung erhalten die Praterfamilien von der SPÖ Leopoldstadt. Immerhin ist der Prater ein Kulturgut. Und er gehört zur Leopoldstadt und zu Wien. Dass man auf ihn vergessen habe, sei verwunderlich, meint SPÖ-Bezirksgeschäftsführer Alexander Nikolai.

"Wie Wien ohne Stephansdom"

Er glaubt aber nun an eine rasche Lösung. "Die Petition ist ja laut und wir sind auch laut. Die Bundesregierung wird nicht einfach so weghören können", meint er. Überhaupt ein Wien ohne Prater? "Das wäre wie Wien ohne Stephansdom."

Viel Zeit bleibt nicht.

Der einkommensstärkste Tag des Jahres, der 1. Mai, ist verstrichen. Die Osterferien sind längst vorbei. Am 23. und 24. Mai ist das Fest des Fastenbrechens am Ende des Ramadan. „Wenn wir das nicht haben, bleibt nicht viel übrig, mit dem man Geld machen kann“, sagt Kolnhofer.

Zur Petition: "Wir retten den Wiener Wurstelprater"