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Chronik Wien
01/22/2020

Grüne Pläne: So soll die neue Gumpendorfer Straße aussehen

Am Fritz-Grünbaum-Platz und am Kurt-Pint-Platz sind Begegnungszonen geplant. Das soll den Durchzugsverkehr reduzieren.

von Stefanie Rachbauer, Laura Schrettl

Nicht mehr zeitgemäß und dem Charakter der Straße widersprechend: So beschreibt Verkehrsplaner Harald Frey von der Technischen Universität (TU) Wien den aktuellen Zustand der Gumpendorfer Straße. Und zwar in einer Studie, die Frey für die Grünen Mariahilf ausgearbeitet hat. Am Mittwoch wurde sie vorgestellt.

Wie berichtet, wollen die Grünen den Durchzugsverkehr auf der Verbindungsachse zwischen Getreidemarkt und Gürtel stark reduzieren.

Gelingen soll das laut der Untersuchung mit zwei Begegnungszonen – einer beim Fritz-Grünbaum-Platz (unweit des Apollo-Kinos und des Haus des Meeres) und einer am Kurt-Pint-Platz (bei der Kirche). Das heißt: Autolenker, Radfahrer und Fußgänger sind dort mit maximal 20 km/h unterwegs - und das gleichberechtigt.

Bild links: © Grüne Wien

Bild rechts: © Grüne Mariahilf

Die Kreuzung beim Apollo-Kino in Blickrichtung Gürtel.

Außerdem soll der Bereich durchgängig gepflastert werden. „Der öffentliche Raum wird so deutlich aufgewertet“, sagt Frey.

Den Kreuzungen mit der Laimgrubengasse, der Joanelligasse, der Amerlingstraße und der Marchettigasse möchten die Grünen ebenfalls eine neues Erscheinungsbild verpassen: Sie sollen farbig gestaltet oder mit einem neuen Belag ausgestattet werden.

Rund 250 Meter lange Einbahn

Breitere Gehsteige und Gehsteigvorziehungen sollen 5.000 zusätzliche Quadratmeter Fläche für Fußgänger schaffen. Damit Fußgänger die Straße barrierefrei überqueren können, ist geplant, die Fahrbahn an den Zebrastreifen bei allen Kreuzungen anzuheben. Dadurch wird laut Frey verhindert, dass Autos zu schnell in die Gumpendorfer Straße einbiegen.

Zudem ist bei jeder Kreuzung eine Grünfläche geplant, entlang der gesamten Straße sollen Bäume gepflanzt werden. Insgesamt soll die "Gumpi" so 800 Quadratmeter zusätzliche Grünflächen bekommen.

Und: Die Studie sieht vor, dass Autos zwischen Stiegengasse und Fritz-Grünbaum-Platz nur noch stadtauswärts fahren dürfen.

Für die Buslinie 57A soll die Einbahnregelung nicht gelten. Zudem sieht das Konzept vor, dass es in Zukunft keine Haltebuchten für die Busse gibt. Stattdessen sollen sie auf der Fahrbahn halten. Der Vorteil dieser Variante: Der Bus muss nicht mehr warten, bis ihn nachkommende Autos einordnen lassen.

Bis zu 50 Prozent weniger Verkehr

Ziel der insgesamt 50 Maßnahmen aus der Studie ist, das künftig weniger Autos durch die Gumpendorfer Straße fahren - und das langsamer. Vorgeschrieben ist Tempo 30. Laut Freys Geschwindigkeitsmessungen waren im Juli 2018 rund 60 Prozent der Fahrzeuge mit mehr als 35 km/h unterwegs.

Bild links: © Grüne Wien

Bild rechts: © Grüne Mariahilf

Die Kreuzung beim Apollo-Kino in Blickrichtung Getreidemarkt.

Insgesamt befahren täglich rund 10.000 Autos die Gumpendorfer Straße – wobei die Belastung stadteinwärts höher sei als stadtauswärts. Fahrbahnanhebungen und Gehsteigvorziehungen allein könnten den Verkehr um bis zu zehn Prozent reduzieren, sagt Frey. „Werden alle vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt, ist eine Reduktion von 50 Prozent und mehr drinnen.“

Drei Millionen Euro

Die Kosten für die Neugestaltung werden auf drei Millionen Euro geschätzt. Ob und wann sie umgesetzt wird, ist aber noch offen. Die Grünen sehen die Untersuchung als Startschuss für eine „intensive politische Überzeugungsarbeit“.

„Wir führen laufend Gespräche, sowohl mit der Bevölkerung als auch mit anderen Fraktionen“, sagt der grüne Bezirksvorsteher-Stellvertreter Michael Reichelt. Umgesetzt werden soll der Umbau in der nächsten Legislaturperiode, die im Herbst 2020 beginnt. Mit kleinstmöglichen Kompromissen wolle er sich jedenfalls nicht zufrieden geben.

Peter Kraus, Planungssprecher der Wiener Grünen, gibt sich optimistisch: Andere Begegnungszonen wie die Rotenturmstraße, die Herrengasse und die Mariahilfer Straße würden zeigen, dass die Akzeptanz der Bevölkerung und der Geschäftsleute für Begegnungszonen mittlerweile groß sei. „Das Mobilitätsverhalten ändert sich. Das macht es notwendig, zentrale Straßen anders zu gestalten.“